Jakobsweg und Höhlenwunder: Asturiens Kultur-Highlights

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Für ihre Strände, Küsten und die Berge im Hinterland ist die nordspanische Region Asturien bekannt. Doch die wildromantischen Weiten der Costa Verde haben nicht nur Natur zu bieten, sondern auch eine tiefreichende Kultur, die sich in ihnen verbirgt.
Von den ersten Zeugnissen der europäischen Menschheitsgeschichte über historische Kirchenbauten mitten im Nirgendwo und verbindende Bergbautrassen bis hin zur Geburt des Camino Primitivo, dem ersten Abschnitt des berühmten Jakobswegs, zeigt sich Asturiens kulturelles Erbe erstaunlich vielfältig. Fünf Kultur-Highlights und ihre Geschichte.
Asturiens alter Schatz: Höhlenmalereien in den Bergen

Sie zählen zu den ältesten Spuren der Siedlungsgeschichte in Europa: die steinzeitlichen Höhlenmalereien in Nordspanien. Fünf Cuevas in Asturien sowie weitere nahe Fundorte rund um Altamira zählen seit 2008 zum Unesco-Weltwerbe. Warum die Höhlenkunst so schützenswert ist, wird beim Blick auf ihr Alter deutlich: Die Wissenschaft nimmt an, dass die unterschiedlichen Darstellungen teils vor rund 33.000 Jahren auf die Höhlenwände gezeichnet wurden.
Einer der bekanntesten Fundorte ist die Cueva de Tito Bustillo, benannt nach einem ihrer Entdecker im Jahr 1968. Die Höhle liegt im östlichen Teil Asturiens unweit der Ortschaft Ribadesella. Wer sie besucht, kann hier eine Malerei von Pferden und Hirschen besichtigen. Nicht minder beeindruckend ist die 50 Kilometer entfernte Cueva del Pindal, die über dem Meer thront und deren Tierzeichnungen unter anderem ein Mammut zeigen.
Ein weiteres Highlight findet sich gut 100 Kilometer westlich: Über dem rechten Ufer des Flusses Nalón thront die Cueva de La Peña 200 Meter über dem Tal. Ihr Werk „Muro de los Grabados“ setzt sich aus Ockerzeichnungen, schwarzen Tierfiguren und Gravuren in drei Schichten zusammen. Ihr genaues Alter ist nicht bekannt. Forscherinnen und Forschern zufolge entstanden diese historischen Zeugnisse vor 13.000 bis 21.000 Jahren.
Der Zutritt zu allen Höhlen ist nur im Rahmen einer Führung, in der Regel während der Saison zwischen März und Oktober, möglich. Tickets kosten nur wenige Euro, müssen aber vorab gebucht werden. Die Touren finden meistens auf Spanisch statt.
Einzigartige Kirchen zwischen Hügeln und Tälern

Mit dem Königreich Asturien entstanden ab dem 8. Jahrhundert frühe sakrale Bauten, die weltweit einmalig sind. Ein besonders außergewöhnliches Zeugnis dieser Zeit steht am Südhang des Monte Naranco über der Stadt Oviedo: Die Santa María del Naranco, zwischen 842 und 850 unter Ramiro I. errichtet, diente ursprünglich gar nicht als Kirche, sondern als königlicher Saalbau mit offenen, schmuckvollen Loggien an beiden Seiten. Wie fortschrittlich die Architektur war, zeigt sich anhand der gedrehten Säulen, Bögen und Medaillons mit Tierfiguren. Zugleich zeigt die Verzierung, dass sich die damaligen Baumeister von östlichen Kulturen inspirieren ließen. Erst später, vermutlich im 12. Jahrhundert, weihte man das eindrucksvolle Gebäude zur Kirche.
Wenige hundert Meter bergauf findet sich ein weiterer Bau: die San Miguel de Lillo, von der heute nur noch rund ein Drittel zu sehen ist. Unten im Stadtgebiet liegt mit der San Julián de los Prados die älteste und größte erhaltene Kirche der asturischen Präromanik.
Auch abseits der Hauptstadt Oviedo finden sich einige der präromanischen Gebäude. Sie liegen eingebettet zwischen Tälern und Hügeln, meist dort, wo einst Pässe und wichtige Verkehrswege verliefen. Seit 1985 zählen einige dieser präromanischen Bauwerke zum Unesco-Welterbe, darunter Santa María del Naranco, San Miguel de Lillo und Santa Cristina de Lena.
Die Goldschmiedekunst von Asturien

