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Kultur

Im Bann der Burgen

Auf ihrem Weg von Mannheim nach Bayreuth führt sie zu mehr als 60 Burgen und Schlössern, in berühmte Städte und durch romantische Landschaften wie das Neckartal und die Fränkische Schweiz: die Burgenstraße. 780 Kilometer, auf denen die Macht der Bauwerke fasziniert und ein Hauch von Mittelalter weht.

Fotos Georg Knoll
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DER HELD VON »KLEIN NEUSCHWANSTEIN«

xxx_hi_fraenk-greifenstein-0444 (1) © Georg Knoll

Auf einem Felsen hoch über Heiligenstadt in Oberfranken thront Schloss Greifenstein, ein weißer Leuchtpunkt im grünen Wald, auch als »Klein Neuschwanstein« bekannt. Seit mehr als 200 Jahren gehört die Burg den Schenken von Stauffenberg. Großonkel des heutigen Eigentümers war der Offizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der im Rahmen der Operation Walküre am missglückten Attentat auf Hitler im Juli 1944 beteiligt war und in der Nacht danach erschossen wurde. Er war oft Gast auf Greifenstein, seine Büste steht heute im Schloss.

2

DÜRERS BLICK AUF DIE BURG

HI_nuernberg-6714 (1) © Georg Knoll

Aus seinem Haus hat Albrecht Dürer vor 500 Jahren auf diesen Platz gesehen – und auf die Nürnberger Burg dahinter, die eine der wichtigsten und größten in Deutschland ist. Trubel herrschte auch damals schon auf dem Platz am Tiergärtnertor, allerdings ohne gemütliche Cafés und Straßenmusik. Dafür aber wohl mit Tierpark in der Nähe, ein Burggraf hielt sich hier einst im nahen Stadtgraben ein Wildgehege. Dürers Haus steht noch heute, gegenüber vom Restaurant, das den Namen des großen Malers trägt.

3

EIN HOCH AUF DEN BAROCK UND EIN BIER AUF DIE QUEEN

Schwetzingen_222 © Georg Knoll

Wie edle Tischdecken breiten sich die Gartenanlagen vor dem Schwetzinger Schloss aus, in vollendeter Symmetrie, gekrönt von der Fontäne des Arionbrunnens. Was Kurfürst Carl Theodor Mitte des 18. Jahrhunderts erschaffen ließ, gehört heute zu den bedeutendsten Barockgärten in Europa. Rechts: Das Schloss Ehrenburg in Coburg lockt Besucher mit prunkvollen Wohn- und Festräumen, vor allem aber mit dem Schlafzimmer von Queen Victoria. Denn auch wer ein Empire beherrscht, besucht ab und an die Verwandten: Victorias Mann war der Coburger Prinz Albert.

HI_coburg-6539 © Georg Knoll
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KAISER KARLS WEG NACH WESTEN

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Der in Prag geborene Kaiser Karl IV. war einer der großen Strategen des Mittelalters. Als König von Böhmen ließ er 1357 die verfallene Burg auf der Pegnitzinsel zur Festung ausbauen und machte das kleine Lauf zu seinem Tor gen Westen – ins »Bayern jenseits des Böhmerwaldes«. Den Wert dieser Gegend hatte er früh erkannt und Teile der heutigen Oberpfalz und Frankens in seinen Besitz gebracht. Die Laufer Kaiserburg sicherte ihm nicht nur den Zugang ins wichtige Nürnberg, er genoss es auch, sich hier zu präsentieren. Abordnungen empfing er im Wappensaal. Noch heute sind dort 112 in Stein gemeißelte und bemalte Wappen zu bestaunen.

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ZAHME STRÖMUNG

HI_fraenk-wiesenttal-0353 © Georg Knoll

Sie wirkt wilder als sie ist. Das macht die Wiesent zum Lieblingsrevier der Kanu- und Kajakfahrer in der Fränkischen Schweiz. Allerdings gehen an schönen Tagen so viele Boote aufs Wasser, dass Naturschützer um das Ökosystem des Flusses fürchten. Heiße Sommer haben dafür gesorgt, dass die Wiesent immer weniger Wasser führt und ungeübte Kanuten den Boden aufwühlen und Laichplätze zerstören. Forellen, Äschen und Eisvögel leben hier. Ein anderes Tier ist längst nicht mehr heimisch, dabei gab es dem Fluss seinen Namen. Einst, als noch Wisente an der Wiesent lebten.

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RUINE UND ROKOKO

LOW_fraenk-neideck-0238 © Georg Knoll

Als würde er direkt aus dem Fels wachsen, reckt sich der Turm der Burgruine Neideck in den Himmel der Fränkischen Schweiz. Früher herrschte hier das Geschlecht der Schlüsselberger. Graf Konrad von Schlüsselberg hatte sich 1347 mit der Errichtung einer Zollstelle keine Freunde gemacht. Die Bischöfe aus Nürnberg und Würzburg griffen die Burg an und töteten den Grafen – der Legende nach genau in dem Moment, als er auf dem stillen Örtchen saß, das über die Burgmauer herausragte. Der Bischof von Bamberg wiederum hatte Ärger mit den Bürgern seiner Stadt: Sie forderten Land für ein Rathaus, das er ihnen nicht geben wollte. Daraufhin schlugen die Bamberger der Sage nach Pfähle in die Regnitz und bauten ihr Rathaus auf einer künstlichen Insel im Fluss. Im 18. Jahrhundert wurde es umgebaut und ist heute als Altes Rathaus eine Perle des Barock und Rokoko im historischen Stadtbild.

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DER BALKON VON HOHENLOHE

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So wird die Altstadt von Waldenburg genannt, die sich wie eine Krone auf einen über 500 Meter hohen Bergsporn legt. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Burg zum Schloss umgebaut. Bis zu seinem Tod 2017 lebte hier Friedrich Karl Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg. Gemeinsam mit seinem Vater ließ er in den sechziger Jahren das im Krieg stark zerstörte Schloss wiederaufbauen. Heute führt ein Panoramaweg um die Stadt – mit spektakulärer Weitsicht auf die Hohenloher Ebene. Wer noch höher möchte, läuft die hundert engen Stufen des Lachnersturms und kommt ganz oben an – am höchsten Punkt von Hohenlohe.

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