Leipzig Heute gibt´s Feinkost

Konserven und Suppen – dafür ist die VEB Feinkost zu DDR-Zeiten bekannt. Nach der Wende ziehen Ateliers und Läden ein. Künstler und Handwerker verhindern den Abriss. Mit ihrer Genossenschaft »Feinkost eG« setzen sie ein Zeichen – für mehr Freiraum und weniger Mainstream.
Früher volkseigener Betrieb, heute Heimat kreativer Macher: die Feinkost in Leipzig,

Ausgerechnet Erich Honecker bringt Mitte der 1970er Jahre Licht und Farbe in den Leipziger Süden – wenn auch nur in Form einer Leuchtreklame mit Bewegungseffekten, die für die Produkte der VEB Feinkost wirbt. Vater, Mutter und zwei Kinder löffeln dort bis heute auf der zwölf mal sieben Meter großen Tafel blinkend ihre Teller leer, darunter preist eine Leuchtschrift »Obst- und Gemüsekonserven, tischfertige Gerichte und doppelt konzentrierte Suppen« an. Nach der Wende verfällt die Anlage – wie das gesamte VEB-Gelände. Für den Erhalt der Werbetafel (die inzwischen unter Denkmalschutz steht) gründet sich eine Bürgerinitiative, in die Gebäude ziehen Künstler und Handwerker ein. Dass sie heute noch da sind, ist ein Glücksfall – und ein Paradebeispiel für Bürgerengagement. Denn Anfang der 2000er kommen Abrisspläne auf, man plant, das VEB-Gelände mit einem Einkaufszentrum zu bebauen. Um das zu verhindern, gründet sich eine Genossenschaft. Nach langem Hin und Her baut ein Discounter auf einem Teil der Fläche, das Gros des Areals aber ist immer noch genossenschaftlich verwaltet und bietet Raum für unkonventionelle Geschäfte und Lebensentwürfe.

Gute-Laune-Mode bei Mrs. Hippie. 1995 zog der Laden in die alte Lehrlingswerkstatt des Feinkostgeländes in Leipzig.
Wer den Innenhof der Feinkost-Genossenschaft betritt, sieht Wände, die mit Graffiti und Street-Art übersät sind, überall stehen Blumenkästen und hängen Wimpelgirlanden. Zu einem der Pioniere in der »Feinkost« gehört das Modegeschäft »Mrs. Hippie« (das mittlerweile auch Filialen in Dresden, Erfurt und Magdeburg hat, siehe Foto rechts), auch für Spielzeug, Bücher oder Upcycling-Mobiliar ist die alte Fabrik eine gute Adresse – und ebenso für ein Bier im Freien direkt unter der Löffelfamilie. Tatsächlich hat das Bier hier sogar eine längere Geschichte als die Suppen: 1852 wird das Areal von einer Brauerei erschlossen. Damals liegt es inmitten von Gärten, doch die Stadt wächst schnell. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wird die Produktion eingestellt. Stattdessen fertigt man hier nun Marmeladen, Essig und Fruchtsäfte.

Im Zweiten Weltkrieg schlagen Bomben ein, einige Bauten brennen ab, andere erhalten ein Notdach. Zu DDR-Zeiten schließlich entsteht die VEB Feinkost, die vor allem Konserven mit eingekochtem Gemüse produziert. Bei einer Führung durch die Keller des Geländes sieht man noch die Reste der alten Anlagen, aber auch die Orte, an denen einst die Bierfässer standen.

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