Umbrien & Marken Die schönsten Blumenwiesen Italiens

Im Grenzgebiet zwischen Umbrien und Marken trieben den alten Sagen zufolge Feen, Dämonen und Hexen ihr Unwesen. Heute finden Wanderer ihr Glück im Nationalpark Monti Sibillini in einer märchenhaften Welt aus kahlen Buckelbergen und weiten Hochebenen, die von einem grünen Schleier überzogen zu sein scheinen. Und die sich im Frühsommer, zur Blütezeit, in die prächtigsten, buntesten Blumenwiesen des Landes verwandeln.

Im Juni verwandelt sich die Hochebene von Castelluccio in ein Blumenmeer.

Frei lebende Pferde auf dem Pian Grande von Castelluccio.
Es ist eine im wahrsten Sinne des Wortes sagenhafte Welt, die sich im Norden des glatt geschliffenen Gipfels des Monte Vettore auftut: eine wilde, unberührte Berglandschaft aus ausgedehnten Hochebenen, rauen Gipfeln und tiefen Schluchten, die Namen tragen wie »Feen-Grotte«, »Höllenklamm« und »Teufelsspitze«. Es ist die Welt des Nationalparks Monti Sibillini.

Fakten
  • Gründungsjahr: 1993
  • Fläche: 71.437 Hektar
  • Lage: im Grenzgebiet von Umbrien und Marken
  • Höhe: 400 – 2.476 m
  • Aktivitäten: Wandern, Mountainbiken
  • Besucherzentren: Nach dem Erdbeben von 2016 sind nur die Besucherzentren von Amandola, Cessapalombo, Montemoncao, Preci und Visso in Betrieb. Provisorische Info-Zentren gibt es außerdem in Fiastra, Montefortino und Valfornace
In einer der Karstgrotten lebte der Mythologie zufolge die apenninische Sibylle, die den Menschen die Zukunft vorhersagte. Und im tiefgrünen Bergsee Lago di Pilato soll einst der Leichnam von Pontius Pilatus versenkt worden sein. Gefunden wurde er nie, dafür aber eine primitive kleine Süßwasserkrabbe, Chirocephalus marchesoni, die auf der ganzen Welt nur hier vorkommt. Andere seltsame Naturerscheinungen haben wissenschaftliche Erklärungen: Der 15 Kilometer lange Riss, der sich über die Flanke des Monte Vettore und die Nachbarberge zieht, ist die Folge des verheerenden Erdbebens, das 2016 die Region erschütterte und viele Ortschaften im Parkgebiet zerstörte.

Nichts konnte das Erdbeben dagegen der sogenannten Fioritura anhaben: Auf der Hochebene von Ragnolo blühen im Frühling die herrlichsten Orchideen, Lilien und Narzissen. Und zwischen Ende Mai und Anfang Juli verwandelt sich die Hochebene von Castelluccio di Norcia in einen Teppich aus blauen Kornblumen, gelbem Raps und rotem Mohn. Auch Linsen werden auf dem berühmten Hochplateau angebaut – biologisch. Feinschmecker wissen: Die besten Linsen Italiens – klein, fein und aromatisch – kommen von hier. Sie sind so zart, dass sie vor dem Kochen nicht eingeweicht werden müssen.

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