Rathaus © Lukas Spörl
Sehenswürdigkeiten

Lübecks Sehenswürdigkeiten vom Dom bis zum Buddenbrookhaus

Es konnte eigentlich nur Lübeck sein – 1987 nahm die UNESCO erstmals in Nordeuropa eine gesamte Altstadt in ihre Welterbeliste auf. Lübecks Trave-Insel, rund zwei mal ein Kilometer groß, bietet auf diesen 100 Hektar geballte Sehenswürdigkeiten. Hier kommen nur die allerwichtigsten.

Mutter der Backsteingotik: die Marienkirche

Marienkirche © Natalie Kriwy

Fenster wie endlose Streifen aus Licht, darüber ein Gewölbe, das unerreichbar fern scheint: Diese Kirche beeindruckt Menschen seit mehr als 750 Jahren. Das Äußere ist ebenso imposant, die zwei 125 Meter hohen Türme prägen die Silhouette Lübecks.

Die Erbauer mussten sich beim Material etwas Eigenes einfallen lassen. Da es in der Umgebung keine Steinbrüche gab, aus denen sich große Blöcke schlagen ließen, wurden die Steine für die Kirche einzeln aus Ton gebacken. Besonders von außen zeigt sich in den Stützkonstruktionen über den Seitenschiffen ein schwindelerregend kleinteiliges Backsteinmuster in äußerster Präzision. St. Marien gilt als Vorbild vieler Kirchen im ganzen Ostseeraum, als „Mutter der Backsteingotik“.

Marienkirchhof 1
www.st-marien-luebeck.de

Der Dom Heinrichs des Löwen

Lübecker Dom © Isabela Pacini

Es war Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen, der Lübeck 1159 gründete und 14 Jahre später den Dom bauen ließ: als romanische Basilika. Später wurde ein neuer Chorraum mit hohen Fenstern im gotischen Stil gestaltet, die Säulen der Seitenschiffe wurden ebenfalls erhöht. Daher rührt heute der lichtvolle Eindruck.

Der Dom wird immer wieder instandgesetzt. Jetzt sind die Türme dran, acht bis zehn Jahre soll die Restauration dauern und rund 23 Millionen Euro kosten. Mit der Notwendigkeit der Sanierung ist der Dom in guter Gesellschaft. Unter www.sieben-tuerme-luebeck.de werden Spenden für den Erhalt aller sieben wichtigen Kirchtürme in der Stadt gesammelt.

Mühlendamm 2 
www.domzuluebeck.de


Insiderwissen: St. Marien, St. Jakobi, St. Aegidien und der Dom: Sie alle beteiligen sich am Orgelfestival im Juli und August, bei dem Spitzenmusiker auf den historischen Instrumenten sehr gefragte Konzerte spielen. www.luebecker-orgelsommer.de

Stilparade: das Rathaus

Rathaus © Lukas Spörl

Das Lübecker Rathaus ist ein Unikum: Immer wieder erweitert und verändert, zeigen sich viele Stile von Gotik über Renaissance bis zur Moderne. Das setzt sich innen fort, wie eine Führung zeigt – vom imposanten Treppenaufgang aus der Backsteingotik bis zum stuckverzierten Audienzsaal im Rokoko. Durch die Arkadenhalle gelangt man auf den Rathausmarkt. Hier kann man die gotische Schauwand mit ihren Windlöchern, die weiße Sandsteinlaube und die Marienkirche nebenan besonders gut bestaunen.

Wuchtig, aber friedlich: das Holstentor

Holstentor © Isabel Pacini

Die wuchtige Schwere einer Festung mit feinen Verzierungen, die repräsentativ wirken: Das Holstentor ist ein Abbild von Lübecks Geschichte als selbstbewusste Hansestadt. Es stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts. Umgeben von einem kleinen Park und flankiert von zwei lebensgroßen Bronzelöwen grüßt es stadtauswärts auf lateinisch mit goldenen Lettern: Concordia Domi Foris Pax – Eintracht innen, Friede außen. Und der Legende nach wurde auch nie eine Kanone aus den Schießscharten abgefeuert. Wer über die schmalen Treppen hinauf in die Türme klettert, wo sich heute ein Museum zur Stadtgeschichte befindet, staunt über die 3,50 Meter dicken Mauern. 

