Montenegro

Wissenswertes über Montenegro

Natur und Klima:

Montenegro ist überwiegend ein stark verkarstetes, nur dünn besiedeltes Gebirgsland. Im Norden erhebt sich das im Bobotov Kuk 2522 Meter hohe Massiv des Durmitor, das ebenso wie die Gebirgszüge Loven und Orjen zum Dinarischen Gebirge gehört. Die Flüsse haben teilweise tiefe Schluchten in das Gebirgsland geschnitten. Die Taraschlucht gilt als der tiefste und steilste Cañon in Europa und ist der Hauptanziehungspunkt im Nationalpark Durmitor.

Der im Grenzgebiet zu Albanien liegende Shkodërsee ist mit seinem südwestlichen Ende nur 20 Kilometer von der Adriaküste entfernt, von dieser aber durch einen bis 1600 Meter hohen Gebirgszug getrennt. Der See wird von der Moraa und einigen unterirdischen Quellen gespeist. Landschaftlicher Höhepunkt der etwa 290 Kilometer langen Küste ist die fjordartig ins Landesinnere eingeschnittene Bucht von Kotor, in der einige kleinere Inseln liegen.

Nur der Küstenstreifen hat mediterranes Klima. Im gebirgigen Hinterland herrschen kontinentale Klimaeinflüsse mit warmen Sommern und kalten, schneereichen Wintern vor. Die steilen Küstengebirge erhalten vorwiegend im Sommer Niederschläge, die mehr als 2000 mm im Jahr betragen.

Bevölkerung:

In der Volkszählung von 2003 bezeichneten sich 43 Prozent der Einwohner als Montenegriner, die eine westliche Variante des Serbischen sprechen. 32 Prozent sind Serben. Größte Minderheit sind die Bosniaken sowie die Albaner, die in den Grenzregionen zu Albanien und Kosovo mit den Städten Ulcinj und Tuzi leben. Insgesamt wohnen rund 60 Prozent der Bevölkerung in Städten.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 2007 ist Montenegro eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählte Präsident. Es sind zwei Amtszeiten möglich. Die Legislative liegt beim 75 Abgeordnete umfassenden Einkammerparlament, der Versammlung der Republik, mit einer Legislaturperiode von vier Jahren. An der Spitze der Regierung steht der vom Parlament auf Vorschlag des Präsidenten gewählte Ministerpräsident.

Stärkste parteipolitische Kraft ist das Bündnis Koalition für ein europäisches Montenegro aus Demokratischer Partei der Sozialisten (DPS), Sozialdemokratischer Partei Montenegros (SDP) und Kroatischer Bürgerinitiative (HGI). Weitere Parteien sind die Sozialistische Volkspartei (SNP), die Neue Serbische Demokratie (NSD), die Bewegung für Veränderungen (PzP) und die Bosniakische Partei (BS). Die Parteien der albanischen Minderheit (unter anderem Demokratische Union der Albaner, UDSH) sind von der bei Parlamentswahlen geltenden Dreiprozentklausel ausgenommen.

Wirtschaft und Verkehr:

Die gebirgige und verkarstete Landesnatur schränkt den Ackerbau stark ein. Hauptanbaugebiete sind die Beckenlandschaften, die Schwemmlandebene nordwestlich des Shkodërsees und die Küstenzone, wo Tabak, Zitrusfrüchte, Wein, Gemüse und Oliven erzeugt werden. In den Bergregionen dominiert die Viehzucht (Schafe). Bedeutendster Industriestandort ist Podgorica mit einer Aluminiumhütte, die unter anderem Bauxit aus dem Bergwerk bei Nikši verarbeitet. Die Energieerzeugung basiert auf Wasserkraftwerken und einem Wärmekraftwerk, das Braunkohle aus dem Norden des Landes verwendet. Garant der moderaten Wachstumsraten in den vergangenen Jahren und Schwerpunkt der Wirtschaftsförderung ist der Tourismussektor.

Wichtigster Hafen ist Bar, der durch eine 1976 fertiggestellte Bahnlinie mit Podgorica und Belgrad verbunden ist und auch Anschluss an das albanische Streckennetz hat.

 

Geschichte

Mittelalter und Frühe Neuzeit:

 

Im 11. Jahrhundert entstand das Fürstentum Zeta, das später Teil des großserbischen Reichs der Nemanjiden wurde. Seit 1499 unter türkische Oberhoheit konnte Montenegro eine gewisse Eigenständigkeit bewahren. Seit Ende des 16. Jahrhunderts bemühten sich die Bischöfe von Cetinje um die Errichtung einer politischen Zentralgewalt. Der Metropolit Danielo Petrovi Njegoš († 1735) machte diese Würde 1697 in seiner Familie erblich.

Die Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert:

1852 wurde Montenegro weltliches Fürstentum; Nikita I. (Nikola) erhielt auf dem Berliner Kongress 1878 die Unabhängigkeit bestätigt und nahm 1910 den Königstitel an. 1918 wurde Montenegro Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, des späteren Jugoslawiens. Im Zweiten Weltkrieg besetzten italienische und deutsche Truppen Montenegro, das nach Kriegsende Teilrepublik der jugoslawischen Volksrepublik wurde.

Montenegro und Serbien proklamierten 1992 die neue Bundesrepublik Jugoslawien. Seit 1996/97 versuchte sich Montenegro immer stärker von Serbien abzusetzen. Die montenegrinische Führung mit Milo Djukanovi (DPS), der 2003 Ministerpräsident wurde, ging dabei auf Konfrontationskurs zur Belgrader Regierung. Schließlich einigten sich Serbien und Montenegro unter Vermittlung der EU auf eine Neuordnung ihrer Beziehungen. 2003 erfolgte die Umwandlung der Bundesrepublik Jugoslawien in die Staatengemeinschaft Serbien und Montenegro. Im selben Jahr wurde Filip Vujanovi zum Präsidenten Montenegros gewählt.

Am 21. Mai 2006 sprach sich die montenegrinische Bevölkerung in einem Referendum für die Unabhängigkeit des Landes aus, die vom montenegrinischen Parlament am 3. Juni 2006 proklamiert wurde. Die von SDP und DPS getragene Regierungskoalition wurde bei Wahlen im selben Jahr bestätigt. Danach erklärte Ministerpräsident Djukanovi überraschend seinen Verzicht auf das Amt des Regierungschefs. Nachfolger wurde Zeljko Sturanovi (DPS). 2007 trat eine neue Verfassung in Kraft. Sturanovi musste das Amt des Ministerpräsidenten aus Gesundheitsgründen 2008 aufgeben. Erneut übernahm Djukanovi die Führung des Kabinetts. Filip Vujanovi wurde bei den Präsidentschaftswahlen im selben Jahr von der Bevölkerung im Amt bestätigt.

Im Januar 2009 löste sich das Parlament auf, um vorgezogene Neuwahlen zu ermöglichen. Bei diesen Wahlen im März 2009 konnte das Regierungsbündnis Koalition für ein europäisches Montenegro einen deutlichen Sieg erringen.

 


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