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Kultur

Caspar David Friedrich: Wenn Gemälde auf Tour gehen

2024 wird das Jahr des Caspar David Friedrich. Hamburg, Berlin und Dresden feiern seinen 250. Geburtstag mit großen Schauen. Dafür reisen Gemälde durchs Land, die nur selten ihre Museen verlassen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Text Antonia Aust
Datum 23.11.2023

Ob er ihm gefehlt hat? „Eigentlich nicht“, sagt Markus Bertsch, Kurator der großen Caspar-David-Friedrich-Jubiläumsausstellung in der Hamburger Kunsthalle. „Das war eben der Deal, ansonsten hätte ich die Kreidefelsen nicht bekommen.“ Rund acht Monate musste die Hansestadt ohne eines ihrer berühmtesten Kunstwerke auskommen. „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (um 1817) von Caspar David Friedrich verbrachte den Großteil des Jahres 2023 erst im bayerischen Schweinfurt und dann in Winterthur in der Schweiz.

Pünktlich zum Ausstellungsbeginn von „Caspar David Friedrich – Kunst für eine neue Zeit“ am 15. Dezember ist das Gemälde zurück in der Hamburger Sammlung. Vor dem Kunsthistoriker Bertsch und den Friedrich-Werken, über die er wacht, liegt ein turbulentes Jahr: 2024 jährt sich der Geburtstag Caspar David Friedrichs zum 250. Mal, und dieses Jubiläum nehmen die drei großen deutschen Friedrich-Städte Hamburg, Berlin und Dresden zum Anlass, den Maler-Star und ihre Sammlungen mit drei großen Ausstellungen zu feiern.

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Leitmotive in den Gemälden von Caspar David Friedrich

© SHK/Hamburger Kunsthalle/bpk; Foto: Elke Walford
Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“
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Im Albertinum in Dresden gibt es zahlreiche Friedrich-Werke zu sehen.
© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie; Foto: Jörg P. Anders
„Frau am Fenster“ von Caspar David Friedrich

Caspar David Friedrich, geboren 1774 in Greifswald, ist der herausragende Maler der deutschen Romantik. Seine poetischen Landschaftsbilder, in denen der Mensch eher eine beobachtende Rolle einnimmt, rufen bis heute große Emotionen hervor. Das beobachtet Bertsch in Hamburg immer wieder, und das erlebt auch Birgit Verwiebe, Kuratorin an der Alten Nationalgalerie in Berlin, die wie die Hamburger Kunsthalle einer der Friedrich- Hotspots in Deutschland ist: „In dieser Kunst steckt etwas, das das Publikum in den Bann zieht. Man steht vor Friedrichs Bildern und betritt Räume, Landschaftsräume, Gedankenräume, Gefühlsräume. Es ist eben nicht nur die Wiedergabe einer gesehenen Landschaft, sondern Ahnungen und Emotionen schwingen mit.“

Die Emotionen in seinen Werken wurzeln tief in der Biografie des Malers. Schon als kleiner Junge erlebt er, das sechste von zehn Kindern, schwere Schicksalsschläge. Die Mutter stirbt, als er gerade sieben Jahre alt ist, auch zwei Geschwister sterben früh, der Bruder Johann Christoffer kommt beim Versuch ums Leben, den 13-jährigen Caspar David zu retten, der beim Schlittschuhlaufen im Eis eingebrochen ist. Die Themen Tod, Vergänglichkeit und die Macht der Natur werden ihn ein Leben lang begleiten und sich in seinen Werken wiederfinden.

Caspar David Friedrich studiert an der renommierten Kunstakademie in Kopenhagen, anschließend zieht er nach Dresden. Von dort unternimmt er immer wieder Ausflüge in die Sächsische Schweiz, den Harz und an die heimische Ostseeküste. Die Zeichnungen, die er unterwegs anfertigt, legen den Grundstein für spätere Gemälde. 

Die Friedrich-Hauptstadt Nummer Eins: Dresden

Nach zehn eher mühsamen Jahren in Dresden, in denen er oft schwermütig ist, verhilft ihm eine Ausstellung in Berlin endlich zum Erfolg. Neben dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. gehört auch der russische Zar Nikolaus I. zu seinen Kunden. Doch der Erfolg ist nicht von Dauer, die Romantik immer weniger en vogue, die seelischen Botschaften verfangen nicht mehr – der Realismus wird zur prägenden Kunstrichtung. 

