Irland

Wissenswertes über Irland

Natur und Klima:

Den Kern der stark durch eiszeitliche Vorgänge geformten Insel bildet das zentrale Tiefland (Midlands), das reich an Seen, Flüssen und Mooren ist. Die flachwellige Ebene wird fast vollständig von heidebedeckten, nahezu baumlosen Mittelgebirgen mit Höhen von 700 bis 900 Metern umrahmt, nur im Osten reicht sie bis an die Irische See. Die zerklüfteten Gebirge formen schroffe Felsküsten, die steil zum oft stürmischen Meer abbrechen. Die Küstenlinie ist vor allem im Westen stark gegliedert. Buchten dringen weit in das Landesinnere vor und lösen Südirland in verschiedene Halbinseln auf. Längster Fluss ist der in einem tiefen Ästuar an der Westküste mündende Shannon.

Regenreiches Klima:

Die Insel hat ein ausgeglichenes ozeanisches, von Ausläufern des warmen Golfstroms beeinflusstes Klima. Die Sommer sind kühl mit Durchschnittstemperaturen von 15 bis 17 Grad, die Winter mild mit vier bis sechs Grad. Charakteristisch ist die Unbeständigkeit mit häufigem Wetterwechsel. Vorherrschende Westwinde, die sich vor allem im Herbst und Winter im Westen und Nordwesten zu schweren Stürmen auswachsen, bringen der Insel bis zu 250 Regentage mit reichlich Niederschlägen. An der Westküste fallen über 2500 mm pro Jahr, an der Ostküste werden bis 800 mm gemessen.

Bevölkerung:

Irland gehörte lange Zeit zu den klassischen Auswanderungsländern. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts verließen Millionen von Menschen aufgrund der schlechten Lebensbedingungen ihre Heimat und immigrierten vorzugsweise in die USA, nach Kanada, Großbritannien und Australien. Seit Mitte der sechziger Jahre verzeichnet die Einwohnerzahl infolge des hohen Geburtenüberschusses einen leichten Anstieg. Der Altersaufbau weist dadurch einen vergleichsweise hohen Anteil junger Menschen auf; jeder fünfte Ire ist jünger als 15 Jahre.

Die Bevölkerungsdichte nimmt von Osten nach Westen deutlich ab. Rund 60 Prozent der Gesamtbevölkerung leben in Städten; nur die Hauptstadt Dublin und die Stadt Cork haben mehr als 100.000 Einwohner. Die Iren sind überwiegend keltischer Abstammung. Irisch, eine gälische Sprache, ist offiziell erste Amtssprache, obwohl sie im Gegensatz zu Englisch nur von einem Drittel der Bevölkerung, besonders in den als Gaeltacht Areas bekannten Gebieten an der Westküste, gesprochen wird.

Bildung:

Es besteht eine allgemeine Bildungspflicht, keine Schulpflicht, vom 6. bis zum 15. Lebensjahr. Die meisten Schulen werden von privaten Organisationen geleitet, insbesondere von der katholischen Kirche, aber aus öffentlichen Mitteln gefördert und sind daher mehrheitlich kostenlos. Mehr als 50 Prozent der Kinder besuchen ab dem vierten Lebensjahr eine Vorschule; an sie schließt sich die achtjährige Grundschule (Primary School) an. Es folgt die zweigliedrige Sekundarstufe (Secondary School), die nach drei Jahren mit dem sogenannten Junior Certificate beendet oder nach weiteren zwei bis drei Unterrichtsjahren mit der Hochschulberechtigung, dem sogenannten Leaving Certificate, abgeschlossen werden kann. Der Anteil der Bevölkerung mit Hochschulabschluss ist der höchste in ganz Europa.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1937 (zuletzt geändert 2004) ist Irland eine demokratisch-parlamentarische Republik. Der Präsident wird auf sieben Jahre direkt vom Volk gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Er hat im Wesentlichen repräsentative Aufgaben. Das Parlament (Oireachtas) besteht aus zwei Kammern, dem Senat (Seanad Eireann) und dem Repräsentantenhaus (Dáil Eireann). Die 166 Abgeordneten des Dáils werden für eine Legislaturperiode von fünf Jahren gewählt. Der Senat hat 60 Mitglieder. Elf werden vom Premierminister benannt, 43 von einem Wahlgremium bestimmt und sechs von Hochschulen delegiert. Der Premierminister (Taoiseach) wird auf Vorschlag des Repräsentantenhauses vom Präsidenten ernannt.