Holstentorplatz
www.museum-holstentor.de

Museum und Begegnungsort: das Grass-Haus

Günter Grass Haus © LTM

Über Jahre hinweg, bis zu seinem Tod 2015, hatte Günter Grass in diesem alten Haus sein Büro. Jetzt ist es ein Museum und Begegnungsort, der die vielfältige Arbeit des Schriftstellers, Malers und Zeichners zeigt. Im Zentrum steht ein Kolonialwarenladen, der hinüberführt in die Erlebniswelt von Oskar Matzerath, der Hauptfigur in Grass’ Roman „Die Blechtrommel“. Interaktive Medien leiten weiter in die unterschiedlichen Stationen seiner eigenen Biografie.

Glockengießerstr. 21
www.grass-haus.de

Prestigereich: das neue Hansemuseum

Europäisches Hansemuseum © Stefan Dendorfer

Es ist wohl das prestigeträchtigste Bauprojekt der neuzeitlichen Stadt: Seit 2015 gibt es das Europäische Hansemuseum, das einen modernen Backsteinbau mit dem Innenhof und dem alten Kirchplatz des angrenzenden Burgklosters verbindet. Das Museum zeigt die Entwicklung der Hanse von den Anfängen um 1200 hin zur wirtschaftlichen und politischen Macht, die über Jahrhunderte hinweg den europäischen Fernhandel beherrschte.

An der Untertrave 1
www.hansemuseum.eu

Hanseatische Mildtätigkeit: das Heiligen-Geist-Hospital

Heiligen Geist Hospital © HD Zielske

Das prächtige Gebäude aus dem 13. Jahrhundert ist nicht nur eine Ikone mittelalterlicher Baukunst, sondern auch ein lebendiges Beispiel für die hanseatische Tradition der Mildtätigkeit. „Menschen minderen Glücks“ nannte man im Mittelalter zu Lübeck die Armen, Alten und Kranken. Immerhin lebten sie in einer reichen Stadt, in der die Wohlhabenden sich für sie engagierten, um einen Platz im Paradies zu ergattern. Das Heiligen-Geist-Hospital ist noch heute als Seniorenwohnheim in Gebrauch. Damit ist es eine der ältesten sozialen Einrichtungen der Welt.

Koberg 11
www.luebeck-tourismus.de/altstadt

Epochen der Seefahrt im Museumshafen

Museumshafen © Lukas Spörl

Hier liegen historische Schiffe mit über 100 Jahren Geschichte, mit Liebe zum Detail restauriert und gepflegt. Viele sind noch heute unterwegs – wer mag, kann als Gast die Technik und den Stil früherer Epochen der Seefahrt bestaunen. Das älteste ist die Jacht „Norden“ aus dem Jahr 1870. Der Motorschlepper „Titan“ von 1910 und der Bagger „Wels“ von 1936 faszinieren als Zeugen der Ingenieurskunst vergangener Dekaden.

Extratipp: Das Feuerschiff „Fehmarnbelt“ von 1908 ist im Sommer zwischen Lübeck, Wismar und Rostock unterwegs. Wer will, kann mitfahren.

Willy-Brandt-Allee 35
www.museumshafen-luebeck.org

Besuchs bei den Manns: das Buddenbrookhaus

Buddenbrookhaus © Isabela Pacini

Der Vater von Thomas Mann hat das prachtvolle Haus in der Mengstraße 4 erbauen lassen.  Hier hat der Schriftsteller seine Kindheit verbracht, und dieses Haus wird heute zur Bühne für seinen weltberühmten Roman „Buddenbrooks“ aus dem Jahr 1901. Einrichtung und Ausstattung sind Schauplätzen des Buches nachempfunden. In der zweiten Etage gibt es das „Speisezimmer“ und das „Götterzimmer“. In den Räumen verteilt sind Zettel mit Seitenzahlen, sodass man beim Umhergehen nachlesen kann, welche Szenen des Romans sich hier zugetragen haben.

Gut zu wissen: Das Museum wird bis 2023 umgebaut und erweitert. Bis dahin ist eine Sonderausstellung im Museum Behnhaus Drägerhaus in der Königstraße 9 zu sehen.

Mengstr. 4
www.buddenbrookhaus.de

Erholung am Mühlenteich

Mühlenteich © LTM/O.Malzahn

Der Mühlenteich entstand als Staubecken für Mühlen. Heute ist er einer der schönsten Erholungsräume der Stadt. Enten, Schwäne und Kormorane wohnen an den Ufern, im Wasser schwimmen Flussbarsche herum. Der Krähenteich nebenan ist ähnlich apart und hat am östlichen Ufer zwei Liegewiesen, wo man ihm entspannt beim Glitzern zuschauen kann.

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