Bulgarien

Wissenswertes über Bulgarien

Natur und Klima:

Landschaftsprägend ist das Balkan-Gebirge, das das Land in west-östlicher Richtung von der serbischen Grenze bis zum Kap Emine am Schwarzen Meer durchzieht. Nach Norden senkt sich der bis 2400 Meter ansteigende Höhenzug über den Vorbalkan zum lößbedeckten Donauhügelland und zur Dobrudscha im Nordosten. Mit einer Steilstufe fällt die Plateaulandschaft zum Donautal ab, die auf 470 Kilometer die Grenze zu Rumänien bildet.

Im Süden ist dem Balkan in seinem mittleren Abschnitt das Bulgarische Mittelgebirge (Sredna Gora) vorgelagert. Zwischen dem Balkan und dem Mittelgebirge erstreckt sich eine Zone kleinerer Becken; auch die Hauptstadt Sofia liegt in einem solchen intramontanen Becken. Das Thrakische Tiefland südlich der Sredna Gora ist eine fruchtbare, von der Maritza durchzogene Niederung. Im Südwesten Bulgariens erheben sich mehrere Gebirge: Die dicht bewaldeten Rhodopen bilden einen 2000 Meter hohen "Grenzwall" gegen Griechenland. Das Pirin-Gebirge hat bereits hochalpinen Charakter. Im Rila-Gebirge liegt mit dem Musala (2925 Meter) nicht nur der höchste Berg des Landes, sondern auch das im 10. Jahrhundert gegründete Rila-Kloster, ein Nationalheiligtum.

Bulgariens Schwarzmeerküste ist eine abwechslungsreiche Landschaft mit Sandstränden, Felsklippen, Dünenstränden, waldigen Höhen und Weinbergen.

Überwiegend kontinentales Klima:

Im nördlichen Teil des Landes herrscht gemäßigtes Kontinentalklima mit heißen, trockenen Sommern und kalten, schneereichen Wintern. Da der Balkan das Vordringen nördlicher Kaltluftströme verhindert, machen sich in den Beckenlandschaften zwischen Balkan und Mittelgebirge und an der Schwarzmeerküste bereits mediterrane Einflüsse bemerkbar. In der südlichen Gebirgsregion herrscht ab etwa 2000 Metern Hochgebirgsklima.

Bevölkerung:

Bulgarien gehört zu den Ländern, in denen die Einwohnerzahl leicht rückläufig ist. Seit den achtziger Jahren übertrifft die Sterberate die stark gesunkene Geburtenrate. Zudem verließen zahlreiche Angehörige der türkischen Minderheit das Land, nachdem eine Kampagne zur Zwangsbulgarisierung die türkische Sprache und türkische Namen aus der Öffentlichkeit zu verdrängen suchte. Erst mit dem demokratischen Wandel entspannte sich die Lage. Zweitgrößte Minderheit sind die Roma, die - wie fast überall in Südosteuropa - kaum in die Gesellschaft integriert sind.

Die Bevölkerungsverteilung im Land ist sehr unterschiedlich. Spärlich bewohnt sind die Hochgebirgsregionen, dicht besiedelt dagegen Teile des Thrakischen Tieflands (Maritzabecken), des Donauhügellands und der Schwarzmeerküste. Die höchste Bevölkerungsdichte wird im Großraum Sofia erreicht; hier lebt jeder siebte Bulgare.

Bildung:

Das Bildungsniveau ist in Bulgarien traditionell sehr hoch. Es besteht eine allgemeine Schulpflicht zwischen dem 6. und 16. Lebensjahr. Neben einem zweistufigen System aus Grundschule (1. bis 8. Klasse) und Gymnasium (9. bis 12. Klasse) existieren sogenannte Mittelschulen sowie weiterführende und berufsqualifizierende Schulen. Seit dem Schuljahr 2003/04 ist ab der zweiten Klasse eine Fremdsprache Pflicht. Die bulgarische Hochschulbildung folgt internationalen Standards (Master- und Bachelorabschlüsse); die Vergabe der Studienplätze an den ingesamt 41 staatlichen Hochschulen wird durch Eingangsprüfungen reglementiert.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1991 ist Bulgarien eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der für fünf Jahre direkt vom Volk gewählte Präsident, der einmal wiedergewählt werden darf. Ministerpräsident und Kabinett sind dem Parlament verantwortlich. Das Parlament, die Volksversammlung, hat 240 für vier Jahre gewählte Abgeordnete.

