Apulien Wo einst die Staufer Falken jagten

In Sichtweite der Adriaküste hat sich eine der letzten Steppenlandschaften des Mittelmeers erhalten – wild, weit und wasserarm. Mit ihr haben die architektonischen Zeugnisse einer uralten bäuerlichen Kultur überlebt, in der Menschen ihrer steinigen Heimat abrangen, was sie zum Leben benötigten. Kulturelles Highlight im Nationalpark Alta Murgia in Apulien: das Schloss Castel del Monte des Stauferkönigs Friedrich II., der hier auf Raubvogeljagd ging.

Klassisches Apulien: Klatschmohn, Olivenbäume und Trockenmauern

Fakten
  • Gründungsjahr: 2004
  • Fläche: 68.077 Hektar
  • Lage: oberhalb der apulischen Adriaküste, zwischen Andria und Bari
  • Höhe: 340 – 679 m
  • Aktivitäten: Wandern, Mountainbiken auf markierten Wegen, agroarchäologische Führungen
  • Besucherzentrum: Agro di Ruvo di Puglia
Faszinierend wie eine Mondlandschaft wirkt die Alta Murgia, eine lange und nahezu baumlose Hochebene im apulischen Binnenland. Unter einem weit gespannten Himmel und dem starken Licht des Südens erstreckt sich kilometerweit flache Erde. Sanft ondulierte Korn- und Haferfelder, die die Sonne dunkelgold gebrannt hat. Krautige Wiesen. Zwischendrin immer mal wieder ein paar verkrustete Felsbuckel, unvermutete Schluchten und Dolinen. Das ganze Hochplateau besteht aus verkarstetem Kalkstein und ist eine der letzten Steppen und Pseudosteppen-Areale des Mittelmeerraums. Doch seiner augenscheinlichen Kargheit zum Trotze blüht und gedeiht es im Parkgebiet, dass es eine Freude ist: Rund 1.500 Wildpflanzenarten sind hier zu Hause, darunter endemische Raritäten wie die Stipa austrolitalia, eine Grasart, die wie silbriges Feenhaar durch die Sommerbrise weht. 

Bei Dorado in Apulien liegt die Kapelle San Magno.
Die Besiedlung ist spärlich, doch wer genau hinsieht, entdeckt überall Spuren uralter, bäuerlicher Urbarmachung: Aus mühsam aus der Erde geklaubten Steinen errichteten die Menschen kilometerlange Trockenmauern, die das Land wie schief genähte Reißverschlüsse durchziehen. Sie konstruierten Poste, Unterstände für das Vieh, und Jazzi, Schafställe. 

Doch am eindrucksvollsten bleibt Castel del Monte anzusehen, die 800 Jahre alte, achteckige Stauferburg, welche die Natur der Alta Murgia krönt und in ihrer archaischen Schlichtheit zugleich perfekt verkörpert. Deutlich älter und mindestens 130.000 Jahre alt soll das Skelett des Mannes sein, das 1993 zufällig in einer der zahlreichen Karsthöhlen von Altamura gefunden wurde – eine Sensation. Bis heute befinden sich die Knochen in dem weitläufigen Höhlensystem weit weg vom Eingang und sind stark von Tropfsteinen überwuchert. Die Höhle ist für Besucher gesperrt. Die Geschichte seines Fundes erzählt das Museum »Uomo di Altamura« an vier verschiedenen Stätten.

Anzeige