Certosa © Isabela Pacini
Wohin in Neapel

Einfach loslaufen

Große Kunst, Straßen voller Leben und skurrile Geschichten: MERIAN-Redakteur Jonas Morgenthaler war begeistert von der einzigartigen Mischung, die Neapel und seine Umgebung bieten

Text Jonas Morgenthaler
1

Archäologisches Nationalmuseum

Museum © Lukas Spörl

Das 1787 gegründete Museum besitzt eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen weltweit. Die meisten kommen wegen der Fresken und anderer berühmter Fundstücke aus Pompeji und Herculaneum. Doch auch die übrigen Räume lohnen den Besuch, etwa die sehr gut präsentierte ägyptische Sammlung, zu der skurrile Exponate wie ein mumifiziertes Krokodil gehören. 

Piazza Museo 19
www.museoarcheologiconapoli.it 

2

Kirchen

Viele der rund 400 Kirchen in Neapel sehen von außen unscheinbar aus – und erschlagen die Besucher im Innern fast mit ihrer Opulenz und ihren Meisterwerken. Eine der prächtigsten ist die Jesuitenkirche Gesù Nuovo. Vom Vorgängerbau, einem Renaissancepalast, ist noch die ungewöhnliche, dunkle Diamantquader-Fassade übrig. Dahinter aber entzündet sich ein farbenfrohes Barockfeuerwerk. Auch die Kathedrale von Neapel beeindruckt, etwa mit einer teilvergoldeten Kassettendecke im Mittelschiff und einem Baptisterium aus dem 4. Jahrhundert.

3

Durch die Gassen

Piazza © Isabela Pacini

Nehmen Sie sich in Neapel unbedingt einmal nichts vor. Kein Museum, keine Kirche, schlendern Sie einfach durch die Gassen und entdecken Sie die winzigen Werkstätten in Arbeitervierteln wie den Quartieri Spagnoli, Straßen wie die Via San Sebastiano, in der Musiker des nahen Konservatoriums ihre Noten und Instrumente kaufen oder auch einen Maradona-Altar (in der »Bar Nilo«, Via San Biagio Dei Librai 129). Für Orientierungsschwache: Der Straßenzug Spaccanapoli führt pfeilgerade durch die Altstadt. Und wer das Großstadttheater abends beobachten möchte: Das »Caffè dell’Epoca« bei der Piazza Bellini (Via Santa Maria di Constantinopoli 82/83) ist bis spät in die Nacht ein beliebter Treffpunkt.

4

Certosa di  San Martino

Stadt, Meer, Vesuv: Das ehemalige Kloster auf dem Vomero-Hügel bietet eine fantastische Sicht – wobei der Blick vom darüber liegenden Castel Sant’Elmo fast noch besser ist. Doch der barocke, etwas renovierungsbedürftige Komplex mit Garten und gotischem Unterbau beeindruckt auch mit Schätzen wie königlichen Schiffen, reich verzierten Kutschen und  einer spektakulär dekorierten Kirche  mit Deckengemälden, etwa von  Luca Giordano (1634-1705). 

Largo San Martino 5

5

Castel Dell’Ovo

Die Festung auf der kleinen Halbinsel Megaride ist nicht unbedingt ein Highlight. Die Aussicht von oben auf Stadt und Meer hingegen schon, besonders gegen Abend. Schön ist auch der Spaziergang hierher entlang der autofreien Via Partenope. Der Name »Eierschloss« geht auf eine Legende zurück: Der römische Dichter Vergil soll im Fundament ein Ei versteckt haben, das mit dem Schicksal der Stadt verbunden ist – geht es kaputt, ist auch Neapel dem Untergang geweiht.

6

Der Untergrund

Eine Tour zu den Höhlen, Stollen und Katakomben unter der Stadt lohnt sich: Die Exkursionen von »Napoli Sotterranea« führen unter anderem zu den Resten eines antiken Theaters. Unterwegs kann man sich mit einer Kerze durch einen schmalen Gang zwängen – muss man aber nicht.

Piazza San Gaetano 68
www.napolisotterranea.org

7

Piazza del Plebiscito

Nach den engen Gassen der Altstadt ist der riesige Platz eine Wohltat. Seit dem 19. Jahrhundert wird er von einer vom Pantheon in Rom inspirierten Basilika dominiert, spannender und beeindruckender ist aber ein Besuch des Palazzo Reale, der ehemaligen Königsresidenz mit Ehrentreppe, Thronsaal und Hoftheater.

8

Santa Chiara  

Das Leben spielt sich in Neapel mit so viel Energie ab, dass man manchmal einen ruhigen Ort braucht. Ich empfehle dazu diesen Komplex aus Kirche und Kloster: Darin versteckt sich ein mittelalterlicher, im 18. Jahrhundert umgestalteter Kreuzgang voller Mauern, Säulen und Sitzbänken mit farbenfroh gestalteten Fliesen.

Via Santa Chiara 49/C 
www.monasterodisantachiara.it

9

Pompeji

Die Reste der antiken Stadt mögen überlaufen sein, beeindruckend sind sie trotzdem – vor allem mit einem guten Guide. Nehmen Sie sich Zeit, bringen Sie vielleicht ein Picknick mit, die Anlage ist riesig. Zu manchen Tagestouren ab Neapel gehört ein Aufstieg zum Vesuv. Bei gutem Wetter ist der Weitblick toll. Erwarten Sie aber weder brodelnde Lava noch einsame Momente: Es wird voll auf dem Vulkan.

10

Amalfiküste

Die Küste ist unfassbar schön – und beliebt: Schon bei meiner Recherche im Mai waren die Straßen und Gassen voll. Wer mit dem Auto kommt, sollte eine Unterkunft mit Parkplatz suchen und es stehen lassen. Mein Lieblingsort ist Cetara, ein entspannter Fischerort, von dem aus z.B. Fähren nach Amalfi verkehren. Mein Tipp: Erkunden Sie die Küste auf den vielen wunderbaren Wanderwegen, die es hier gibt.

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