Food-Reise durch Nordspanien: So schmeckt Asturien

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Vom Atlantik in die Berge, vom Apfelgarten in die Sidrería, von grünen Weiden bis in die Höhlen der Berge: In Asturien liegen Landschaft und lokale Küche dicht beieinander. Fisch und Meeresfrüchte prägen die Küste, im Hinterland wachsen Äpfel und Hülsenfrüchte, und in den Bergen entstehen einige der bekanntesten Käsesorten Spaniens.
Wer Asturien kulinarisch entdeckt, lernt deshalb nicht nur einzelne Spezialitäten kennen. Eng verbunden sind die Handwerke der Fischer, Käser, Obstbauern und Köche. Die asturische Küche erzählt stets viel über die Landschaft, aus der sie kommt. Gleichzeitig entwickelt sich ihr Geschmack mit nur wenigen, dafür umso hochwertigeren Zutaten.
Fisch und Seafood: Von der Costa Verde auf den Teller

Mit dem Atlantik sind Asturien und ihre Costa Verde seit jeher tief verbunden. Mehr als 400 Küstenkilometer verlaufen am Kantabrischen Meer. In den Hafenorten haben Fischfang und Seefahrt deshalb eine lange Tradition und gehören fest zur regionalen Esskultur. Seehecht, Seeteufel – in Asturien oft Pixín genannt – oder Bonito finden sich ebenso in den Netzen und auf den Speisekarten wie Muscheln und andere Meeresfrüchte. Häufig bleibt die Zubereitung in den Restaurants bewusst schlicht.
Eine besondere, asturische Spezialität sind Oricios, Seeigel, die hier zuhauf vorkommen und vor allem in der kalten Jahreszeit gegessen werden. In Orten wie Llastres, Luarca und Gijón lässt sich die maritime Seite der asturischen Küche besonders gut kennenlernen. Wer das Handwerk der Fischer hautnah erleben möchte, kann in einigen Hafenorten die Rula besuchen. So heißt die traditionelle Fischauktion, bei der der fangfrische Fisch direkt nach der Anlandung versteigert wird.
Die Käsekultur der Berge

Auch aus den Bergen stammen einige der besten Produkte der Region. Asturien gehört mit seinen Viehweiden zu den spannendsten Käseregionen Spaniens: Mehr als 40 handwerklich hergestellte Käsesorten zeugen von einer tief verwurzelten Käsetradition. Besonders bekannt ist der Cabrales, ein kräftiger Blauschimmelkäse, der fast ausschließlich in der gleichnamigen Gemeinde Cabrales in den Picos de Europa hergestellt wird. Traditionell reift der Cabrales in natürlichen Höhlen, deren feuchtes und kühles Klima entscheidend für seinen starken, tiefen Charakter ist. Auch der Gamonéu zählt zu den bekannten Spezialitäten der Region und wird aus einer Mischung von Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch hergestellt. Sein charakteristisches Merkmal ist das rauchige Aroma. Die fruchtbaren Wiesen, die ökologische, teils traditionelle Tierhaltung und besondere Reifebedingungen prägen den Geschmack der lokalen Käsesorten unmittelbar.
Wie viel Handwerk in jedem Laib steckt, können Reisende vor Ort selbst erleben: Zahlreiche Käsereien und Reifehöhlen öffnen ihre Türen für Besucher und bieten Führungen und Verkostungen an. In Arenas de Cabrales etwa zeigt die Cueva Exposición del Queso de Cabrales, wie der berühmte Blauschimmelkäse in einer natürlichen Höhle heranreift.
Asturiens Sidra: Vom Apfelgarten zum geselligen Ritual
Besonders anschaulich erzählt Sidra davon, wie aus einem landwirtschaftlichen Erzeugnis ein Teil der regionalen Identität werden kann. Die Äpfel wachsen in den sogenannten Pomaradas, weitläufigen Obstgärten, die vor allem während der Blüte im Frühjahr das Bild vieler Gegenden prägen. Nach der Ernte werden die Früchte gepresst und zu einem meist trockenen, leicht säuerlichen Apfelwein verarbeitet. In Keltereien lässt sich verfolgen, wie aus unterschiedlichen Apfelsorten ein Getränk entsteht, das im Alltag weit mehr bedeutet als bloße Erfrischung. Viele Llagares, wie die traditionellen Sidra-Keltereien heißen, laden zu Führungen und Verkostungen ein. Dabei lernen Besucher die Herstellung vom Apfel bis zum fertigen Getränk kennen. Einen umfassenden Einblick in Geschichte und Kultur des asturischen Apfelweins bietet zudem das Sidra-Museum (Museo de la Sidra) in Nava.
Seinen eigentlichen Charakter entfaltet Sidra in den Sidrerías. Besonders in Oviedo und Gijón gehören sie selbstverständlich zum gesellschaftlichen Leben. Beim „Escanciado“ wird die Flasche hoch über dem Kopf gehalten, während der Apfelwein in einem dünnen Strahl in das tief gehaltene Glas trifft. Der Kontakt mit der Luft bringt Frische und Aroma hervor. Getrunken wird direkt danach und meist in Gesellschaft. Seit 2024 zählt die asturische Sidrakultur zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Gewürdigt wird damit ein Zusammenspiel aus Apfelanbau, Herstellung, Ausschank und gemeinschaftlichem Genuss. Kaum ein anderes Beispiel zeigt so deutlich, wie aus einem Produkt ein Ritual werden kann.
Klassiker im Hinterland: Fabada Asturiana und Cachopo

