Sardinien Von der Sträflingsinsel zum Eselparadies

Wer heute voller Vorfreude über das smaragdgrüne Wasser nach Asinara übersetzt, kann sich kaum vorstellen, mit welchen Gefühlen frühere Fahrgäste anreisten. Denn bevor sie Nationalpark wurde, wurden auf der 30 Kilometer langen Insel Kriegsgefangene und Sträflinge eingesperrt. Heute ist Asinara eine macchiaduftende Oase voller endemischer Pflanzen und Tiere.

Asinaras Esel sind weiß. Und haben blaue Augen (Sardinien).

Knapp über der nordsardischen Halbinsel Stintino sitzt Asinara im Meer, die Eselinsel. Es ist ein wildes, karges Stück Land. Dichte Macchia überzieht seine Bergrücken, Felskliffs fallen steil zu türkisblau leuchtenden Buchten ab; nur ab und zu spendet eine Steineiche etwas Schatten. In ihm stehen stoisch und bewegungslos die blauäugigen, weißen Esel, die Asinara vielleicht – niemand weiß es genau – ihren Namen gegeben haben. Warum sie weiß sind und nicht grau wie ihre Artgenossen, weiß keiner so genau. 

Fakten
  • Gründungsjahr: 2003
  • Fläche: 5.200 Hektar
  • Lage: vor der sardischen Nordwestküste
  • Höhe: 0 – 408 m
  • Aktivitäten: Wandern, Radfahren, Reiten, geführte Tauchexpeditionen und Bootsfahrten im eigenen Meeresschutzgebiet
  • Besucherzentren: Fornelli, Cala Reale, Cala d’Oliva
  • Anfahrt: mit der Fähre ab Stintino und Porto Torres
Ansonsten ist die Insel praktisch unbewohnt, seit Ende des 19. Jhs. der Staat hier eine Quarantäne-Station, ein Straflager und später ein Hochsicherheitsgefängnis einrichtete – die Gebäude, leuchtend weiß gekalkt und mit in hübschem Meerblau lackierten Gittern, verteilen sich über die ganze Insel. Niemand durfte Asinara betreten, auf der die ganz harten Fälle der Strafjustiz eingesperrt wurden, Terroristen der Brigate Rosse und berüchtigte Mafiosi wie Toto Riina. Seit 1999 ist das sardische Alcatraz geschlossen; vier Jahre später wurde die Insel zum Nationalpark erklärt. Nun wird hier die Natur bewacht. Weil sich auf Asinara über ein knappes Jahrhundert hinweg kaum Menschen bewegt haben, sind Flora und Fauna unberührt und von reizvoller Vielfalt. Baum-Wolfsmilch, Dornige Flockenblume, Italienische Erzschleiche, Sardinischer Hase und Karettschildkröte? Sind alle hier zu Hause. Auch zu ihrem Schutze dürfen Besucher keine Autos mitnehmen. Doch zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf dem Pferderücken macht die Insel ohnehin mehr Spaß. 

Was die Insel so speziell macht? Dass hier kaum Menschen leben – die sardische Insel Asinara.
Unser Tipp: Schauen Sie nach einer Erkundungstour auf einen Krankenbesuch bei den Schildkröten vorbei. Denn Schildkröten nisten nicht nur auf Asinara, sie werden auch gesund gepflegt, wenn es ihnen nicht gut geht: Im Osservatorio del Mare in Cala Reale nahe des Fähranlegers ist eine Schildkrötenklinik aktiv. In den Sommermonaten darf man die Patienten besuchen und erfährt nebenbei viel über das marine Tierleben.

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