Piemont Wildnis in höchster Konzentration

Nur einen Katzensprung von Palmen und Cafés des Lago Maggiore entfernt liegt eine der ursprünglichsten und ausgedehntesten Wilderness-Regionen ganz Europas. In den menschenleeren Kastanien- und Buchenwäldern, auf den einsamen Almen und windverblasenen Gebirgsgraten des Nationalparks Val Grande ist der Wanderer auf sich gestellt. Nicht einmal Handys funktionieren. Und das ist gut so.

Frei lebende Pferde im Valle Intrasca, im Nordosten des Nationalparks Val Grande

Wilde Bäche durchziehen das Val Grande
Der Kontrast könnte größer kaum sein: Hier gluckern im Schatten subtropischer Palmen sanft die Wellen an das Ufer des Lago Maggiore, und zwischen Eisdielen und Belle-Époque-Hotels weht mediterrane Lebensfreude. Und da, nur wenige Kilometer landeinwärts, breitet sich mit dem Val Grande eine der ursprünglichsten und einsamsten Naturlandschaften ganz Europas aus – so unberührt, dass Italien sie zur »Wilderness Area« erklärt hat, zu echter Wildnis, wie sie sonst mitten in Europa praktisch nicht mehr vorkommt.

Fakten
  • Gründungsjahr: 1992
  • Fläche: 14.598 Hektar
  • Lage: am Westufer des Lago Maggiore, zwischen dem Fluss Toce und dem Vigezzo-Tal
  • Höhe: 226 – 2.300 m
  • Aktivitäten: Wandern und Schneeschuhwandern, auch im Rahmen geführter Touren durch speziell geschulte Val-Gande-Guides
  • Besucherzentren: Vogogna, Cossogno, Premosello-Chiovenda, Santa Maria Maggiore, Intragna, Malesco, Verbania
Bis in die 1950er-Jahren hatten wenigstens noch Schäfer in der sonst unbesiedelten Bergregion zwischen dem Westufer des Lago Maggiore und dem Städtchen Domodossola gelebt. Doch als auch sie die steilen, rauen Bergtäler verließen, eroberte sich die Natur alles zurück. Nur noch in drei Weilern leben heute Menschen; das Dörfchen Cicogna mit seinen 21 Bewohnern gilt als »Hauptstadt« des Parks. Doch wer die Augen offen hält, entdeckt überall Spuren der früheren Bergbewohner und ihres harten Alltags: terrassierte Flächen, Trockenmäuerchen, Verbindungswege. Dazu erwarten den Besucher große Stille, schwarze Nächte und eine Welt ohne Menschen und Handynetz. Nur für Fortgeschrittene.

Übrigens: Ohne die Wälder des Val Grande hätte der Dom von Mailand kaum gebaut werden können! Seine Baumstämme dienten dem Transport der Marmorblöcke aus dem Steinbruch von Candoglia, und in Mailand selbst wurden sie zu Baugerüsten verarbeitet. Der Steinbruch kann besichtigt werden.

 

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