Deftig, bodenständig und in Nordspanien beliebt ist das Gericht Fabada Asturiana. Die Grundlage bilden große weiße Bohnen, die sogenannten Fabes. Dazu kommt die Wurstmischung Compango, die sich traditionell aus Chorizo und Morcilla zusammensetzt. Alle Zutaten werden langsam miteinander gegart, das Ergebnis ist ein kräftiger Eintopf, der den Charakter der ländlich geprägten, einfachen, aber geschmacksintensiven Küche Asturiens widerspiegelt. Die Fabada gibt es mittlerweile in vielen Variationen, an der Küste wird sie mit Meeresfrüchten angereichert und in jungen Restaurants mitunter modern oder vegetarisch interpretiert.
Zu den deftigen Klassikern zählt auch Cachopo. Dafür werden dünne Rindfleischstücke mit Schinken und Käse gefüllt, paniert und gebraten. Wie auch die Fabada wird Cachopo meist großzügig serviert. Beide Gerichte haben ihren Ursprung in den grünen Tälern Asturiens, in denen neben Äpfeln auch Hülsenfrüchte wie Bohnen und Gemüsesorten angebaut werden.
Dessert und Süßes aus Asturien
Neben Fleisch, Sidra und Käse spielt in Asturien auch der letzte Gang eine wichtige Rolle. Zu den beliebtesten Süßspeisen zählen der Arroz con Leche, ein süßer Milchreis mit karamellisierter Oberfläche, sowie die dünnen Pfannkuchen Frixuelos. Beliebt sind auch die Teigtaschen Casadielles, die mit Wein oder Likör und Nüssen zubereitet werden. Die Hauptstadt Asturiens, Oviedo, ist für ihr süßes Mandelgebäck Carbayón bekannt, welches es in vielen Cafés zu kaufen gibt.
Eine ganze Landschaft auf dem Teller
Wer in Asturien zu regionaler Küche einkehrt, begegnet dabei unwillkürlich dem Ort, aus dem Produkte und Zutaten stammen: Ein Glas des frisch-fruchtigen Sidra führt in die blühenden Apfelgärten, ein Stück des kräftigen Cabrales in die Höhlen der Berge, die traditionellen Fischgerichte zurück an die Küste. Gerade darin liegt der besondere Reiz des kulinarischen Asturiens. Durch die Nähe zum Ursprung und zu regionalen Produzenten kann die Qualität gewährleistet werden und die gastronomische Tradition bestehen.
Hier erfahren Sie noch mehr über die Esskultur in Asturien.