Wichtige Parteien sind die rechtskonservative Gruppierung Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens (GERB), die Bulgarische Sozialistische Partei (BSP), die Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS) als Vertretung der türkischen Minderheit, die nationalistische Nationale Union Angriff (ATAKA) sowie das rechtskonservative Bündnis aus Union der demokratischen Kräfte (SDS) und Demokraten für ein starkes Bulgarien (DSB). Der Verfassungsgerichtshof überwacht den Gesetzgebungsprozess.

Wirtschaft und Verkehr

Unter kommunistischer Herrschaft vollzog Bulgarien den Übergang von einem Agrarland mit kleinbäuerlichem Landbesitz zum Industriestaat. Vor allem in der Schwerindustrie und im Bergbau wurden Ende der achtziger Jahre zwei Drittel des Nationaleinkommens erwirtschaftet. Mit dem Zerfall des Ostblocks fielen jedoch die traditionellen Absatzmärkte weg. Der Anfang der neunziger Jahre begonnene marktwirtschaftliche Strukturwandel der ineffizienten Industrie und des lange vernachlässigten Agrarsektors kam nur langsam voran und führte zu erheblichen Produktionsrückgängen und hoher Arbeitslosigkeit. 1995/96 war die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln gefährdet, der Staat stand kurz vor dem Bankrott. Durch ein wirtschaftliches Reformprogramm und die Konsolidierung der Staatsfinanzen konnte in den vergangenen Jahren ein zwar langsames, aber stetiges Wirtschaftswachstum erreicht werden.

Sonderkulturen in der Landwirtschaft:

Etwa die Hälfe der Landesfläche wird landwirtschaftlich genutzt, zwei Drittel davon entfallen auf Ackerland, der Rest auf Wiesen und Weiden. Aufgrund der Trockenheit müssen Teile der Anbauflächen künstlich bewässert werden. Eine besondere Bedeutung haben Sonderkulturen wie Sonnenblumen, Maulbeerbäume für die Zucht von Seidenraupen, Tabak, Wein und Rosen. Das Zentrum der Rosenzucht ist die Stadt Kazanlk südlich des Balkans. Hier wird aus den Blättern der Damaszenerrose kostbares Rosenöl gewonnen, eine wichtige Grundessenz für die Parfümherstellung.

Bergbau und Industrie:

An Bodenschätzen stehen neben Eisen-, Zink-, Blei- und Kupfererzen in erster Linie Braunkohle und in geringem Maß auch Erdöl zur Verfügung. Das Hauptgewicht der industriellen Produktion liegt auf dem Maschinenbau, dem Hüttenwesen, der Metallindustrie, der Nahrungsmittelverarbeitung und der chemischen Industrie. Bergbau und Schwerindustrie tragen wesentlich zu der hohen Umweltbelastung in Bulgarien bei.

Aufstrebender Tourismus:

Der Tourismus ist ein bedeutender Devisenbringer. Hauptziele der Badeurlauber sind der "Goldstrand" bei Varna und der "Sonnenstrand" bei Nesebâr und Albena am Schwarzen Meer. Die Bergregionen bieten bisher wenig genutzte Möglichkeiten für den Wander- und Skitourismus. Daneben gibt es zahlreiche Höhenkurorte mit Mineral- und Heilquellen. Eine ungebrochene Anziehungskraft besitzen dank ihrer historischen Sehenswürdigkeiten die Städte Sofia und Plovdiv.

Wichtiges Transitland:

Aufgrund seiner Lage ist Bulgarien ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Europa und dem Nahen Osten. Mehrere zum Teil autobahnähnlich ausgebaute Europastraßen queren das Land. Ein wesentlicher Teil des Frachtverkehrs wird über die Donau und das Schwarze Meer abgewickelt. Haupthäfen am Schwarzen Meer sind Varna und Burgas; größter Binnenhafen an der Donau ist Ruse.

