© Wilfried Strang/Pixabay
Genuss

Singapore Sling: Das Paradies auf der Zunge

Gin und Ananassaft bilden das Gerüst des „Singapore Sling“. Eiswürfel und eine prickelnde Schaumkrone vollenden den tropischen Cocktail. Wir erzählen, warum das erfrischende Getränk seit mehr als 100 Jahren eng mit der Stadt verbunden ist.

Text Mila Krull

New York hat „Manhattan“, Singapur seinen „Sling“. Die Bars der Stadt servieren den zartroten Cocktail, der früher Frauen den öffentlichen Alkoholgenuss ermöglichen sollte, in kreativen Interpretationen. Heute erfreut sich jeder an dem fruchtigen, leicht süßen Gin-Mix, angereichert mit Säften und Bitternoten. Seit 2021 kommt dem Kultgetränk eine besondere Ehre zuteil. Das „Raffles“-Hotel erklärte den 27. Juni zum offiziellen Ehrentag des „Singapore Sling“. 

Ursprung und Historie

© Bady Abbas/Unsplash

Taucht man in die Historie des beliebten Cocktails, so führt an diesem Ort kein Weg vorbei: Als eines der ersten großen Luxus-Häuser von Singapur empfängt das „Raffles Hotel“ seit 1887 Berühmtheiten und Abenteurer aus aller Welt. „See you at Raffles“ wurde zum geflügelten Wort, das man Reisenden winkend hinterher rief. Gäste schätzten das Hotel nicht nur für sein exklusives Interieur, sondern auch für die elektrischen Deckenventilatoren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts selten waren. Weitere Abkühlung verschafften die fruchtigen Getränke an der berühmten „Long Bar“. Hinter ihr stand einst der aus Hainan in China stammende Barkeeper Ngiam Tong Boon, der Erfinder des „Singapore Sling“.

Ein Cocktail, der eigentlich keiner ist

Genau lässt sich die Geburtsstunde des Getränks nicht datieren. Es war um 1915, als die ersten Cocktails dieser Art über den Tresen wanderten. Damals befand sich das „Raffles“ noch in erster Strandreihe. Mit seinem neu kreierten Drink verfolgte der findige Barmann einen Zweck. Um auch den Frauen, denen damals vom öffentlichen Alkoholkonsum abgeraten wurde, vergnügsame Stunden zu bereiten, reicherte Ngiam Tong Boon den Vorgänger-Drink „Straits Sling“ mit jeder Menge Fruchtsaft an. Auf den hohen Alkoholgehalt des Getränks, das typischerweise in einem Hurricane-Glas serviert wird, ließ sein Äußeres fortan nicht mehr schließen. Streng genommen handelt es sich beim „Singapore Sling“ übrigens nicht um einen Cocktail, aufgrund des Saftgehaltes gilt er eher als Fruchtpunsch.

Singapore Sling: Rezept und Zubereitung

Das Originalrezept des „Singapore Sling“ gilt als verschollen. Das „Raffles Hotel“ verfügt jedoch über eine Serviette, auf der sich ein Gast im Jahr 1936 die Zutaten notierte. 

Demnach lautet das Rezept:

  • 30 ml Gin
  • 15 ml Kirschlikör
  • 120 ml Ananassaft
  • 15 ml Limettensaft
  • 7,5 ml Cointreau
  • 7,5 ml Bénédectine
  • 10 ml Grenadine
  • ein Spritzer Angosturabitter
  • Eiswürfel
  • ein Stück Ananas und eine Cocktailkirsche

Für die Zubereitung alle Zutaten und die Eiswürfel in einen Shaker geben und kräftig mixen. Zwei Drittel des Getränks in ein Hurricane- oder Longdrink-Glas füllen. Den Rest noch einmal schütteln und vorsichtig in das Glas gießen, um die typische Schaumkrone zu erzeugen. Den Drink mit einem Ananasstück und einer Cocktailkirsche garnieren. 

Die besten „Sling“-Bars in Singapur

Nicht nur in den unzähligen Hotelbars wird der „Singapore Sling“ gern serviert. Die Barkeeper der Stadt kreieren immer neue Interpretationen des beliebten Fruchtpunches und verleihen dem Getränk eine ganz eigene Note. Wer den Klassiker probieren möchte, sollte die „Long Bar“ im „Raffles“ besuchen für modernere Mixturen lohnt ein Abstecher in die angesagten Bars im Zentrum. Wir zeigen Ihnen, wo ganz besondere Cocktails gemischt werden.

