Blick auf Bamberg von oben
24 Stunden

Barock und Bier in Bamberg

24 Stunden in Bamberg: Bei all dem süffigen Bier und den deftigen Leckereien sollten Sie nicht die schöne Altstadt vergessen

Text Tatjana Kerschbaumer

Vorweg: Für Bierliebhaber empfiehlt sich die Anreise per Zug. Auch, weil es vom Bahnhof nur fünf Gehminuten zur »Brauerei Fässla« sind, in deren Stammhaus es sich schon ab halb neun mit einem kleinen Zwergla (Vollbier) in den Tag starten lässt. Wer lieber beim Kaffee aufwacht, überquere den rechten Regnitzarm und setze sich am Grünen Markt auf die Terrasse des »Müller 7«. Morgens ist der Markt noch angenehm leer, vor allem Einheimische kaufen hier Tomatenpflänzchen oder Bamberger Hörnla, eine alte Kartoffelsorte mit nussigem Eigengeschmack.

Das Alte Rathaus in Bamberg an der oberen Brücke

Über die Obere Brücke geht es dann vorbei am Alten Rathaus, das waghalsig auf einer künstlichen Insel inmitten der Regnitz steht. Heute beherbergt es nicht mehr den Bürgermeister, sondern die Sammlung Ludwig, eine der bedeutendsten Porzellan- und Fayencensammlungen Europas. Praktischerweise haben sich in der angrenzenden Karolinen- und Herrenstraße Antiquitätenhändler angesiedelt, bei denen ähnliche Objekte gleich erworben werden können. Auch im Kunsthandel Senger, der einem Museum alle Ehre macht, lohnt ein Besuch. Perfekt zum Stöbern ist zudem das nahe Mohren-Haus, das sich selbst als »Haus für schöne Sachen« bezeichnet. Ein schmaler Eingang führt in einen Vorraum, der an eine Apotheke erinnert – was das Haus vor 200 Jahren tatsächlich war. Hier gibt es fast alles, von Tee über Wohnaccessoires bis hin zu Mode. Eine altehrwürdige Bamberger Wunderkammer mit modernem Konzept.

Zeit für italienisches Flair – etwa bei einer Gondelfahrt über den Alten Kanal, in einer der beiden original venezianischen Gondeln des Bamberger Gondoliere Jürgen Riegel. Vom Anleger am Restaurant »Weinfass« geht es in einer halben Stunde bis zur Schleuse 100. Wem das nicht genug ist, der schlendere an »Klein Venedig« vorbei; an verschachtelten, mit Fachwerk verzierten Fischerhäuschen, die sich an der Regnitz entlang bis zur Markusbrücke reihen.

Selbstverständlich warten die Bamberger Wirtshäuser mit traditioneller Küche auf – inklusive fränkischem Schäuferla oder Bamberger Zwiebel, die ausgehöhlt, mit Hackfleisch gefüllt und in Rauchbiersoße serviert wird. Wer sich Ambiente und Genuss etwas leichter wünscht, ist im »Eckerts« richtig: Vom Innenraum und der Terrasse aus besticht der Blick auf den Fluss. Bei einem guten Lammbraten oder bei Ziebeleskäs (einer Art Frischkäse) mit Bauernbrot lässt sich hier gut die Mittagszeit verbringen, bevor es weiter zu einem der wichtigsten Bamberger Wahrzeichen geht: dem Dom St. Peter und St. Georg.

Wer ihn ohne Gerüst sehen will, hat meist Pech: Es gibt immer was zu tun. Auch innen wirkt das Gotteshaus schlicht, manchmal geradezu farblos. Das war nicht immer so: Noch im 17. Jahrhundert war es reich im Barockstil verziert. König Ludwig I. von Bayern, Fan der Antike, hielt allerdings nicht viel von prächtigen Farben und ließ den Dom ab 1829 »zurückrestaurieren«, um den mittelalterlichen Zustand des Gebäudes wiederherzustellen. Er schickte Handwerker, die die Bemalung von Wänden und Statuen abschrubbten. Dadurch verlor auch der Bamberger Reiter am Nordpfeiler des Georgenchors seine Gesichtsfarbe. Trotzdem ist die Statue eines unbekannten Mannes zu Pferde bis heute eines der berühmtesten Symbole Bambergs – auch, weil die Darstellung als älteste erhaltene mittelalterliche Reiterplastik gilt.

Nur einen Katzensprung vom Dom entfernt liegt unverfehlbar die Bamberger Residenz, in der Kunstfreunde unter anderem Renaissance-Gemälde finden. Das berühmteste dürfte »Die Sintflut« von Hans Baldung Grien sein, das vielleicht schönste »Pyramus und Thisbe« von Lucas Cranach d. Ä. Zur Residenz gehört der Rosengarten, dessen Name von seinen 4500 Rosen herrührt. Von dort hat man einen hervorragenden Blick auf die Dächer der Stadt und den Michaelsberg. Sportliche nehmen danach den Aufstieg zur Altenburg in Angriff, die seit 1109 auf dem höchsten der sieben Hügel Bambergs thront. Ab 1600 verfiel das Anwesen, wurde aber von engagierten Bamberger Bürgern gerettet, wiederaufgebaut und beherbergt heute den höchstgelegenen Biergarten Bambergs. Ein Highlight ist der Bärenturm, in dem von 1902 bis 1982 drei Burgbären untergebracht waren. An deren Eisengitter vorbei geht es hinauf auf den kleinen Turm, von wo der Blick oft bis weit in den Steigerwald hineinreicht.

Zeit für den Absacker: Stilecht fränkisch nimmt man ihn in der Dominikanerstraße ein, wo es in der »Brauerei Schlenkerla« genau das zu probieren gilt: ein Schlenkerla, Bambergs wohl bekanntestes Rauchbier.

HIGHLIGHT IN BAMBERG

Die Brauerei Schlenkerla in Bamberg

Die Gärtnerstadt

Die Stadt ist berühmt für ihre Gärtnereien und historischen Anbauflächen mitten im Zentrum; sie bestehen seit dem Mittelalter. Ein Rundweg mit 18 Stationen führt durch die Gärtnerstadt. Besonders schön sind die Aussichtsplattform in Form eines schiefen Gewächshauses in der Heiliggrabstraße 57 sowie das liebevoll gestaltete Gärtner- und Häckermuseum in der Mittelstraße. 

www.gaertner-und-haecker-museum.byseum.de

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