Torbole – Paradies für Windsurfer © Robert Hajduk/RSX Class/ShutterSail.com
Aktiv

Torbole – ein Paradies (nicht nur) für Windsurfer

Die starke Brise am nördlichen Gardasee war für das Dorf Torbole lange mehr Fluch als Segen. Bis vor fast fünfzig Jahren die ersten Windsurfer hier ihre Segel setzten und aus dem kleinen Fischerdorf ein Paradies der Wassersportler machten.

„Windmaschine Europas“, so nennen Surfer den Norden des Gardasees. Insbesondere Torbole gilt als einer der besten Segel- und Surfspots Europas. Ein starkes Prädikat für die kleine Ortschaft mit ihren bunten Häusern, die sich wie ein Amphitheater von der Mündung des Sarca-Flusses bis hinauf an den Hang des Monte Baldo ausbreitet. Am obersten Zipfel des größten Sees Italiens strecken die Zweitausender ihre Füße ins Wasser und schaffen eine fjordähnliche Landschaft, Olivenhaine wachsen an den Hängen, am Seeufer blühen Zitronenbäume.

Die Thermik des Gardasees

Torbole, Italien © Tim Langlotz

Hier trifft der Norden auf den Süden: So entstehen auch die intensiven Windströme, die von März bis Oktober konstant über den See blasen. Die kühle Luft der Alpen vermischt sich mit der warmen Luft der Po-Ebene und schafft die besondere Thermik, für die der Gardasee bekannt ist. Durch die steilen Felswände wird die Windstärke zusätzlich potenziert – eine Art Düseneffekt entsteht.

„Sowas brauchen wir auch!“

Der einheimische Surf-Pionier Vasco erzählt so von seiner ersten Begegnung mit einem Windsurfer Mitte der 70er-Jahre: „Ich war 16 und mit Freunden draußen auf dem See beim Fischen, als dieses Gerät an uns vorbeizog. Wir hatten keine Ahnung, was das ist. Aber wir wussten: Sowas brauchen wir auch!“ Gemeinsam kauften sich Vasco und seine Freunde eigene Bretter mit Segeln und lernten, damit über das Wasser zu gleiten.

Sport ist in Torboles DNA

Torbole – Paradies für Windsurfer © Robert Hajduk_RSX Class_ShutterSail.com

Wer konnte schon ahnen, dass genau dieses Holzbrett das krisengebeutelte Torbole so berühmt machen würde? Der Fischfang war seit Jahren kein gutes Geschäft mehr für die Dorfbewohner. Und „der Wind war in Torbole lange das Synonym für ein Problem. Sobald die Gäste eine Brise spürten, flohen sie“, erinnert sich Vasco. Plötzlich war er die Rettung: Praktisch über Nacht wurde das Fischerdorf Torbole unter Surfern zum Geheimtipp. In den Surfmagazinen stand „Torbole, Lake Garda“ gleich neben Hawaii. Ein gewaltiger Ansturm überrumpelte das Dorf.

Nach 2000 flaute der Hype ab – zum Glück für die „normalen“ Besucher. Am Festland tummeln sich nun auch Kletterer, Wanderer und Radfahrer. Längst gehört die sportliche Atmosphäre zu Torboles DNA.

Die besten Tipps für Torbole

Torbole, Italien © Tim Langlotz

Die Surfer und Segler haben in Torbole vor allem das Wasser und die Windfahne im Blick. Dabei gibt es in und um den Ort am Nordufer des Gardasees auch sonst einiges zu entdecken.

SEHENSWERT

Der Hafen von Torbole war lange ein wichtiger Umschlagplatz und Grenzposten zwischen Venetien und Tirol. Ein Relikt jener Zeit ist das schmucke Zollhäuschen Casa del Dazio aus dem 18. Jahrhundert. Wer in einem Hotel der Besitzerfamilie Tonelli nächtigt, darf nach Vereinbarung ins Innere des Gebäudes. Das Antonius-Fresko am roten Haus gleich daneben, der Casa Beust (15. Jh.), stammt vom Berliner Maler Hans Lietzmann (1872- 1955).

