Die schwimmende Stadt: 10 besondere Sehenswürdigkeiten in Venedig

Eine bittersüße Sehnsucht treibt viele um, wenn sie an Venedig denken: Zu schön ist die Lagunenstadt in Norditalien mit all ihren Kanälen und Brücken, mit den Häusern, die scheinbar über dem Canal Grande schweben, und den romantischen Gondeln, die durch die Wasserstraßen schippern. Gleichzeitig setzen Massentourismus und der Klimawandel Venedig zu – es bleibt unklar, wie lange die schwimmende Stadt noch bewohn- und besuchbar sein wird. Verschiedene Initiativen schöpfen jedoch Hoffnung aus ihren Projekten, etwa aus „MOSE“ (Modulo Sperimentale Elettromeccanico), einem Hochwasserschutzprojekt, das auf Sturmflutsperrwerke an den Zugängen zur Lagune von Venedig setzt. Darüber hinaus wurden die Regelungen für Kreuzfahrtschiffe innerhalb der Stadt in den letzten Jahren deutlich strikter.
Grund genug also, der bittersüßen Stimmung mit purer italienischer Lebensfreude zu begegnen – in den typisch venezianischen Restaurants direkt am Wasser, in den hochkarätigen Ausstellungshäusern der Stadt und mit den besten Panoramen über Venedig.
Wir zeigen zehn besondere Sehenswürdigkeiten in der Lagunenstadt.
Canal Grande mit Rialtobrücke

Der Canal Grande gehört zu den berühmtesten Postkartenmotiven Venedigs: In einer schlangenförmigen Kurve zieht sich der größte Kanal der Stadt vorbei an rund 200 historischen Palazzi durch das Zentrum. Einst war er die wichtigste Handelsroute der Lagunenstadt, heute teilen sich Gondeln, Vaporetti (Wasserbusse) und private Boote das Wasser.
Obwohl Venedig insgesamt rund 430 Brücken zählt, überspannen den Canal Grande nur vier. Die bekannteste ist die Ponte di Rialto, die im 16. Jahrhundert aus Stein errichtet wurde, nachdem frühere Holzversionen immer wieder eingestürzt waren. Bis heute säumen kleine Boutiquen die Arkaden der Brücke. Auch die Gondeln haben in Venedig eine lange Tradition: Schon im Mittelalter besaßen viele Patrizierfamilien ihre eigenen Boote – samt Hausangestelltem, der sie zu bewegen wusste. Bis heute gilt das Fahren der Gondeln als anspruchsvolles Handwerk, für das eine spezielle Ausbildung und Lizenz erforderlich sind.
Basilica di Santa Maria della Salute

Ohne die Pest gäbe es diese Kirche nicht: Als 1630 eine verheerende Epidemie zwei Drittel der venezianischen Bevölkerung dahin raffte, gelobte Doge Nicolò Contarini den Bau einer Kirche, sollte die Stadt von der Seuche erlöst werden. Bereits ein Jahr später begann unter der Leitung des damals noch unbekannten Architekten Baldassare Longhena der Bau der Basilica di Santa Maria della Salute. Seit ihrer Einweihung 1687 gilt sie als Symbol für den Widerstand Venedigs gegen die Pest.
Die Kirche liegt im Stadtteil Dorsoduro an der Mündung des Canal Grande in die Lagune. Ihre schneeweiße Kuppel aus istrischem Marmor prägt bis heute die Silhouette der Stadt und ist von vielen Punkten Venedigs sichtbar – besonders eindrucksvoll vom Campanile am Markusplatz. Mit ihrem achteckigen Grundriss gilt die Basilica della Salute als Meisterwerk des venezianischen Barocks, im Inneren hängen Werke von Tizian und Tintoretto.
Noch heute feiern die Bewohner Venedigs die Erlösung von ihrer letzten Pestepidemie: mit der alljährlichen „Festa della Madonna della Salute“ im November.
Murano und Burano

Nur wenige Vaporetto-Minuten von Venedigs Altstadt entfernt liegen die berühmten Laguneninseln Murano und Burano. Murano, ein aus sieben durch Brücken verbundenen Inseln bestehender Archipel, gilt seit dem Mittelalter als Zentrum der venezianischen Glaskunst. Noch heute können Besucher den Glasbläsern bei ihrer Arbeit zusehen oder im Museo del Vetro mehr über die traditionsreiche Handwerkskunst erfahren. Bereits 1295 wurden die Glasöfen aus Brandschutzgründen und zum Schutz des Herstellungsgeheimnisses von Venedig nach Murano verlegt.
Burano wiederum ist berühmt für seine Spitzenstickerei („Merletto“) und die leuchtend bunten Häuser entlang der Kanäle. Man geht heute davon aus, dass die Gebäude damals so gestrichen wurden, um Seefahrern die Orientierung zu erleichtern und das angesteuerte Haus bei Wind und Wetter erkennen zu können. Jedenfalls bewahren die Insulaner diese Tradition noch heute: Für jeden neuen Anstrich muss eine Genehmigung erfolgen. Es lohnt sich, hier einfach umherzuschlendern – und Bussolà, den typischen Butterkeks der Insel, zu probieren.
Peggy Guggenheim Collection

