Valencia Calpe Edifici La Muralla Roja © Monica Gumm
Sehenswürdigkeiten

Region Valencia: Ausflüge vor die Tore der Stadt

Ein riesiger See ganz dicht am Meer, mittelalterliche Dörfer, waghalsige Wanderwege und Architektur zum Träumen: Das Umland von Valencia ist mehr als einen Ausflug wert.

Text Alexandra Frank

Nicht nur die Hauptstadt lockt mit ihren Sehenswürdigkeiten – auch in der Region Valencia können Gäste problemlos komplette Urlaube verbringen. Die Dörfer und Städtchen entlang der Costa de Valencia versprühen mittelalterlichen Zauber und maritimen Charme. In den Gassen gibt es neben typischen Restaurant mit fangfrischem Fisch und geschmückten Balkonen viele pittoreske Ecken zu entdecken. Und dann wären da ja noch die Strände... Entdecken Sie die schönsten Ausflugsziele rund um Valencia!

Calpe: Hotspot in Rosa

Calpe Valencia © Monica Gumm

Die bunten Bauwerke des Anfang 2022 verstorbenen spanischen Stararchitekten Ricardo Bofill haben sich zum Liebling der Instagramer gemausert – allerdings eher zum Unmut der Bewohner von Calpe. Weil allzu aufdringliche Fans immer wieder auf die Privatgrundstücke liefen, um sich auf den pastellfarbenen Terrassen und Treppen abzulichten, wehren mittlerweile Zäune mit unmissverständlichen Schildern Besucher ab. Wer wenigstens von außen einen Blick auf den Gebäudekomplex La Muralla Roja und das in direkter Nachbarschaft befindliche grüne Bauwerk Xanadú werfen möchte, folgt dem kurzen Panorama-Wanderweg Voramar-Borumbot, der oberhalb des Strandes an der Küste entlangführt. 

Von dort bietet sich auch der Blick auf den wahren Star von Calpe, den Peñón de Ifach. Der wuchtige Fels, der vor der Küste aus dem Meer ragt, ist das Wahrzeichen der Costa Blanca und wird alljährlich millionenfach abgelichtet. Die meisten Gäste, die Calpe, rund 120 Kilometer südöstlich von Valencia, besuchen, genießen die Sicht auf den Peñón vom goldgelben Strand aus und fotografieren ihn über die Segel im Yachthafen hinweg. Manche machen sich aber auch daran, den 332 Meter hohen Gipfel zu erklimmen. Ein Vorhaben, an das sich nur geübte und schwindelfreie Wanderer heranwagen sollten, die sich außerdem vorher bei der Verwaltung des Naturparks anmelden müssen. Wesentlich gemütlicher ist ein Spazierweg, der um die Salinas de Calpe führt: Im flachen Wasser der zentral gelegenen Lagune beugen Flamingos galant ihre rosa Hälse. Ganz so, als seien sie die eigentlichen Stars der Stadt, die sich vor ihrem Publikum verneigen.

Albufera: Heimat der Flamingos

Albufera Valencia © Monica Gumm

Am schönsten präsentiert sich die Albufera zur blauen Stunde. Denn wenn die letzten Sonnenstrahlen Himmel und Wasser in Rottöne tunken, erheben sich die Vögel aus den Reisfeldern, um zu ihren Ruhestätten am anderen Ufer aufzubrechen. Viele der mehr als 250 verschiedenen Arten nisten in den Kiefernwäldern entlang der Dünen oder rasten rings um den Albufera-See, darunter Haubentaucher, Goldregenpfeifer und sogar Flamingos, die durch das flache Gewässer waten. Den schönsten Blick auf Tiere und Natur hat man natürlich vom Wasser aus. Dazu schippert man mit einem der zahlreichen „Albuferencs“, den typischen hölzernen Booten, die in El Palmar auf Kundschaft warten, raus auf den See, vorbei an kleinen Inseln und Fischerhütten. 

Dass es noch einen weiteren Grund gibt, in das nur rund 15 Kilometer südlich von Valencia gelegene Feuchtgebiet zu kommen, lässt sich besonders gut am Wochenende beobachten: Dann bevölkern spanische Großfamilien die Lokale rings um den Naturpark, um Paella zu speisen. Sie hat in den Reisfeldern am See ihren Ursprung und wird in dieser Gegend geradezu zelebriert. Wer es den Einheimischen gleichtun möchte: unbedingt rechtzeitig Tisch und Paella vorbestellen! Wo es köstliche Paella und Restaurants in Valencia gibt, erfahren Sie hier.

Region Valencia: Historische Kulisse von Peñíscola

Peñiscola Valencia © Monica Gumm

Dieser Anblick ist filmreif. Schon mehrfach diente der Badeort an der Costa del Azahar, rund 145 Kilometer nördlich von Valencia, als Drehkulisse – etwa für den Historienfilm „El Cid“ oder die Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Aber auch die Geschichte des Ortes würde genug Stoff für einen Film hergeben: Tempelritter errichteten um 1300 auf den Resten einer arabischen Zitadelle eine Burg. Gut ein Jahrhundert später fand dort Gegenpapst Benedikt XIII. („Papa Luna“) Zuflucht und blieb bis zu seinem Lebensende – angeblich überstand er in dieser Zeit einige Giftanschläge. Die Burg liegt auf einer felsigen Halbinsel hoch über dem Meer und ist heute eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Spaniens. Der Weg dorthin führt durch die Gassen der Altstadt, vorbei an der Casa de las Conchas mit einer Fassade voller Muscheln. In der Burg kommt man ganz bis nach oben und blickt auf die sichelförmigen Strände, die den Ort zum Meer hin rahmen.

