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Trends

ITB-Bilanz: Diese Trends im Reiseverhalten prägen das Jahr 2024

In den vorangegangenen Tagen trafen sich Tourismusdestinationen, Reiseveranstalter, Journalist:innen und viele mehr auf der ITB in Berlin, der größten Tourismusmesse weltweit. Welche Trends im Reiseverhalten 2024 sich jetzt schon abzeichnen.

Datum 08.03.2024

Auf Urlaub wollen die Menschen weiterhin nicht verzichten, das zeigen Umfragen und Buchungszahlen deutlich. Doch wohin reisen die Menschen in diesem Jahr – und wie? Was ist ihnen dabei wichtig? Und folgt nun auf die Flugscham der Zugstolz? Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin haben sich auch dieses Jahr wieder deutliche Trends herauskristallisiert. 

Fünf Trends zu unserem Urlaubsverhalten – jetzt und in Zukunft.

1

Struktur und Planung sind gefragt: Immer mehr Frühbucher:innen

Das beste Hotel, die beste Flugzeit – und der beste Preis? Wer früh bucht, kann beim Angebot aus dem Vollen schöpfen. Und Frühbucher-Rabatte der Veranstalter versprechen günstigere Preise, obgleich die tatsächliche Ersparnis oft schwer zu ermitteln ist. Dennoch: Gerade für an Ferienzeiten gebundene Familien mit Kindern spricht vieles fürs frühe Buchen. Und nicht nur diese Zielgruppe setzt darauf.

Große Veranstalter berichten von hohen Zuwächsen bei den Frühbucher-Zahlen – und dass die Mehrheit der Reisenden mit mehreren Monaten Vorlauf bucht. Dazu tragen flexible Tarife bei, die gegen Aufpreis kurzfristige, kostenfreie Stornierungen oder Umbuchungen erlauben.

Neben dem Geldsparen, das durch die Frühbucher-Rabatte versprochen wird, sieht der Tourismusforscher Martin Lohmann in einem gewissen Sicherheitsdenken einen weiteren Grund für den Trend zum Frühbuchen: „Man will ganz sicher haben, dass dieses Erlebnis auch stattfindet“, sagt er.

Zudem sieht er das Frühbuchen auch in einem gesamtgesellschaftlichen Prozess – weg von der Spontanität, hin zu mehr Planung: „Konzerte, Restaurants, Museumsbesuche, alles wird vorher gebucht, reserviert und gegebenenfalls wieder storniert.“ Für Reisen gilt das eben auch.

2

Nein zum Verzicht: Urlaubsreisen klettern 2024 wohl auf Vor-Corona-Niveau

Vieles wird teurer, das gilt auch für den Urlaub. Doch verzichten wollen die Deutschen darauf nicht. Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) erwartet für 2024 eine ähnlich hohe Zahl an Urlaubsreisen wie 2019, also vor der Corona-Pandemie. Sie geht von um die 70 Millionen Urlaubsreisen von fünf Tagen oder mehr aus.

Martin Lohmann ist wissenschaftlicher Berater der FUR und sagt zum konstanten Reiseverhalten der Menschen: „Urlaubsreisen sind uns wichtig und gleichzeitig sind sie eine liebgewonnene Gewohnheit. Das aufzugeben, kommt für die meisten gar nicht infrage.“ Das zeigt sich auch an diesem Befund: Bei den Prioritäten im Konsumverhalten stehen Urlaubsreisen laut FUR an zweiter Stelle hinter Lebensmitteln, aber noch vor Wohnen, Gesundheit und Freizeit.

3

ITB zeigt: Das sind die Top-Reiseziele der Deutschen 2024

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Das Nummer-Eins-Reiseziel bei Deutschen ist nach wie vor die eigene Heimat.

Deutschland werde bei den Urlaubsreisezielen 2024 wieder den ersten Platz einnehmen, so Lohmann. Es folgen Spanien, Italien, die Türkei und Österreich. Kroatien und Griechenland spielen ebenfalls vorn mit. Trotz des stabilen Gesamtbilds zeigt sich in den Daten auch, dass viele Menschen beim Reiseziel neugierig und flexibel sind. Lohmann: „Knapp 40 Prozent der Urlauber suchen jedes Jahr ein Ziel, wo sie noch nie gewesen sind.“

Der Deutsche Reiseverband (DRV) erwartet einen Zuwachs bei Fernreisen, etwa in die USA, nach Thailand oder Australien – bei der Zahl der Reisenden und beim Umsatz.