Venedig ist neben all ihren anderen Attributen auch eine Stadt der Kunst – nicht zuletzt deshalb wird alle zwei Jahre die Kunstbiennale in der Lagunenstadt ausgerichtet. Auch die Peggy Guggenheim Collection, die im Palazzo Venier dei Leoni direkt am Canal Grande untergebracht ist, zieht in diesen Monaten (2026 vom 9. Mai bis 22. November) noch mehr Aufmerksamkeit auf sich als sonst. In dem Palast aus dem 18. Jahrhundert lebte die Kunstsammlerin Peggy Guggenheim bis zu ihrem Tod im Jahr 1979, ein Jahr später wurde das Gebäude mit ihrer Sammlung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Zu sehen sind unter anderem Kunstwerke von Jackson Pollock (Peggy Guggenheim war eine wichtige Mäzenin von Pollock und mitverantwortlich für seinen Erfolg), Salvador Dalí, Wassily Kandinsky und Pablo Picasso. Die Sammlung konzentriert sich vorrangig auf Kunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Eines der berühmtesten Zitate von Guggenheim: „My motto was 'Buy a picture a day' and I lived up to it.“ Das glaubt man direkt, wenn man den Palazzo Venier dei Leoni betritt. Auch der dazugehörige Skulpturengarten ist einen Besuch wert.
Jüdisches Viertel in Cannaregio

Cannaregio gehört zu den lebendigsten Vierteln auf dem Inselteil Venedigs. Hier lohnt es sich, einfach loszuschlendern und in einem der vielen Restaurants Platz zu nehmen. Besonders wichtig für dieses Quartier ist das Jüdische Viertel, das 1516 als erstes, damals noch „Ghetto“ genanntes Jüdisches Viertel in Europa erschlossen wurde. Tatsächlich mussten jüdische Menschen vom 16. Jahrhundert an in diesem Wohngebiet leben, das nachts sogar verschlossen war – bis Napoleon diese Regelung 1769 aufhob.
Die jüdische Gemeinde Venedigs wurde während des Holocausts systematisch verfolgt und ermordet, heute erinnern Gedenktafeln in dem Viertel an die Gräueltaten. Aktuell leben noch rund 450 Jüdinnen und Juden in Venedig, das Quartier in Cannaregio ist ein wichtiger Treffpunkt für kulturelle Veranstaltungen und Netzwerke. Verschiedene Gotteshäuser wie die Levantinische und die Spanische Synagoge weisen ebenso auf die geschichtsträchtige Vergangenheit dieses Ortes hin wie das Museo Ebraico di Venezia, das Besucher in die Lebensrealität der Jüdinnen und Juden von Venedig – damals wie heute – mitnimmt.
Scuola Grande di San Rocco

Wer Italienisch versteht, geht beim Namen dieser Sehenswürdigkeiten wohl zunächst von einer Lehranstalt aus. Die „Scuole“ in Venedig waren aber eher als Bruderschaften zu verstehen, die sich ab dem 13. Jahrhundert zusammenschlossen, um den Armen und Kranken in der Stadt zu helfen. Jede von ihnen errichtete ihr eigenes Gebäude. Die Scuola Grande di San Rocco ist heute die besterhaltene der sechs Scuole von Venedig und befindet sich im Stadtteil San Polo. Gegründet wurde sie im 15. Jahrhundert nach einer Pestepidemie – passend dazu widmete man das Gebäude dem Heiligen Rochus von Montpellier (San Rocco), der selbst von der Pest geheilt wurde und sich danach der Pflege verschrieb.
Der heutige Bau stammt überwiegend aus dem 16. Jahrhundert und verbindet Renaissance- und Barockelemente. Berühmt ist die Scuola vor allem für ihren außergewöhnlichen Gemäldezyklus von Jacopo Tintoretto: Mehr als 50 Werke des venezianischen Malers verteilen sich über das gesamte Gebäude. Besonders beeindruckend ist die Sala Capitolare mit ihren monumentalen Deckengemälden und biblischen Allegorien aus dem Alten und Neuen Testament. Nicht umsonst wird der Raum oft als „Sixtinische Kapelle Venedigs“ bezeichnet.
Markusplatz mit Dom und Dogenpalast

