Tramuntana Mallorca © Josh Power/Unsplash
Natur

Mallorcas Tramuntana: Naturwunder und Welterbe

Das Tramuntana-Gebirge im Nordwesten der Insel steht für kaum berührte Natur von wilder Schönheit. Diesen Schatz wollen die Einheimischen schützen und vermarkten zugleich – das geht am besten, indem man Wanderer, Radfahrer und Naturliebhaber anlockt.

Eine Gegend für Bauern und Einsiedler

Lang gezogen wie der Rücken einer Echse liegt das Tramuntana-Gebirge zwischen Andratx und Pollença, eine 90 Kilometer lange, karstige Gebirgskette. Seit über 4000 Jahren ist die Gegend besiedelt. Bauern, Landarbeiter, Mönche haben dort Hänge und Täler erschlossen, Terrassenfelder angelegt, Bewässerungskanäle gezogen – und Stätten der Besinnung geschaffen wie die Einsiedelei von Valldemossa, eine halbe Stunde Fußweg von der Küstenstraße Ma-10 entfernt.

Tramuntana-Gebirge: Wenige Touristen verirrten sich hierher

Tramuntana Mallorca © Crispin Jones/Unsplash

Während sich auf der anderen Seite der Insel der Badetourismus entwickelte, trafen sich in den steinigen Buchten der Berge von Tramuntana nur Einheimische und Hippies. Mallorca vermarktete Strände und Sangría. Die Berge waren das Hinterland, in das sich kaum ein Tourist verirrte. Bis in die 1990er Jahre interessierten kaum einen Urlauber die „herausragenden Beispiele traditioneller, menschlicher Besiedelung“, die den Ausschlag dafür gaben, dass die UNESCO die Tramuntana 2011 zum Welterbe ernannte.

Spektakuläre Küstenfahrt

Mallorca Tramuntana © Birken/Unsplash

Wer heute ein Gefühl dafür bekommen möchte, was die Unesco damit meint, der sollte einmal die Ma-10 entlangfahren, zumindest den bekanntesten Abschnitt, die 20 Kilometer von Valldemossa über Deià nach Sóller. Die Araber legten die Terrassen an, die Dörfer wie Banyalbufar so besonders machen, pflanzten Olivenbäume, Zitrusfrüchte und Gemüse. Später kamen Weinstöcke und Mandelbäume dazu.

Die schroffe Natur prägt von jeher die Mentalität der Bewohner. Sie sind das Leben in der Abgeschiedenheit der Täler und in der Isolation der Berghöfe gewohnt. Nun aber müssen sie zusammenarbeiten, um das gemeinsame, von der UNESCO geadelte Erbe zu bewahren.

Wandern im Tramuntana-Gebirge

Mallorca Tramuntana © Birken/Unsplash

Nur, wie lässt sich der neue Status vermarkten, wie an ihm verdienen, ohne dass das Erbe Schaden nimmt? Es sind vor allem die Bewohner der Tramuntana selbst, die eine Antwort finden müssen. Mehr als 90 Prozent der Fläche ist in Privatbesitz.

Eine Studie dazu sieht Touristen als Besucher eines Kulturraums, die diesen sportlich nutzen – beim Radeln, Wandern, Klettern oder Laufen – und danach in Landgütern, Dorfläden oder auf Bauernmessen Orangenmarmelade, Olivenöl oder Mandelpaste aus dem Welterbe kaufen. Das könnte neues Leben in die Berge bringen: Nicht mehr nur Wanderer und Sportler würden sie bevölkern, sondern auch wieder Hirten, Imker oder Bauern.

Weitere MERIAN-Tipps für Mallorca

Projekte für nachhaltige Landschaftspflege

Tramuntana Mallorca © Markus Voetter/Unsplash

Ansätze dazu gibt es. „Wer durch die Berge geht, ohne Spuren zu hinterlassen, ist immer willkommen“, sagt Torneu Pizà. Der Bergführer koordiniert bei Valldemossa ein Projekt für nachhaltige Nutzung und Pflege der Landschaft. Er und seine Mitarbeiter ziehen Zäune gegen die wilden Ziegen, forsten Eichen und Oliven auf und kümmern sich um den Erhalt der Wege.  

Seine Auftraggeber sind vier Grundbesitzer, darunter Amador Morell, der an der Straße zwischen Valldemossa und Deià das Restaurant „Ca’n Costa” betreibt. In der Küche schmort schon das Essen im Topf. Gleich wird seine Tochter den Gästen auf der Terrasse mallorquinische Leckereien servieren. Und ihr Vater wird wie immer zwischen den Tischen umherlaufen, zufrieden in die glücklichen Gesichter schauen und den Gästen dann von seinen Bergen erzählen. Und von den Zeiten, als er hier mit den Einsiedlern noch allein war.

Tipps für Tramuntana-Wanderungen

Mallorca Tramuntana © Birken/Unsplash

Von Deià nach Sóller: Der auf acht Tagesetappen ausgelegte Fernwanderweg GR221 führt 150 Kilometer durch die Tramuntana – zu lang für die meisten. Eine besonders schöne Etappe verbindet Deià und Sóller – dreieinhalb Stunden durch Oliven- und Orangenhaine. www.gr221.info

Von Son Marroig zur Punta de Sa Foradada: Vom Landgut Son Marroig zwischen Deià und Valldemossa geht es hinunter zur Halbinsel Sa Foradada, die wegen ihres Felslochs berühmt ist. Ein Abstieg mit herrlichen Ausblicken.
Gesamtdauer: 2,5 Std. (hin und zurück). Wanderer müssen ein Eintrittsticket (4 €) für das Landgut lösen. www.sonmarroig.com

Zum Galatzó: Anspruchsvolle, aber ebenso eindrucksvolle Tour zum 1026 Meter hohen Galatzó, die Trittsicherheit erfordert. Die Route startet nahe Estellencs an der Ma-10 bei Kilometer 97. Dauer: 4 Stunden.

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