Dornburg-Camburg-Rokokoschloss © Marcus Glahn
Sehenswürdigkeiten

Schwebendes Trio: die Dornburger Schlösser

Hoch über der Saale liegt ein einzigartiges Ensemble: die Dornburger Schlösser. Schon die Herzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach schätzten sie als Sommersitz – und wegen ihrer intimen Gartenräume. Das Trio zählt zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Thüringen.

Schweben da drei Schlösser über dem Land? Nicht wirklich, doch die Dornburger Schlösser, die zwölf Kilometer nordöstlich von Jena auf einer steilen Felswand 90 Meter hoch über der Saale thronen, sind schon eine Erscheinung. Wie auf einem Präsentierteller liegen sie in der Landschaft: das Alte Schloss, das Reste einer mittelalterlichen Burg birgt, auf der einen, das Renaissanceschloss auf der anderen Seite und in der Mitte, als Krönung, das Rokokoschloss.

Eine majestätische Achse

Eine majestätische Achse © Marcus Glahn
Eine majestätische Achse

Das Trio bildet eine majestätische Achse, die noch mehr Glanz verströmt, wenn man ihr ganz nah kommt – und in die schönen Gärten schaut, die die Schlösser umgeben. Auch Goethe verliebte sich in Dornburg. Ab 1776 nutzte er als herzoglicher Minister das Rokokoschloss, ein galantes Lustschloss mit einem Festsaal aus farbenprächtigem Stuckmarmor, bei Dienstaufenthalten im Amt Dornburg als Quartier. Im Renaissanceschloss verbrachte er im Sommer 1828 zwei Monate, betrieb Forschungen und verfasste Gedichte. Zur Inspiration musste der Gartenfreund nur vor die Tür treten. „Die Aussicht ist herrlich und fröhlich“, beschrieb Goethe die Szenerie. „Die Blumen blühen in den wohlunterhaltenen Gärten, die Traubengeländer sind reichlich behangen, und unter meinem Fenster seh ich einen wohlgediehenen Weinberg.“

Gärten für Lust und Neugier

Gärten für Lust und Neugier © Marcus Glahn
Gärten für Lust und Neugier

Großherzog Carl August hatte das Renaissanceschloss, das in der Mitte des 16. Jahrhunderts als Gutsherrenhaus gebaut worden war, 1824 erworben und in seine Dornburger Sommerresidenz einbezogen. Seinen Hofgärtner Carl August Christian Sckell versah er mit dem Auftrag, die drei unterschiedlichen Schlösser harmonisch zu verbinden – durch eine geschickte Gestaltung der Gärten. Es gelang: Sckell schuf – auf einer gerade mal vier Hektar großen Fläche – die perfekte Voraussetzung, um mit Lust und Neugier von einer Anlage zur anderen zu flanieren. Dazu dienen intime Gartenräume, die zugleich gemütlich-familiär und ästhetisch-anspruchsvoll wirken, üppige Blumenarrangements und der Einsatz unterschiedlicher Stile. So wird aus dem Spaziergang ein Naturerlebnis.

Mondsichelbeete und Rebhänge

Mondsichelbeete und Rebhänge  © Jens Hausprug
Mondsichelbeete und Rebhänge

Stallungen, Wirtschaftsgebäude und eine Schnapsbrennerei auf dem Areal des alten Gutsbesitzes wurden abgerissen, damit Sckell seinen Landschaftsgarten anlegen konnte – mit verschlungenen Wegen, Rund- und Mondsichelbeeten und einigen freistehenden Bäumen, die wie natürlich gewachsen wirken, aber Blicke gekonnt leiten oder bewusst versperren. Es ist auch heute ein Ort, der große Ruhe ausstrahlt und an dem der Blick weit schweifen kann. Was auch daran liegt, dass Sckell die Mauer zwischen dem Renaissanceschloss und dem Rokokoschloss stutzen ließ. So entstanden spannende Sichtachsen, und die Übergänge zwischen den Gartenbereichen wurden fließend. Am Hang vor den Schlössern pflanzte er Rebstöcke, heute sind es rund 2500.

Rosen waren ein Prestigeobjekt

Rosen waren ein Prestigeobjekt © Alexander Weingarten
Rosen waren ein Prestigeobjekt

Ähnlich viele Rosenstöcke zieren das Gelände, beranken den Laubengang vor dem Rokokoschloss, blühen in Beeten und Hecken. Rosen waren damals die neueste Mode, ein Prestigeobjekt, das Sammelleidenschaft und Zuchterfolge zur Schau stellte. Heute lassen sie das Schloss noch märchenhafter erscheinen, als es seine pastellfarbenen Fassaden mit den vielen Schnörkeln und Rundungen ohnehin schon tun. Das Gartenparterre an der nordöstlichen Seite erhielt erst im Jahr 1966 seine heutige Gestalt. Der Dresdner Hermann Schüttauf legte einen barocken Garten an, in dem Buchsbaumhecken zu geometrischen Formen getrimmt sind und Gartenskulpturen stehen.

Vielfalt auf kleinstem Raum

Vielfalt auf kleinstem Raum © Alexander Weingarten
Vielfalt auf kleinstem Raum

Doch zurück zu Sckell (1801-1874), der in einer Zeit des Umbruchs lebte. Die Lust auf akkurate Barockanlagen schwand, das Interesse an englischen Gärten stieg. In Dornburg ist diese Entwicklung nachzuvollziehen. Man kann die beiden Ansätze nebeneinander sehen – und einen dritten: den alten Nutzgarten. Am Alten Schloss hat man einen Kräuter- und Gemüsegarten angelegt, wie sie einst zur Versorgung großer Anwesen notwendig waren.

Das Ensemble zählt heute zu den meistbesuchten Attraktionen des Freistaats. Für Kurator Christian Hill ist es vor allem ein Brennglas Thüringer Historie: „Burgengeschichte, Residenzkultur, Goethe-Gedenkstätte, Bauhaus-Töpferei – das alles ist Dornburg.“ Eben große Vielfalt auf kleinstem Raum.

Dornburger Schlösser und Gärten
Dornburg-Camburg, Max-Krehan-Straße 2
www.thueringerschloesser.de

Natur in der Nähe: Natura-2000-Gebiet Großer Gleisberg -
Jenzig bei Jena
www.rag-sh.de

Rad-Tipp: Saaleradweg
www.saaleradweg.de

Mehr zu den prächtigen Thüringer Parks & Gärten: 
https://gaerten.thueringen-entdecken.de

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