München © Gregor Lengel
Wohin in München

Meine Glanzlichter

MERIAN-Redakteurin Tinka Dippel liebt an ihrer Heimatstadt die kleinen Glücksmomente: vor den Meisterwerken in den Pinakotheken, beim Bummel über den Viktualienmarkt oder beim Bier an Bord der »Alten Utting«.

Text Tinka Dippel
1

Marienplatz

Wenn sich um elf und zwölf Uhr (März bis Oktober auch 17 Uhr) zum Glockenspiel die Figuren im Turm des Neuen Rathauses drehen, gucke ich gern in die Gesichter der Touristen, die alle in dieselbe Richtung blicken. Der Marienplatz ist Münchens Salon, aber kein Ort, um lange zu verweilen. Sehen Sie ihn sich lieber von oben an, vom Turm der Kirche St. Peter, »Alter Peter« genannt. Oder sichern Sie sich einen Tisch am Fenster des Cafés »Glockenspiel« und damit den Blick auf die Fassade des Neuen Rathauses, entworfen von Georg von Hauberrisser im neugotischen Stil und 1905 fertiggestellt.

www.cafe-glockenspiel.de

2

Viktualienmarkt

Für mich schlägt Münchens Herz nicht am Marienplatz, wo dieser Markt bis ins frühe 19. Jahrhundert stattfand, sondern gleich um die Ecke, wo seit 1807 täglich außer sonntags frische Lebensmittel, altdeutsch »Viktualien«, verkauft werden. Aus dem Bauern- wurde ein Feinschmeckermarkt, an den festen und fliegenden Ständen stapeln sich regionale und exotische Spezialitäten. Dazwischen kreuzen sich die Wege zahlloser Touristen und Ur-Münchner. Und alles trifft sich im Biergarten in der Mitte, am Maibaum. Besonders voll und bunt wird es am Faschingsdienstag, wenn hier rund um den »Tanz der Marktfrauen« gefeiert wird.

3

Oktoberfest

Mein Oktoberfest-Herz war mit steigenden Preisen und Pegeln erkaltet. Dann erlebte ich die »Oide Wiesn«, eine kleinere Unplugged-Version auf einem ab- getrennten Gelände am Rande der Theresienwiese und war sofort wieder Feuer und Flamme. Leider findet die »Oide« 2020 nicht statt, alle vier Jahre muss sie dem Zentral Landwirtschaftsfest weichen. Daher mein Tipp: Neben den großen gibt es auch 21 kleine Wiesnzelte, etwa die »Hühner- und Entenbraterei Ammer«.

www.kleine-wiesnzelte.de

4

Glockenbachviertel

Es gibt sie noch, die hübschen Läden und gemütlichen Cafés und Kneipen in dieser einst von Bächen durchzogenen Ecke. Und es macht immer noch Spaß, durch die Straßen zu schlendern, die wie Strahlen um den Gärtnerplatz liegen. Aber: Die Preise haben hier extrem angezogen – auf Kosten der bunten Atmosphäre der einstigen Schwulen- und Lesben-Hochburg und leider auch auf Kosten einiger Urgesteine. Wer noch eines erleben möchte, sollte im Alexa’s vorbeischauen, der  Secondhandladen von Alexa Schab in  der kleinen Utzschneiderstraße ist eine echte Institution im Viertel.

www.alexas.de

5

Englischer Garten

Englischer Garten © Walter Schmitz

Wenige Städte gönnen sich mittendrin einen so ausufernden Park wie diesen. Der Englische Garten, ab 1789 angelegt, ist mit einer Fläche von 375 Hektar  größer als der New Yorker Central Park. Mein Tipp: Spazieren Sie bei der berühmten Eisbachwelle an der Prinzregentenstraße hinein und schauen Sie den Surfern zu, die hier das ganze Jahr über aufs Board steigen. Zwei schöne Biergärten liegen auf Ihrem Weg: am Chinesischen Turm und am Kleinhesseloher See. Klein und fein am Westrand des Parks: das Milchhäusl. Dort gibt es Bio-Snacks  – im Sommer in Hängematten, im Winter in ausrangierten Gondeln.

www.milchhaeusl.bio

6

Olympiapark

BMW © Klaus Bossemeyer

Sie fahren vom Marienplatz nur zwölf Minuten mit der U3 hin, und das lohnt sich sehr! Einst lag dort ein Verkehrsflughafen, der 85 Hektar große Park entstand für die Olympischen Spiele 1972. Weltbekannte Architekturikone ist das Zeltdach des Stadions (Tipp: die Zeltdach-Klettertour!), buchstäblicher Höhepunkt der 291 Meter hohe Olympiaturm (Aussichtsplattform auf 190 Metern). Sportwettbewerbe finden hier nach wie vor statt, 2022 etwa die European Champion-ships. Mein Highlight: das bunte Kulturfestival Sommer-Tollwood. Und das meines Sohnes: die BMW-Welt neben dem Werk des Autobauers.

www.bmw-welt.com

7

Pinakotheken

In der Maxvorstadt können Sie im 14. Jahrhundert starten und sich auf einen langen, bildgewaltigen Kunstspaziergang durch die Jahrhunderte begeben. In der 1836 eröffneten Alten Pinakothek begegnen Sie alten Meistern wie Rubens, da Vinci und Velázquez. Die Neue Pinakothek (1853 eröffnet) zeigt Kunst ab Ende des 18. Jahrhunderts, wird aber derzeit für mehrere Jahre saniert. Einige Meisterwerke hängen solange im Ostflügel der Alten Pinakothek. Ab dem 20. Jahr-hundert geht es in die 2002 eröffnete  Pinakothek der Moderne. Meine Highlights dort: die Designstücke und die Architektursammlung.

