Die Himmelsscheibe von Nebra ist ein archäologischer Jahrhundertfund – und die Geschichte dazu wie ein Räuber-Krimi aus Hollywood. Die uralte Darstellung des Sonnensystems ist jetzt in einer großen Ausstellung in Halle zu sehen.
Weltsensation in Pizzagröße
Im Jahr 1999 buddeln zwei Schatzsucher eine goldverzierte Scheibe aus einem Wald bei Nebra, groß wie eine Pizza. Sie wittern das große Geschäft. Ein Archäologe jagt ihnen die Beute ab – wie im Hollywoodfilm. Und rettet so eine Weltsensation: die älteste kunstvolle Darstellung des Kosmos. Die 3600 Jahre alte Scheibe zählt seit 2013 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Original ist im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen.
Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle, Richard-Wagner-Str. 9
Neue Ausstellung: Die Scheibe und die Forschung
Seit Juni 2021 bis zum 9. Januar 2022 zeigt das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle die Landesausstellung „Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte“. Das ist spektakulär: Die Ausstellung präsentiert Forschungsergebnisse, die in den letzten 20 Jahren zur Himmelsscheibe erzielt wurden – es geht um Naturwissenschaft, Archäologie und Kunst. Dazu gehören hochrangige Objekte von über 50 Leihgebern aus dem In- und Ausland.
Insiderwissen: Kooperationspartner der Ausstellung ist das weltweit führend British Museum London. Dort wird die Scheibe dann 2022 ausgestellt.
Am Fundort: Die Arche Nebra
Am Fundort auf dem Mittelberg bei Nebra informiert das Ausstellungszentrum Arche Nebra mit interaktiven Elementen über Hintergründe und Entstehung. In dem spektakulären Bauwerk – es sieht aus wie ein goldenes Schiff – wird die Geschichte rund um die archäologische Kostbarkeit lebendig. Im Planetarium, dem Herzstück der Arche Nebra, verrät eine gut 20-minütige Show die Geheimnisse der Himmelsscheibe und macht ihr astronomisches Wissen begreifbar.
Die Bronzescheibe misst 32 Zentimeter im Durchmesser und zeigt die Sonne – je nach Deutung auch den Vollmond –, eine Mondsichel sowie insgesamt 32 goldene Sterne. Es gibt unzählige Deutungen. Wahrscheinlich stehen sieben eng beieinander liegende Goldpunkte für die Plejaden, einen Sternenhaufen, der für die Bauern damals enorm wichtig war.
Insiderwissen: Die Scheibezeigt astronomisches Wissen, das manfür jene Epoche nur Ägyptern und Babyloniern zugetraut hatte.
Filmreif: Die Gauner-Geschichte um die Himmelsscheibe
An einem heißen Juli-Sonntag im Jahr 1999 streifen zwei Männer durch den Ziegelrodaer Forst, in den Händen Metalldetektoren. Sie sind frustriert, Stunden schon latschen sie glücklos durch den Wald. Doch dann pfeift es schrill im Kopfhörer. Mit einem Beil schlagen die beiden ein Loch in den Boden, treffen Metall, graben mit bloßen Händen eine Scheibe aus. Ein Mülleimerdeckel, denken sie zuerst. Aber dann finden sie zwei Schwerter und zwei Beile, einen Meißel und zerbrochene Armspiralen. Und sie sehen Gold.
Im weiteren Verlauf: ein Besäufnis, diverse Hehler, darunter ein pensionierter Lehrer, schließlich die erste Festnahme in einem Baseler Hotel. Die ganze, filmreife Geschichte wird auch im MERIAN-Magazin Sachsen-Anhalt (9/2018) erzählt.
Insiderwissen: Einer der Zwischenhehler hat die Scheibe mit Stahlwolle bearbeitet und das unschätzbare Artefakt damit schwer beschädigt.
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