Schlosspark Ettersburg © Alexander Weingarten
Kultur

Schloss Ettersburg entzückt mit seinen Sichtachsen

Der Schlosspark Ettersburg war die Herzensangelegenheit des Großherzogs Carl Alexander. Ideen dafür hatte er von seiner Englandreise mitgebracht. Heute gehört das Ensemble zum UNESCO-Welterbe „Klassisches Weimar“.

Sie forschten wie Detektivinnen: Die Landschaftsarchitektinnen Angelika Schneider und Stefanie Krihning haben die Entstehungsgeschichte des Schlossparkes Ettersburg umgeschrieben. Lange hatte man den prachtvollen Park für das Werk des Gartenkünstlers Eduard Petzold unter Mitwirkung des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau gehalten worden. Tatsächlich hat wohl der Weimarer Großherzog Carl Alexander höchstpersönlich eingegriffen – so erfolgreich, dass das Ensemble heute zum UNESCO-Welterbe Klassisches Weimar“ gehört.

Skizzen von der „Grand Tour“

Dokumente berichten von einer viermonatigen „Grand Tour“ durch England und Schottland, die er 1839 unternahm, und von der er mit etlichen Skizzen und einem gut gefüllten Reisetagebuch an den Hof zurückkehrte. Schon lange hatte der Herzog den Wunsch gehegt, aus dem Jagdschloss seiner Vorfahren einen repräsentativen Sommersitz mit Landschaftspark entstehen zu lassen.

Freude im Pleasureground

Schlosspark Ettersburg © Alexander Weingarten
Schlosspark Ettersburg

Ab 1840 begannen die Planungen. An seiner Seite Eduard Petzold: Nach den Skizzen Carl Alexanders entwarf der Gartenkünstler einen Landschaftspark im englischen Stil nach dem Zonierungsprinzip. Das bedeutet eine Dreiteilung der Flächen: üppige Blumengärten und Terrassen im schlossnahen Bereich, gefolgt vom „Pleasureground“, einer Übergangszone mit Gehölzen und Sträuchern, hinüberleitend in den natürlichen Waldbestand.

Plan B mit Bürgerbeteiligung

Eine Vorliebe hegte Petzold für das Spiel mit Farben, was sich etwa in der kontrastreichen Zusammensetzung von Blutbuche und Silberpappel oder durch zweifarbigen Ahorn ausdrückt. Um mit den erhabenen Schlosszufahrten des englischen Adels mitzuhalten, wünschte sich Carl Alexander auch für Ettersburg eine prachtvolle Chaussee. Das scheiterte jedoch am Geld. Wie „Plan B“ funktionierte, erklärt Angelika Schneider, zuständig für die historischen Parks und Gärten der Klassik Stiftung Weimar: „Um die Zuwegung zu verschönern, schenkte er den Dorfbewohnern Spaliere, Pergolen und reichlich Pflanzen. Damit konnte zumindest eine ansehnliche Zufahrt gestaltet werden.“ Zum Plan gehörte der berühmte „Pücklerschlag“: Für die Sichtachse wurde ein Teil des Waldes gerodet, was damals „der Große Aushau“ genannt wurde.

Wo schon Schiller dichtete

Das Ergebnis ist beeindruckend: Eine rund 900 Meter lange Erweiterung der Schlossallee, die bis heute als bedeutendes Element der Gartenkunst gilt. Ein begehrter Ort war Ettersburg zuvor schon gewesen: Großherzogin Anna Amalia, die Urgroßmutter Carl Alexanders, empfing hier Goethe, Herder und Wieland. Johann Sebastian Bach musizierte im Alten Schloss, Schiller vollendete hier sein Drama „Maria Stuart“, später kamen Franz Liszt und Hans Christian Andersen. Und auch heute ist das Schloss eine Stätte der Kultur – mit Musik, Theater, Lesungen und Podiumsgesprächen.

Schlosspark Ettersburg, Am Schloss 1, Ettersburg
www.klassik-stiftung.de/schloss-und-park-ettersburg
www.schlossettersburg.de

Natur in der Nähe: Natura-2000-Gebiet Großer Ettersberg
www.lpv-mittelthueringen.de

Mehr zu den prächtigen Thüringer Parks & Gärten: 
https://gaerten.thueringen-entdecken.de

 

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