8

Hofbräuhaus

Hofbräuhaus © Annette Sander

Falls Sie sich fragen, ob ich Ihnen ernsthaft eine Touristenfalle empfehlen möchte: Ja, Touristen kommen viele hier-her, aber nein, eine Falle ist das riesige Wirtshaus nicht. Es hat eine mehr als 400-jährige Geschichte und viele Stammgäste, die ihr Bier aus in Schließfächern verwahrten Bierkrügen trinken. Meine Lieblinge: der Biergarten im Innenhof und der Musikantenstammtisch an jedem ersten Montag im Monat.

9

Deutsches Museum

Generationen von Münchnern verbinden ihre frühen Physik- oder Chemie-Erinnerungen mit diesem Haus, das seit 1925 auf einer Insel in der Isar liegt und sich anschickt, eines der modernsten Museen der Welt zu werden. Alltime-Highlights sind das Bergwerk und die Abteilung Starkstromtechnik. Mein Tipp: der riesige Museumsshop.

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Schloss und Park Nymphenburg

Märchenkönig Ludwig II. wurde hier geboren. Das Schloss, ausgebaut im frühen 18. Jahrhundert, und der barocke Garten, der in eine bewaldete Parkanlage aus- ufert, sind ein grandioses Gesamter-lebnis. Die Räume im Schloss sind von umwerfender Pracht. Und an sonnigen Wintertagen, wenn die Seen eine Eishaut haben, ist Nymphenburg für mich eine der schönsten Spazierstrecken – mit  dem Botanischen Gar-ten gleich nebenan. Nett zum Einkeh-ren: das »Schlosscafé im Palmenhaus«. I-Tüpfelchen, wenn Sie Kinder dabei haben: das Museum Mensch und Natur, ein kurzweiliges  Naturkunde-Haus im nördlichen Trakt des Schlosses.

www.mmn-muenchen.de

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Werksviertel

Was macht eine innovative Groß-stadt aus? Das Werksviertel, hinter dem Ostbahnhof gelegen, liefert Ideen – mit einer Mischung aus Kultur, Kommerz, Gastronomie, Party, Wohnen und einer Prise Wildwuchs. Das Ganze ist – vor allem jetzt, während es wächst und sich immer wieder verändert – absolut sehens- und erlebenswert.

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Sankt-Jakobs-Platz

Lange war dieser Platz eine Brache, begrenzt durch Münchens ältestes noch bewohntes Kloster und das Stadtmuseum. Ab 2003 entstand hier das Jüdische Zentrum mit der Synagoge Ohel Jakob (mehr dazu ab S. 78). Ein guter Ort, um die Energie dieses Platzes auf sich wirken zu lassen: das schöne »Stadtcafé«. 

www.stadtcafe-muenchen.de

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Nationaltheater

Eine der größten Opernbühnen der Welt liegt hinter der Säulenvorhalle am Max-Joseph-Platz. Staatsoper, -ballett und -orchester sind dort zu Hause. Das Programm ist abwechslungsreich und hochkarätig, vor allem während der Opernfestspiele, die seit 1875 stattfinden und jeden musikalischen Horizont erweitern. Intendant Nikolaus Bachler und Musikdirektor Kirill Petrenko verlassen das Haus bald, ab 2021 tritt das Duo Serge Dorny und Vladimir Jurowski an. Noch ein Hochkaräter gleich nebenan ist das »Resi«, Münchens Residenztheater.

www.staatsoper.de

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Alte Utting

Sie ist neu unter Münchens Attraktionen: die »Utting«, ein ausrangiertes Ausflugsschiff, das in einer spektakulären Aktion vom Ammersee zu einer alten Bahnbrücke gebracht wurde. Dort ist sie ein schöner Ort für einen Drink, einen Snack, auch für Lesungen oder Partys.

15

Allianz Arena

Allianz Arena © Philip Koschel

Ein bisschen schade, dass die 75 000 Menschen fassende Arena so weit ab in Fröttmaning liegt. Trotzdem: Das rundum perfekte Hightech-Stadion ist einen Besuch wert – besonders für unverbesserliche FCB-Fans wie mich. Wer in der Stadt bleiben möchte (oder die Löwen liebt): Das weitaus rustikalere Stadion an der Grünwalder Straße, Heimat des TSV 1860 München, liegt in Giesing, einem der charmantesten Viertel der Stadt.

www.allianz-arena.com

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