ESSEN & TRINKEN

Torbole, Italien © Tim Langlotz

 

Agritur Madonna delle Vittorie

Weingut, Ölmühle und Restaurant in einem: Vieles, was in dem Agriturismo aufgetischt wird, stammt vom eigenen Hof. Rund einen Kilometer vom Seeufer entfernt gibt es hier neben diversen Weinen Sekt und Olivenöl, bodenständige Trentiner Küche, handgemachte Pasta und Rindfleisch aus eigener Zucht. Mittags kann man spontan vorbeischauen, abends sollte man besser reservieren.

Via Linfano, 81, 38062 Arco TN

www.madonnadellevittorie.it

La Terrazza

Der Name ist Programm. Wer wirklich einen Terrassenplatz mit Seeblick will, sollte allerdings reservieren. Seit fast 30 Jahren ist das Restaurant für seine Fischgerichte bekannt: Süßwasserfische aus dem Gardasee werden regional-typisch zubereitet. Zu Polenta etwa wird gerne »Sisàm alla Torbolana« serviert, Ukelei – eine kleine Fischart – mit Zwiebeln und Essig.

Via Benaco 24

www.allaterrazza.com

Vineria Rèfol

Der kleine Weinladen mit gemütlicher Bar und guter Beratung ist die beste Adresse für alle, die abends ein gutes Glas Wein trinken wollen – idealerweise draußen an den alten Weinfässern inmitten der Einheimischen.

Piazza Alpini 8

www.facebook.com/refolwineshoptorbole

Wind’s Bar

Das Lokal direkt neben der Straße hat zwar keinen Seeblick, dafür ist immer was los. Morgens gibt’s guten Kaffee, tagsüber Snacks und Eis zu chilliger Musik. Surfer und Biker treffen sich hier gerne zum Aperitif oder zum Feiern am Abend. Gute Cocktails.

Via G. Matteotti 9

www.windsbar.com

AKTIV

SURF Segnana

Die Bucht westlich der Sarca-Mündung ist ein guter Spot für die ersten Versuche im Windsurfen. Hier bietet Marco Segnana seit über 35 Jahren Surf- und Katamaran-Kurse an. Mittlerweile führt er ein »Multisport Center«: Ob Bike, Kite, Segelboot, SUP oder Kajak, hier gibt’s die nötige Ausrüstung zum Verleih.

Foci del Sarca

www.surfsegnana.it

Vasco Renna Windsurfing Center

Vom Anfänger bis zum Könner: In der renommierten Surfschule von Vasco Renna finden alle ein passendes Angebot. Laut dem Experten schafft man es mit einem guten Kurs in etwa vier Tagen, selbstständig und entspannt raus auf den See und wieder ans Ufer zu segeln. Direkt vor der Surfschule liegt ein großzügiger Spot zum Einstieg. Für windfreie Stunden gibt es SUPs und Kajaks.

Parco della Pavese 9

www.vascorenna.com

Das könnte Sie auch interessieren

Samu Haber © Risto Musta
Im Gespräch mit Samu Haber
"Du hast nur ein Leben – also mach was draus"

Samu Haber ist der wohl bekannteste Finne in Deutschland. MERIAN traf den Musiker in Helsinki und sprach mit ihm über Eishockey, deutsches Fernsehen und finnische Beharrlichkeit, die ihn erfolgreich werden ließ.

Motovun © Gulliver Theis
Istrien, ein Urlaubsziel für Genießer

Romantische Altstädte und stille Bergdörfer, lebhafte Strände und einsame Buchten – im gastfreundlichen Istrien gibt es viel zu entdecken. Es locken das berühmte Pula und das beschauliche Rovinj, hübsche Inseln und ein ursprüngliches Hinterland.

Bremen in voller Blüte © Gerald Hänel
Städtereisen
Ein Park für Bremens stolze Rhododendren

Der Bremer Rhododendron-Park beherbergt die weltweit zweitgrößte Sammlung dieser Art und ist im Frühsommer ein Blütenparadies. Doch der Besuch des herrlichen Parks lohnt immer. Denn dort locken zudem der Botanische Garten und die Erlebniswelt „botanika“.

salzburg-blaue-gans-hotel © arthotel Blaue Gans
Städtereisen
Die "Blaue Gans": Gans oder gar nicht!

Die "Blaue Gans" ist das älteste Gasthaus Salzburgs. Nun hat sie sich nochmal neu erfunden: als feines Kunsthotel mit einer ganz eigenen Art von Luxus.