Die wichtigsten Parteien sind die beiden konservativen Gruppierungen Fianna Fáil ("Schicksalskrieger") und Fine Gael ("Gälische Sippe"); sie sind beide aus der Unabhängigkeitsbewegung hervorgegangen, und ihre politischen Auffassungen unterscheiden sich nur in Nuancen. Fianna Fáil stellte zumeist den Premierminister. Weitere Parteien sind die Labour Party und die Green Party. Das Rechtssystem basiert auf der englischen Rechtsordnung.

Wirtschaft und Verkehr

Als rückständiges Agrarland galt Irland mit seinen niedrigen Löhnen und der hohen Arbeitslosenquote bis in die jüngere Vergangenheit als das Armenhaus Europas. 1973 war das Pro-Kopf-Einkommen das niedrigste in der Europäischen Gemeinschaft. Seit den neunziger Jahren verzeichnet die exportorientierte Wirtschaft jedoch dank erfolgreicher Bemühungen um ausländische Investoren und Fördermittel signifikante Zuwachsraten und weist mittlerweile ein höheres Bruttonationaleinkommen je Einwohner auf als Deutschland. Diese positive Wirtschaftsentwicklung, die auch auf hohen Exportüberschüssen und einem wachsenden Binnenmarkt basiert, hat Irland den Beinamen "Keltischer Tiger" eingebracht.

Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Agrarsektors ist leicht rückläufig. Zwei Drittel der gesamten Fläche Irlands werden landwirtschaftlich genutzt; am wichtigsten sind Rindermast und Milchwirtschaft. Hauptanbauprodukte sind Kartoffeln, Zuckerrüben, Gerste und Weizen.

Da Bodenschätze bis auf geringe Vorkommen an Zink, Kupfer und Bleierzen, Steinkohle und Erdgas weitgehend fehlen, beruhte die Industrie früher vorwiegend auf der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte und auf der Textilindustrie. Der Großteil der industriellen Exporterlöse wird inzwischen jedoch im Maschinenbau sowie mit elektronischen, chemischen und pharmazeutischen Produkten erzielt. Besonders hohe Wachstumsraten verzeichneten die Computerbranche und die Biotechnologie. Der infolge des robusten Wirtschaftswachstums gestiegende Energiebedarf wird überwiegend durch Erdöl, Erdgas und Kohle gedeckt, die zum größten Teil importiert werden müssen. Der Anteil von Torf zur Stromerzeugung wurde aus ökologischen Gründen stark reduziert. Dennoch weist Irland immer noch die höchste Torfabbaurate der Welt auf.

Um mit den wachsenden Anforderungen der Wirtschaft Schritt halten zu können, wird das Verkehrsnetz weiter ausgebaut. Hauptverkehrsträger ist die Straße; das Eisenbahnnetz ist noch recht weitmaschig. Aufgrund der Insellage haben die Seeschifffahrt und der Luftverkehr herausragende Bedeutung.

Geschichte

Kelten, Wikinger und englische Herrschaft:

Im 5./4. Jahrhundert v. Chr. verdrängten einwandernde Kelten (Gälen) die Urbevölkerung. Im 5. Jahrhundert fand durch den Heiligen Patrick das Christentum Eingang in Irland. Um 795 versuchten die Wikinger, sich auf der Insel festzusetzen, doch wurden sie zurückgedrängt und in der Schlacht bei Clontarf 1014 endgültig besiegt. 1171 landete König Heinrich II. in Irland, nachdem er sich vom Papst mit der Insel hatte belehnen lassen. Damit begann die englische Herrschaft über Irland, die zu scharfen Gegensätzen zwischen Iren und Engländern führte. 1541 ließ sich Heinrich VIII. zum König von Irland proklamieren und versuchte, seine in England durchgeführte Kirchenreform auf Irland auszudehnen. Hier stießen er und seine Nachfolger allerdings auf unüberwindlichen Widerstand; zur nationalen Feindschaft trat der konfessionelle Gegensatz.