Montanejos: Wohltuende Quelle

Montanejos Valencia © Monica Gumm

Wellness-Wochenende oder Outdoor-Training? In Montanejos ist beides möglich. Aktivurlauber kommen zum Klettern, Raften oder Biken in den rund 90 Kilometer nordwestlich von Valencia gelegenen Ort. Und Erholungsuchende lassen sich im örtlichen Spa verwöhnen, das vom Wasser der Heilquelle Fuente de Baños gespeist wird. Wem weder nach Adrenalinkick noch nach Kuren zumute ist, geht wandern. Besonders beliebt in der Region Valencia ist der rund acht Kilometer lange Rundweg Presa de los Estrechos, der am Ufer des Flusses Mijares startet und hinauf zu den bewaldeten Ausläufern der Sierra de Espadán führt. Unterwegs blickt man auf die Dächer des Ortes hinab, passiert von Steilwänden umrahmte Täler und begegnet mit etwas Glück Iberiensteinböcken, die über die Felsen springen. Weitere Höhepunkte: der wasserfallartige Überlauf des Arenoso-Stausees, den man schon von Weitem sprudeln hört, und die Höhle Cueva Negra, die 25 Meter tief in den Berg hineinführt. Wer am Ende des Trips doch wellnessreif sein sollte, kann ein kostenloses Bad in der Fuente de Baños nehmen. Das Wasser der Quelle misst ganzjährig angenehme 25 Grad. 

Bocairent: Höhlenbesuch mit Kletterpartie

Valencia Bocairent © Monica Gumm

Dieses Foto zeigt einen sogenannten Schneebrunnen. Genauer gesagt, die Cava de Sant Blai, eine elf Meter tiefe künstliche Höhle in der Gemeinde Bocairent, die sich rund 95 Kilometer südwestlich von Valencia auf einem Felsen zwischen den Bergen und Hügeln der Sierra de Mariola erhebt. Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert lagerten die Bewohner hier dichten, festen Schnee, der blöckeweise als Kühlmittel verkauft wurde. Gleich nebenan liegen noch mehr Höhlen: die Covetes dels Moros, die wie Löcher eines Schweizer Käses eine steile Felswand übersäen. Forscher nehmen an, dass die rund 50 Kammern zur Zeit der muslimischen Herrschaft als Getreidelager dienten. 

Ein Besuch der teils miteinander verbundenen Höhlen ist ein großes Vergnügen, verlangt aber ein Mindestmaß an Sportlichkeit, denn zwischendurch müssen sich Besucher an Seilen hochziehen, auf allen Vieren kriechen und über den glatten Fels rutschen. Wer nach der Kletterpartie Lust auf noch mehr Höhlen hat, kann am anderen Ende des alten Ortskerns ein unterirdisches, in den Fels gehauenes Kloster aufsuchen. Unterwegs lohnt sich ein Spaziergang durch den mittelalterlichen Teil von Bocairent, in dessen Gassen Katzen dösen und kleine Brunnen plätschern.

Morella: Thronende Festung

Region Valencia Morella © Monica Gumm

Von wegen finsteres Mittelalter: In Morella präsentiert es sich von seiner strahlendsten Seite, besonders nachts, wenn die Lichter über den Pflastersteinstraßen den Ort in warmes Licht tauchen. Wegen der strategisch wichtigen Lage auf einer Anhöhe nahe der Grenzen zu Aragonien und Katalonien, gut 170 Kilometer nördlich von Valencia, wurde das Bergdorf im 14. Jahrhundert zur Festungsstadt ausgebaut, die die Jahrhunderte weitgehend unbeschadet überdauert hat. Eine rund zwei Kilometer lange Stadtmauer umringt die am Hang gelegene Altstadt. 

Einlass gewähren sieben Stadttore, darunter die Puerta de San Miguel, deren mächtige Türme Besucher besteigen können. Und hoch über allem thront die Burg, die mit dem Fels zu verschmelzen scheint. Wer hier hochgewandert ist, vorbei an der Stierkampfarena und einem ehemaligen Kloster, wird mit einem Blick über das schroffe Umland des Höhenzugs Maestrazgo belohnt. Danach geht es wieder abwärts, in die behagliche Altstadt, deren Gassen und Treppen von Museen, Stadtpalästen, Kirchen und Geschäften gesäumt werden. Was Sie hier auf jeden Fall machen sollten: einkehren! Zu den Spezialitäten der Region gehören mit schwarzem Trüffel verfeinerte Speisen und leckerer Käse. 

Chulilla: Spaziergang durch die Schlucht

Valencia Chulilla © Monica Gumm

Einigermaßen schwindelfrei sollte man sein, um den beliebten Wanderweg Ruta de los Pantaneros abzulaufen. Aber keine Angst, ganz so dramatisch wie auf unserem Foto balanciert man nicht an den bis zu gut 80 Meter tiefen Abhängen entlang. Tatsächlich ist der Marsch auch für Familien gut zu bewältigen. Startpunkt ist Chulilla, ein hübsches Dorf mit weiß getünchten Häusern, gelegen unterhalb einer Burg etwa 60 Kilometer nordwestlich von Valencia. Von hier aus geht es einmal quer durch die Schlucht des Flusses Turia bis zum rund fünf Kilometer entfernen Stausee Loriguilla. Für Hin- und Rückweg sollte man einen halben Tag einplanen, unterwegs muss man einfach immer wieder anhalten und den Blick genießen: über senkrecht abfallende Steilwände, wackelnde Hängebrücken und Kletterer, die die Felswände erklimmen oder auf Slacklines über dem Abgrund wanken.

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