Im ehrwürdigen 20er-Jahre-Ambiente genießen Gäste den „Singapore Sling“ an der „Long Bar“ des Hotels. Hier entstand vor 100 Jahren das berühmte Rezept, noch heute schmeckt der fruchtige Drink am einstigen Arbeitsplatz seines Erfinders hervorragend. Eindrucksvoll ist die grüne Mix-Maschine, an der bis zu 18 Drinks gleichzeitig geschüttelt werden. Mittlerweile stellen die besten Barkeeper der Stadt hier regelmäßig ihre Interpretationen vor. In der Bar gelten übrigens ganz eigene Gesetze: Die Schalen der servierten Erdnüsse landen im Minutentakt auf dem Fußboden – überall anders in Singapur kann das Wegwerfen von Müll schon einmal mit bis zu 200 Euro Strafe geahndet werden. 

Smoke & Mirrors

Auf dem Dach der Nationalgalerie von Singapur hat sich das „Smoke & Mirrors“ der Kunst des Cocktailmixens versprochen. Ein echtes Erlebnis ist die Karte, in der von Künstlern inspirierte Getränke zu finden sind. Ein QR-Code leitet Gäste direkt zu den passenden Werken weiter, die in der Galerie bestaunt werden können. Hier wurde dem „Singapore Sling“ als „Robbery at the Museum“ mit lokalem Gin, fermentiertem Ananassaft und saurem Kirschlikör ein neuer Schliff verpasst. 

Schon von außen katapultiert der legendäre Wolkenkratzer Parkview Square Passanten in die glitzernden 1920er-Jahre. Auch im Inneren lässt der prachtvolle Art-déco-Stil Herzen höher schlagen. Direkt im Eingangsbereich empfängt die „Atlas“-Bar ihre Gäste, die sich fühlen dürften wie einst der große Gatsby. Atemberaubend ist der Gin-Turm, aus dem Liebhaber der Wacholder-Spirituose aus mehr als 1000 erlesenen Sorten wählen können. Natürlich darf es hier auch ein „Singapore Sling“ sein.

Bitters & Love

Hinter einer unscheinbaren Fassade versteckt sich die „Bitters & Love“-Bar in China Town: Nur kleingedruckt findet sich der Name auf der Markise wieder. Doch die Suche lohnt sich. Die Bodenfliesen erinnern an die Zeit, als das Lokal noch ein traditionelles Shophaus war. Heute entstehen am Tresen aufwendige Cocktails, serviert in ausgefallenen Gläsern mit Showeffekt. Der hauseigene „Sling“ wird hübsch mit Blumen und Ananas garniert.

Gründer Vijay Mudaliar verwendet für seine Mixturen vor allem Produkte aus der Region und legt Wert auf Nachhaltigkeit. Auch aus den Boxen hinter dem Tresen klingen heimische Töne, und lokale DJs sorgen für lockeres Ambiente. Gleich mehrere vom Klassiker inspirierte Drinks serviert das „Native”-Team. Für den „Garden Sling“, einer Hommage an Singapurs Sehenswürdigkeit „Gardens by the Bay“, verwenden die Barkeeper unter anderem Colombo Gin, Roselle, Thai-Basilikum und Kalamansi.

Das könnte Sie auch interessieren

© Dominik Ketz
Kultur
Burg Eltz: Besuch auf der Märchenburg

Seit fast 900 Jahren klammert sich die Burg Eltz an den Fels und ist heute eine der meistbesuchten Attraktionen des Landes. Erfahren Sie alles rund um den Besuch auf Burg Eltz.

© Kai Kröger Fotografie
Natur
Sternegucken: Magische Nächte auf Spiekeroog und Pellworm

Das Funkeln tausender Sterne: Von Spiekeroog und Pellworm haben Urlauber:innen einen besonderes tollen Blick auf den Nachthimmel über der Nordsee. Die Inseln bemühen sich seit Jahren um mehr Dunkelheit – mit großem Erfolg!

© Ross Hillier
article-type-ad-big-white
Advertorial
Die Transsibirische Eisenbahn – Traumtour aller Bahnreisenden

Die Transsibirische Eisenbahn ist legendär. Seit über 100 Jahren verbindet sie Europa mit dem asiatischen Kontinent via Schiene. Heute verkehren Linienzüge und der Sonderzug „Zarengold”. Diverse Komfortstufen sind frei wählbar, ebenso die Aufenthalte und attraktivsten Routen.

© PR/Pressup
Genuss
Restaurants in Dublin: Die kulinarischen Hotspots der Stadt

Irland kann mehr als nur Guinness: In der irischen Hauptstadt Dublin finden sich zahlreiche Restaurants und Pubs, die mit edlem Interieur, gemütlichem Wohnzimmer-Flair und musikalischer Untermalung locken. Ob Lamm- und Fischgerichte, Levante-Küche oder Fish and Chips: Wir zeigen Ihnen die kulinarischen Hotspots der Stadt.