Nach der Schlacht bei Kinsale 1601, in der die Iren entscheidend besiegt wurden, kam Irland vollständig unter englische Herrschaft. Auch in der Folgezeit kam es zu weiteren Erhebungen, die niedergeschlagen wurden, so 1649 von Oliver Cromwell im Blutbad von Drogheda. Eine Milderung des Drucks und eine gewisse Selbständigkeit (Irisches Parlament 1782) brachten die Unabhängigkeitskriege der englischen Kolonien in Amerika. Doch der Aufstand 1798 auf der irischen Insel veranlasste England wieder zu einer Politik der Gewalt. 1801 wurde Irland mit England zum Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland verbunden.

Durch die Verelendung des Landes und eine schwere Hungersnot setzte um 1850 eine Massenauswanderung in die USA ein. Der liberale englische Premierminister William Gladstone versuchte, einen Ausgleich herbeizuführen. Mit seinen wiederholten Vorlagen im Unterhaus, Irland eine "Selbstregierung" (Home Rule) zu geben, scheiterte Gladstone jedoch. Als 1914 die Home Rule in Kraft treten sollte, brach der Erste Weltkrieg aus.

Die Unabhängigkeit:

1916 kam es in Irland zum bewaffneten Osteraufstand. Nach jahrelangen Kämpfen gab England nach: 1921 wurde Irland nach Abtretung der Provinz Ulster (Nordirland) Freistaat, zunächst noch mit Dominionstatus. Ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Gegnern und Befürwortern des Kompromisses war die Folge. Schließlich setzten sich die gemäßigten Kräfte durch. 1937 trat eine republikanische Verfassung in Kraft, mit der das Amt des Staatspräsidenten geschaffen wurde. Im Zweiten Weltkrieg blieb Irland neutral, da es sich auf den staatlichen Aufbau konzentrierte und die Spannungen mit Großbritannien noch stark nachwirkten. 1949 schied Irland aus dem Commonwealth aus. Der Fianna-Fáil-Gründer Eamon de Valera bekleidete 1932 bis 1948, 1951 bis 1954 und 1957 bis 1959 das Amt des Regierungschefs. 1959 bis 1973 war er außerdem Staatspräsident.

Innenpolitisch vollzog das stark von der katholischen Kirche geprägte Land erst in den neunziger Jahren eine schrittweise Beschränkung des kirchlichen Einflusses: So wurden Empfängnisverhütung und Ehescheidung legalisiert. 1973 trat Irland der Europäischen Gemeinschaft bei und stimmte 1992 für den Maastrichter Vertrag über die Europäische Union. Von Anfang an gehörte Irland auch der Euro-Zone an.

Zum Hauptproblem im Verhältnis mit Großbritannien wurde die Nordirland-Frage. Ein 1985 mit Großbritannien geschlossenes Abkommen sicherte Irland eine begrenzte Mitsprache in nordirischen Angelegenheiten. 1998 konnte das Nordirland-Friedensabkommen unterzeichnet werden, dem die irische Bevölkerung per Referendum zustimmte. Damit gab Irland den Anspruch auf eine Wiedereingliederung Nordirlands auf.

Premierminister war seit 1997 Bertie Ahern (Fianna Fáil), Staatspräsidentin wurde im selben Jahr Mary McAleese (Fianna Fáil). Nach den Wahlen 2007 bildete Ahern eine Koalitionsregierung aus Fianna Fáil, Progressive Democrats und Green Party. Im April 2008 kündigte er aufgrund einer Finanzaffäre überraschend seinen Rücktritt an. Nachfolger wurde der bisherige Finanzminister Brian Cowen. Am 12. Juni 2008 sprach sich die irische Bevölkerung in einem Referendum gegen den EU-Reformvertrag aus (Vertrag von Lissabon).


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