1835 erleidet Friedrich einen Schlaganfall, der ihn teilweise lähmt und seine Arbeit erschwert. 1840 stirbt er und wird auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden beigesetzt. Dass Dresden eine Friedrich-Hauptstadt ist, ergibt sich schon aus dieser Biografie, doch auch Hamburg und Berlin gelten als Friedrich-Hauptstädte.

Berlin und Hamburg: Bedeutende Städte für Caspar David Friedrich

Kunsthalle Hamburg © Ralf Suerbaum
Die Kunsthalle Hamburg macht den Auftakt zum Jubiläumsjahr Caspar David Friedrichs.

Berlin spielt für seine Karriere eine wichtige Rolle, dort beginnt der kommerzielle Erfolg des Malers mit der Berliner Akademieausstellung 1810; Friedrich Wilhelm III. erwirbt die Bilder „Mönch am Meer“ und „Abtei im Eichwald“. Nachdem Friedrichs Werke zum Ende seines Lebens an Popularität verloren haben, ist es wieder eine Ausstellung in Berlin, die ihn knapp 100 Jahre nach seiner Entdeckung posthum als bedeutenden Künstler etabliert.

Dass Hamburg eine wichtige Friedrich-Stadt ist, hängt weniger mit dem Leben und Wirken des Künstlers zusammen als vielmehr mit Alfred Lichtwark, dem ersten Direktor der Hamburger Kunsthalle. Er begann schon früh, Friedrich-Werke für die Hamburger Sammlung zu akquirieren. Von dieser Weitsicht profitiert die Hamburger Kunsthalle mit ihren 17 Friedrich-Gemälden und etwa 60 Zeichnungen bis heute. 

2024: Zahlreiche Friedrich-Gemälde gehen auf Reisen

Die drei Friedrich-Hauptstädte präsentieren in den großen Jubiläumsschauen nicht nur ihre eigenen Sammlungen. Eine ungewöhnlich großzügige Tauschpolitik und aufeinander abgestimmte Ausstellungszeiträume ermöglichen es, Werke nebeneinander zu präsentieren, die es sonst nur selten in den selben Raum schaffen. „Es ist alles ungewöhnlich: der Künstler, die Ausstellungen und wie sich die Museen bei diesem Jubiläum mit Leihgaben unterstützen“, sagt Kuratorin Verwiebe. 

So darf in einer großen Ausnahme der „Mönch am Meer“ von Berlin zeitweilig nach Hamburg umziehen, ebenso wie das Gemälde „Der Watzmann“, das mit einer Breite von fast zwei Metern ein selten großformatiger Friedrich ist. Berlin wird im Gegenzug „Das Eismeer“ aus Hamburg erhalten, das besonders fragil ist und deshalb normalerweise nicht verliehen wird. „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ wird Hamburg erneut verlassen und die Dresdener Friedrich-Ausstellung im Albertinum bereichern, im Gegenzug schickt Dresden das Bild „Zwei Männer in Betrachtung des Mondes“ nach Hamburg. Trotz der Überschneidungen werden drei unterschiedliche Friedrich-Schauen zu sehen sein. 

Übrigens: Alles Wissenswerte zu den drei großen Ausstellungen – von Öffnungszeiten bis zum Ticketkauf – lesen Sie hier.

2025: Internationale Ausstellung in der MET in New York

Ein paar Lücken werden aber bleiben, manch wichtiges Friedrich-Werk wird auf keiner der Jubiläumsausstellungen zu bewundern sein, denn einige befinden sich in Russland und können wegen des Angriffskrieges nicht geliehen werden. Dafür reisen andere sogar über den Atlantik. 2025 zeigt das Metropolitan Museum of Art eine große Caspar-David-Friedrich-Retrospektive. Einige Bilder werden dann auch aus Hamburg, Berlin und Dresden anreisen. Besonders empfindliche Werke wie „Das Eismeer“ oder „Der Mönch am Meer“ werden den weiten Weg allerdings nicht auf sich nehmen können. Sie erlebt man nur in den deutschen Friedrich-Hauptstädten. 

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