4

Die Wahl des Verkehrsmittels: Zug statt Flugzeug?

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Immer mehr Menschen können sich vorstellen, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen – in die Tat setzen es aber noch wenige um.

Für das schlechte Gewissen wegen der Klimabelastung durchs Fliegen gibt es schon seit einigen Jahren ein griffiges Schlagwort: die Flugscham.

Tatsächlich wächst laut einer FUR-Umfrage der Anteil von Flugreisenden, die von einem solchen schlechten Gewissen berichten: Die Hälfte (50 Prozent) gab an, so zu empfinden. 2019 waren es nur 41 Prozent. Flugscham gibt es demnach in allen Alters-, Einkommens- und Bildungsgruppen. Zur Wahrheit gehört aber auch: „Es gibt immer noch auch viele, denen das nicht an die Nieren geht“, sagt Forscher Lohmann.

Als eine umweltfreundliche Alternative zu Flügen gelten Züge, wobei Reisende hier gerade auf längeren Strecken ein viel höheres Zeitbudget mitbringen müssen. Und im Vergleich zum Flugticket kostet es oftmals auch mehr Geld, gerade wenn man komfortabel in erster Klasse oder im Schlafabteil reisen will.

Doch all das trägt dazu bei, dass man dann – für diesen Mehraufwand im Sinne der Umwelt – einen gewissen Zugstolz empfinden könnte. Den man gern nach außen trägt, während manche:r seine Flugreise aus Scham vielleicht eher verschweigt.

Zugstolz habe er zwar schon persönlich beobachtet, in Befragungen erforscht sei es im Gegensatz zur Flugscham jedoch nicht, ordnet Martin Lohmann ein. „Am Gefühl, dass man Gutes tut, wenn man mit dem Zug nach Rom oder Stockholm reist, kann schon etwas dran sein.“ Allerdings sei es kein gesellschaftlich verbreitetes Phänomen. Dafür sei der Anteil der Bahnreisen an den Urlaubsreisen auch einfach zu klein.

5

Nachhaltig reisen: Interesse ist da, Angebot muss noch steigen

Nachhaltigkeit an sich ist für viele Reisende ein Thema. Das legte jüngst eine Kantar-Umfrage im Auftrag von Holidaycheck unter 16- bis 69-Jährigen nahe. Verglichen mit dem Reiseverhalten in den letzten Jahren gaben 45 Prozent dieser Befragten an, nun mehr Wert auf die Nachhaltigkeit eines Reiseortes zu legen. Mit 41 Prozent fast ebenso hoch war der Anteil derer, die dasselbe in Bezug auf das Transportmittel sagten.

Zugleich sei der Anteil an Auslandsreisen und insbesondere an Flugreisen so hoch wie nie zuvor, hielt der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) in einer Mitteilung fest. „Unsere Branche hat noch viele Hausaufgaben in puncto nachhaltig buchbaren Angeboten zu machen“, ließ VIR-Vorstand Michael Buller wissen. Man dürfe da nicht auf die Nachfrage warten.

Am Willen der Menschen mangelt es laut der Kantar-Umfrage zumindest nicht: Für 27 Prozent kommt es demnach in Zukunft „ganz sicher“ infrage, auf Flugreisen zu verzichten oder das Flugzeug durch andere Verkehrsmittel zu ersetzen, für 32 Prozent und damit knapp ein Drittel ist das zumindest tendenziell denkbar.

Und: Mit 45 Prozent wären fast die Hälfte der Befragten bereit, für nachhaltig gestaltete Reisen mehr Geld auszugeben. Bei den Jüngeren war die Bereitschaft dabei ausgeprägter als bei den Älteren. Viele geben aber an, sich schlecht über nachhaltige Reiseoptionen informiert zu fühlen.

-Tom Nebe, dpa