Direkt am Wasser gelegen, entfaltet die Piazza San Marco bis heute jene elegante Grandezza, die Napoleon einst als den „schönsten Festsaal Europas“ bezeichnete. Unter den historischen Arkaden liegen traditionsreiche Cafés wie das Caffè Florian oder das Caffè Quadri, die es bereits seit Jahrhunderten gibt.
Dominant ist der Markusdom, eines der eindrucksvollsten Gotteshäuser Europas. Die Basilika wurde ursprünglich im 9. Jahrhundert errichtet. Byzantinische Kuppeln, orientalische Einflüsse, gotische Details und venezianische Opulenz verschmelzen hier zu einem einzigartigen Architekturensemble. Im Inneren funkeln auf mehr als 8.000 Quadratmetern goldene Mosaike, die der Kirche den Beinamen „Goldene Basilika“ eingebracht haben. Über dem Hauptportal thronen die berühmten Pferde von San Marco – vergoldete Bronzestatuen aus Konstantinopel, die einst als Beutestücke nach Venedig gelangten.
Direkt daneben ragt der knapp 99 Meter hohe Campanile in den Himmel. Nachdem der ursprüngliche Turm 1902 einstürzte, wurde er nach dem Motto „com’era, dov’era“ („wie er war, wo er war“) originalgetreu wieder aufgebaut. Von oben bietet sich ein spektakulärer Blick über Venedig.
Ebenfalls am Markusplatz liegt der Dogenpalast, einst Machtzentrum der Republik Venedig und Residenz des Dogen. Seine filigrane Fassade gilt als Meisterwerk venezianischer Gotik, im Inneren beeindrucken Prunksäle mit Werken von Tintoretto, Veronese und Bellini. Berühmt ist auch die Seufzerbrücke, über die Gefangene einst ihren letzten Blick auf die Freiheit und die Lagune warfen.
Libreria Acqua Alta

Versteckt in den schmalen Gassen des Stadtteils Castello, nur wenige Minuten vom Markusplatz entfernt, liegt einer der ungewöhnlichsten Orte Venedigs: die Libreria Acqua Alta. Schon der Name „Hochwasser-Buchhandlung“ verrät, dass hier nichts ganz gewöhnlich ist. Denn in einer Stadt, die regelmäßig überschwemmt wird, mussten auch für Bücher kreative Lösungen gefunden werden. Statt klassischer Regale stapeln sich die Werke deshalb in Gondeln, Badewannen, Booten oder Fässern – möglichst geschützt vor dem steigenden Wasser. Ikonisch ist die echte venezianische Gondel mitten im Laden, randvoll beladen mit Büchern und längst selbst zu einem Wahrzeichen der Libreria geworden.
Besonders berühmt ist die sogenannte Büchertreppe im Innenhof: eine kleine Treppe aus alten, unbrauchbaren Büchern, die hinauf zu einer niedrigen Aussichtsmauer am Kanal führt. Von dort blickt man direkt auf einen schmalen venezianischen Wasserweg, auf dem oft Gondeln vorbeiziehen – ein fast schon klischeehaft schönes Venedig-Motiv.
Fondazione Dries Van Noten

Mit der Fondazione Dries Van Noten hat Venedig einen neuen Kulturort gewonnen. Die Stiftung, die im April 2026 eröffnete, ist im prachtvollen Palazzo Pisani Moretta direkt am Canal Grande untergebracht, einem jener Paläste, die noch heute vom Reichtum und der gesellschaftlichen Macht der ehemaligen venezianischen Oberschicht erzählen. Namensgeber ist der belgische Designer Dries Van Noten, einer der einflussreichsten Modeschöpfer der internationalen Luxuswelt.
Im Inneren des Palazzo öffnen sich reich dekorierte Säle mit Fresken, Stuckarbeiten und monumentalen Malereien, die überwiegend aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die Fondazione versteht sich ausdrücklich nicht als klassisches Modemuseum, sondern als interdisziplinärer Kulturraum. Gezeigt werden künftig Ausstellungen, Installationen, Gespräche und internationale Kulturprojekte an der Schnittstelle von Mode, Kunst und Design. Zum Auftakt präsentiert die Stiftung die Ausstellung „The Only True Protest Is Beauty“, die vom 25. April bis zum 4. Oktober 2026, also während der Biennale Arte, zu sehen ist.
Palazzo Contarini del Bovolo

Wer den kleinen Innenhof des Palazzo Contarini del Bovolo betritt, entdeckt jene berühmte Wendeltreppe, die den Palast weit über die Stadt hinaus bekannt gemacht hat. Die sogenannte Scala del Bovolo gilt als architektonische Besonderheit der venezianischen Renaissance und zugleich als eines der fotogensten Motive Venedigs. „Bòvolo“ bedeutet im venezianischen Dialekt „Schnecke“ und verweist auf die spiralförmige Konstruktion der Treppe, die sich wie ein filigranes Steinband nach oben windet.
Errichtet wurde die für die damalige Zeit spektakulär moderne Treppenanlage Ende des 15. Jahrhunderts im Auftrag des venezianischen Patriziers Pietro Contarini. Wer die Wendeltreppe bis nach oben steigt, wird mit einem außergewöhnlichen Blick über die Dächer Venedigs belohnt. Zwischen Terrakotta-Ziegeln und Kirchtürmen öffnen sich Perspektiven auf den Markusdom und den Campanile, ein eindrucksvoller Kontrast zu den engen Gassen, aus denen man wenige Minuten zuvor noch gekommen ist. Vor allem Architektur- und Fotografieinteressierte schätzen den Ort, der trotz seiner Schönheit bis heute deutlich ruhiger geblieben ist als viele der großen Sehenswürdigkeiten Venedigs.