Steinige Küste vor den Kreidefelsen von Rügen © Philip Koschel
Natur

Mein Rügen, Hiddensee und Stralsund

Kreidefelsen und Bäderarchitektur prägen die Ostseeinseln Rügen und Hiddensee, Stralsund ist das Tor zu den Inseln.

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So soll es gewesen sein: Gott war mit der Erschaffung der Erde eigentlich fertig, aber noch war ein Klumpen von allem übrig. Also warf er dort, wo er gerade gearbeitet hatte, den Rest ins Meer, und so trifft es sich, dass ausgerechnet hier alles im Kleinen und zugleich im Überfluss vorhanden ist. Unmengen von Sand für die feinen Strände, weite Wiesen für Blumen und abwechslungsreiche Wälder für Tiere, kreideweiße Steilküsten fürs Auge, kleine Hügel für den Überblick, unendlich viel Sonne, Wind und Meer. Rügen ist mehr als eine Insel, es ist ein Archipel, eine Ansammlung von etwa 30 Halbinseln und Inselchen, von Nehrungen, Wieken, Sandhaken, Bodden und Buchten. Sie gruppieren sich um das Kernland, wachsen an, driften weg oder lassen sich von Brücken halten. Das führt zu 574 Kilometern Küste. Und doch soll kein Ort der fast 1000 Quadratkilometer großen Insel mehr als acht Kilometer vom Wasser entfernt sein. Ziel der Romantiker Noch keine 200 Jahre gibt es Tourismus auf Rügen. Erst die Romantiker haben die Insel (nach Italien!) zum Reiseziel und Malermotiv erkoren. Bilder und Gedichte gibt es seither in Hülle und Fülle, die Natur zu beschreiben, zu besingen, zu verklären. Die Kreideküste, rosa schimmernd am Morgen, schneeweiß, wenn die Sonne im Zenit steht, fast grau im Abendschatten, ist seitdem deutsches Sehnsuchtsziel geblieben. Nur Frühaufsteher erleben die geheimnisvollen Klippen mit sanften Tälern, schroffen Spitzen und sich verändernden Kegeln still und menschenleer und fast so, wie Caspar David Friedrich sie einst malte. Schneeweiße Putten In den Seebädern der Ostküste und des südlichen Mönchguts schultern schneeweiße Putten filigrane Bäderarchitektur, und Seebrücken locken zum Spaziergang aufs Meer. Kinder schleppen Kühltaschen durch die endlosen Kiefernwälder der Schaabe – zu lang sind die feinen Strände, als dass sie sich bald für einen Ort entscheiden könnten. Gut gelaunte Fischer stapeln Kisten mit frischen Fischen aus ihren Booten im Hafen von Lauterbach. In fast jedem der Badeorte lockt der Duft der Räuchertonnen zum Imbiss. Die flachen Boddengewässer im Westen, von Landfingern geschützt, werden längst als ideales Surfrevier geschätzt – bis im Herbst die Kraniche in Scharen kommen, um sich für den Weiterflug aufzupäppeln. Schlösser lugen aus Wäldern. Mit Putbus ist vor 200 Jahren Europas letzte planmäßig gebaute Residenzstadt auf Rügen entstanden. Schon da blühten Rosen vor weiß getünchten Häusern, und die Herrschaften ließen sich Badekarren ins flache Wasser stellen. Die Gäste von heute aalen sich in 32°C warmer Thermalsole, wenn das Meerwasser sie zu kühl umspült. Feine moderne Hotels sind in den vergangenen Jahren entstanden. Die Ferienwohnungen werden immer luxuriöser, auch an Sport- und Unterhaltungsangeboten wird das ganze Jahr über nicht gespart. Binz will das Nizza des Nordens werden – wie »früher«. Investoren planen jetzt für den wenig genutzten Inselwesten, und Naturschützer warnen vor den Auswirkungen des Massentourismus. Das kleine Hiddensee, das wie ein Seepferdchen vor Rügen im Wasser liegt, hält währenddessen eisern an seinen Traditionen fest, die da heißen: keine Autos, keine Hochhäuser, keine Diskothek. Nur vier Dörfer gibt es und kaum Straßen. So hat es sich seinen Zauber als Sommerfrische bewahrt, unterbrochen nur von den sommerlichen Tagesgästen, die in Gruppen und vergeblich nach dem Genius Loci suchen. Der versteckt sich derweil für diejenigen, die länger bleiben. Weltkulturerbe Das schöne Stralsund, Welterbe im Verein mit Wismar, hat mancher links liegen gelassen, seit die neue Rügen-Brücke das Städtchen vom Rügen-Tourismus verschont, weil man es umfahren kann. Mit dem Ozeaneum am Hafen, das mit dem Award »Europas Museum des Jahres 2010« ausgezeichnet wurde, gibt es jedoch eine zusätzliche Attraktion zwischen sorgfältig saniertem mittelalterlichen Gemäuer. Es zeigt nicht nur die faszinierende Unterwasserwelt der nördlichen Meere. Neun Humboldtpinguine bewohnen die Dachterrasse und könnten es in Chile kaum besser haben.

Garten vor einem Retdachhaus nahe der Ostsee © Philip Koschel

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