Entdeckerland im Balkan: Die schönsten Orte in Albanien

Albanien, das kleine Land östlich von Italiens Stiefelabsatz, umrahmt von Montenegro, Kosovo, Nordmazedonien und Griechenland, jahrzehntelang galt es als eine der isoliertesten Regionen Europas. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand Albanien bis 1991 unter kommunistischer Herrschaft; Diktator Enver Hoxha prägte das Land bis zu seinem Tod 1985. Hunderttausende Mini-Bunker, verteilt über alle Regionen, erinnern an dessen Paranoia.
Das heutige Albanien hat rund 2,7 Millionen Einwohner, zieht inzwischen mehr als fünfmal so viele Touristen an und empfängt diese mit herzlicher Gastfreundschaft. Zeit, sich die schönsten Ecken des Landes genauer anzuschauen.
Nationalpark Albanische Alpen

Der Nationalpark Albanische Alpen liegt im Norden des Landes an der Grenze zu Montenegro und Kosovo. Er ist Teil des spektakulären, anspruchsvollen Fernwanderweges Peaks of the Balkans, der durch die Grenzgebiete aller drei Länder verläuft. Es gibt aber auch einfachere Wanderungen, von familienfreundlichen Ausflügen zum Blue Eye in Theth bis hin zur Tageswanderung insnahegelegenee Valbona-Tal. Wer mit dem Auto nach Theth anreist, sollte sich auf eine abenteuerliche Fahrt über enge, steile Straßen gefasst machen. Dafür wird man belohnt: mit einem beeindruckenden Bergpanorama.
Nivicë Canyon

Im kleinen Dorf Nivicë, weit im Süden des Landes, liegt eine der größten Schluchten Europas. Mit einer Länge von mehr als 40 Kilometern bietet sie eine grandiose Kulisse für Wanderungen – etwa zum Wasserfall Peshtura (Dauer etwa drei Stunden). Zur Belohnung kann man im Anschluss in der Bujtina mbi Kanion einkehren, wo es deftige Hausmannskost zum Mittag- und Abendessen gibt. Geführte Touren zum Beispiel über Albania Turism.
Tirana

Wer in der Hauptstadt Tirana auf dem zentralen Skanderbeg-Platz steht, sieht in allen Richtungen Baustellen. An einem Sommerabend sitzen Jugendliche auf den bunten Bänken vor der Oper, nebenan laufen die Vorbereitungen für ein Open-Air-Konzert. Erst vor Kurzem wurde die Pyramide von Tirana, einst ein dem Diktator gewidmetes Museum, als Kulturzentrum wiedereröffnet.
Nicht weit davon entfernt, am Rande des großen Stadtparks, verbirgt sich unter einer Burger-King-Filiale eines der wegweisenden Restaurants der Stadt: Mullixhiu, zu Deutsch „Müller“. Gäste werden hier in einer rustikalen Stube empfangen, mit einem Arrangement aus Strohballen und Butternusskürbissen, mit Laub auf dem Holzfußboden und einer alten Getreidemühle in der Ecke – und zurück zu den Wurzeln Albaniens geführt.
Die Vjosa

Von Tirana aus weit im Süden windet sich die Vjosa durch die Landschaft, sie gilt als der letzte Wildfluss Europas, auf ihrer gesamten Länge von 272 Kilometern ist sie frei von Staudämmen oder Begradigungen. Jahrelang haben Naturschützer genau darum gekämpft, mit Erfolg: Das einzigartige Ökosystem mit mehr als 1.000 seltenen Tier- und Pflanzenarten wurde 2023 zum Nationalpark erklärt. Trotzdem soll dort nun ein Flughafen gebaut werden – um Touristen in die unberührte Natur zu bringen. Die Zukunft der Vjosa, sie ist also noch lange nicht entschieden.
An einem heißen Sommertag treibt ein Hirte seine Ziegen zum kühlen Wasser, ein anderer lässt seine Kühe im Fluss baden. Abenteuerlustige stürzen sich mit Rafting-Booten in die reißenden Strömungen. Im Sonnenschein strahlt die Vjosa in einem klaren Aquamarin. Am Ufer quaken zahlreiche Frösche im Dickicht, nicht nur nachts, auch tagsüber sind sie zu hören.
Zagoria-Tal

Hoch über der Vjosa klammert sich das Bergdorf Peshtan an den Hang. Es ist ein guter Ausgangspunkt für Touren ins abgeschiedene Zagoria-Tal, das bislang weit weniger Wanderer anzieht als die bekannten Täler Theth und Valbona im Norden, in den Albanischen Alpen. Hier betreibt Mira Muka das Gästehaus Bujtina Peshtan, damit gehört sie zu den Pionierinnen des sanften Tourismus in der Region. Von ihrer Terrasse schweift der Blick über die Gemüsebeete, dahinter erheben sich die Berge.
Uka Farm
Unweit der Stadtgrenzen Tiranas befindet sich dieses Weingut: Es gilt als eines der bekanntesten Albaniens mit angeschlossenem Farm-to-Table-Restaurant. Winzer Flori Uka und sein Team arbeiten hier mit endemischen albanischen Rebsorten wie Kallmet und sie bewirtschaften das Weingut nach den Prinzipien der Permakultur. Ein Besuch lohnt sich für alle, die dem Trubel Tiranas für ein paar Stunden entfliehen möchten. Zu essen werden traditionelle albanische Speisen serviert, von Meze über Byrek bis zu Maisbrot mit Joghurtsoße.
Ferma Albanik
Wer erst einmal die Schotterpiste bewältigt hat, findet bei Ferma Albanik eine wahre Oase der Ruhe. Im Deshnica-Tal hat Inhaberin Elona Bejo zusammen mit ihrer Schwester und ihrer Mutter einen paradiesischen Rückzugsort mitten im Grünen geschaffen. Die Zimmer sind rustikal und im Wohnhaus untergebracht; zum Frühstück, Mittag- und Abendessen gibt es saisonal wechselnde albanische Gerichte mit Produkten aus dem eigenen Permakulturgarten oder von einem befreundeten Frauenkollektiv. Wer mag, kann mit Yoga in den Tag starten (oder gleich ein ganzes Yoga-Retreat buchen) oder die Gegend bei geführten Wanderungen erkunden.