Mit dem Sieg über die Umayyaden wurde im 8. Jahrhundert der Grundstein für das einstige Königreich Asturien gelegt. Der westgotische Adlige Pelayo übernahm die Herrschaft. Sein Urenkel Alfons II. bestieg 791 den Thron und verlegte in den ersten Jahren seiner Regierungszeit den Hof nach Oviedo. Die Stadt wurde damit zum politischen und religiösen Zentrum der asturischen Monarchie. Hier perfektionierte man eine bis heute bewahrte Kunstform: das Goldschmiedehandwerk.
Viele Werke und Schmuckstücke dieser Zeit sind erhalten, sie werden in der Heiligen Kammer, der Cámara Santa, in der Kathedrale von Oviedo verwahrt. Eines der beeindruckendsten Stücke ist das sogenannte Cruz de los Ángeles, das älteste erhaltene Werk. Das goldene, mit Granat und Achat besetzte Kreuz ist bis heute Wappenzeichen der Stadt. Ebenfalls von besonderem Wert: das Cruz de la Victoria, das im Auftrag von Alfons III. und seiner Frau Jimena entstand. Der Kern des Kreuzes besteht aus Eichenholz, wurde mit Goldblech verkleidet und unter anderem mit Emaille und Perlen verziert. Das fünf Kilo schwere Cruz schmückt bis heute das Wappen und die Flagge Asturiens.
Die Heilige Kammer und die Goldschätze der Kathedrale können ganzjährig im Rahmen eines Rundgangs durch den Sakralbau besichtigt werden. Eine Vorabbuchung ist empfehlenswert.
Industrieerbe zwischen Bergbautälern und Hafenstädten

Sie hat die Region und die Landschaft stärker geprägt als jeder König: die Steinkohle, die unter den grünen Hügeln Asturiens verborgen liegt. Südlich von Oviedo bei Nalón und Caudal entstand ab dem 19. Jahrhundert das wichtigste Kohlerevier Spaniens, die Cuencas Mineras. Familien aus dem ganzen Land zogen zu, Dörfer wuchsen zu Industriestädten, 1967 fasste der Staatskonzern Hunosa fast alle Gruben zusammen. Wie auch andernorts in Europa nahm der Aufschwung ab den 1980er Jahren ein Ende. Eine Mine nach der anderen musste schließen, 2019 endete die Förderung endgültig. Die Bergbautäler verloren in dieser Zeit mehr als ein Drittel ihrer Einwohner.
Heute stehen die Relikte des Bergbaus weitgehend leer. Zechen, Stollen, Schächte und Fördertürme wurden vielerorts zurückgelassen. An einigen Orten jedoch können sich Besucher im Rahmen von Führungen auf die Spuren der Industriegeschichte begeben und mitunter aufregende Orte besuchen. Etwa die Mina de Arnao bei Castrillón, die unter dem Meeresboden liegt. Das hölzerne Fördergerüst und ein Teil der unterirdischen Stollen können Interessierte besichtigen (Hinweis: 2026 ist die Mine wegen Renovierungsarbeiten bis auf Weiteres geschlossen).
Wer die Untergrundwelt nicht scheut, kann in den Tälern die Zeche Pozo Sotón besuchen. Hier führt ein tiefer Förderschacht in ein 140 Kilometer langes Stollennetz. Seit 2014 steht die Mine unter Denkmalschutz. Besucher können – allerdings nur in voller Bergbaumontur – im Rahmen von Führungen durch erfahrene Bergleute hinabsteigen. In El Entrego, wenige Kilometer entfernt, informiert das Museo de la Minería y de la Industria über Technik, Alltag und die anspruchsvolle Arbeit der Bergleute.
Zwei weitere spannende Kulturorte sind eng mit der Geschichte der Region verbunden. Da ist zum einen die Universidad Laboral in Gijón: Der monumentale Bau war ursprünglich als Waisenhaus für die Kinder verunglückter Bergarbeiter geplant, doch das Projekt änderte sich noch vor der Fertigstellung. Eröffnet wurde er schließlich als Universidad Laboral, eine Bildungsstätte für Berufsausbildung. Heute trägt der Komplex den Namen Laboral Ciudad de la Cultura und beherbergt verschiedene Kultureinrichtungen, darunter das Kunstzentrum LABoral Centro de Arte. Zum anderen gibt es das Kulturzentrum Centro Niemeyer in Avilés, das 2011 auf einem einstigen Industriegelände eröffnet wurde. Den architektonischen Entwurf schenkte der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer dem Fürstentum Asturien als Dank für den Prinz-von-Asturien-Preis, mit dem er 1989 ausgezeichnet worden war.
Camino Primitivo: Der Jakobsweg, der alles verbindet

Hunderte Kilometer Jakobsweg ziehen sich durch weite Teile Westeuropas. Was viele nicht wissen: Den Ursprung des europäischen Pilgerns und des bekannten Weges nahm der Camino im frühen 9. Jahrhundert in Asturien. Nachdem Bischof Teodomiro ein Grab in Galicien als das des Apostels Jakobus ausgerufen hatte, brach Alfons II. im Jahr 814 von Oviedo dorthin auf und wurde zum ersten Pilger. Seine Route heißt heute Camino Primitivo, misst rund 320 Kilometer und führt auf sieben asturischen Etappen unter anderem über die Gemeinden Grado, Salas und Grandas de Salime nach Lugo.
Besonders: Die Variante Ruta de los Hospitales verläuft über einen Bergrücken ohne Dörfer, vorbei an den Ruinen mittelalterlicher Pilgerherbergen. Wer sie entlangläuft, passiert dabei einige der bedeutendsten Kulturschätze Asturiens – beginnend in der Kathedrale mit der Cámara Santa, vorbei an den präromanischen Kirchen, durch die Bergregionen, in denen einst Kohle abgebaut wurde. Seit 2015 zählt der Camino Primitivo mit den übrigen Nordrouten zum Unesco-Welterbe.
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