Geschichte

Von der Antike bis zur Türkenherrschaft:

Das im Altertum zu Thrakien gehörende Gebiet gelangte bis zur Mitte des 1. Jahrhundert n. Chr. endgültig unter römische Herrschaft, 395 fiel es an Ostrom. Im 6./7. Jahrhundert n. Chr. drangen zunächst Slawen, dann das Turkvolk der Bulgaren (Protobulgaren) ein. 681 errichtete Asparuch das 1. Bulgarische Reich, das unter Simeon I. (893 bis 927) seine Blütezeit erlebte. Nach erneuter byzantinischer Herrschaft stieg das Zweite Bulgarische Reich (1185 bis 1396) noch einmal zur Führungsmacht auf dem Balkan auf. 1396 verlor Bulgarien seine Selbständigkeit und wurde für fast 500 Jahre Teil des Osmanischen Reiches.

Unabhängigkeit und Weltkriege:

Gegen die Türken brachen wiederholt Aufstände aus, doch erst nach dem russisch-türkischen Krieg 1877/78 konnte sich Bulgarien von der türkischen Herrschaft befreien. Unter Ferdinand I. erreichte das Land 1908 schließlich die formelle Unabhängigkeit als Zarenreich. Die Erfolge der bulgarischen Truppen im Ersten Balkan-Krieg wiederholten sich im Zweiten Balkan-Krieg nicht: Die Süddobrudscha und Makedonien gingen verloren. AmErsten Weltkrieg nahm Bulgarien auf Seiten der Mittelmächte teil. Auch im Zweiten Weltkrieg schlug sich Bulgarien auf die Seite Deutschlands. 1944 besetzte die Rote Armee das Land und stürzte den Regentschaftsrat, der für den minderjährigen Zaren Simeon II. regierte.

Volksrepublik und demokratischer Aufbruch:

In einem Referendum stimmte die Bevölkerung 1946 für die Abschaffung der Monarchie. Unter Georgij Dimitrow erfolgte die Einbindung der Volksrepublik Bulgarien in den sowjetischen Machtbereich. 1954 wurde Todor Schiwkow Führer der bulgarischen KP, 1971 auch zum Vorsitzenden des neugeschaffenen Staatsrats (Staatsoberhaupt) gewählt. Schiwkow prägte über viereinhalb Jahrzehnte die Politik Bulgariens. Er stand den Reformbestrebungen Gorbatschows in den achtziger Jahren ablehnend gegenüber. Im Innern betrieb Schwikow im gleichen Zeitraum eine massive Unterdrückungspolitik gegenüber der türkischen Minderheit. 1989 erzwang das bulgarische Politbüro schließlich seinen Rücktritt.

1990 verzichtete die KP auf ihren Führungsanspruch und änderte ihren Namen in Bulgarische Sozialistische Partei (BSP). 1991 verabschiedete das Parlament eine neue demokratische Verfassung. In den folgenden Jahren blieb die politische Lage instabil. Besonders die katastrophale wirtschaftliche Situation führte dazu, dass die Ministerpräsidenten nach häufig nur kurzer Amtszeit zurücktraten.

Die Präsidentschaftswahlen 2001 gewann Georgij Parwanow (BSP). Im gleichen Jahr wurde der frühere Zar Simeon II. unter seinem bürgerlichen Namen Simeon Sakskoburggotski Regierungschef. Unter seiner Führung trat Bulgarien 2004 der Nato bei. Die Parlamentswahlen 2005 gewann das von der BSP dominierte Bündnis Koalition für Bulgarien mit Sergej Stanischew an der Spitze. Stanischew (BSP) wurde neuer Ministerpräsident und bildete eine Koalitionsregierung der linken Mitte. Staatspräsident Parwanow konnte sich bei den Präsidentschaftswahlen 2006 das Mandat für eine zweite Amstzeit sichern.

2007 trat Bulgarien der Europäischen Union bei. Im folgenden Jahr sperrte bzw. strich die EU aufgrund von Mängeln in der Korruptionsbekämpfung und Defiziten im Justizwesen Hilfsgelder für Bulgarien in dreistelliger Millionenhöhe. Bei den Parlamentswahlen 2009 mussten die regierenden Sozialisten eine schwere Niederlage hinnehmen. Zur stärksten politischen Kraft wurde die Oppositionspartei Gerb mit dem Sofioter Bürgermeister Bojko Borissow als Spitzenkandidaten. Borissow bildete eine von der nationalistischen Partei Ataka gestützte Minderheitsregierung.


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