Kulturreise Die besten Kultur-Tipps auf Sizilien

Die Normannen schlugen die Araber – und erkannten ihre Talente. Gemeinsam bauten sie Palermos Schätze.
Sizilien

Die Eroberer kamen mit einer guten Strategie: Im 11. Jahrhundert lieferten sich die Normannen mit den über Sizilien herrschenden Arabern diverse Scharmützel. 1091 nahmen sie dann als letzte Stadt Noto ein, Palermo war da bereits fast 20 Jahre in ihrer Macht. Statt aber die unterlegenen Gegner zu demütigen, beteiligten die Normannen sie an der Macht und wussten ihre Stärken zu schätzen – etwa in der Baukunst. Die neuen Herrscher rissen viele der prunkvollen arabischen Gebäude nicht ab, gestalteten sie aber um. So entstand gerade in Palermo eine einzigartige Architektur: der arabisch-normannische Stil. Ein Ensemble aus zwei Schlössern, sechs Kirchen und einer Brücke kürte die UNESCO 2015 zum Welterbe.

Architektur: Besonders sehenswert

 Die Kathedrale von Palermo, auch „Normannendom“. Ab dem 6. Jahrhundert stand hier eine frühchristliche Basilika, im 9. Jahrhundert wurde sie von den Arabern zur Moschee umgewandelt, die Normannen weihten sie wieder zur christlichen Kirche. Die arabischen Elemente ließen sie bestehen, bis 1169 ein Erdbeben die Kathedrale beschädigte. Im arabisch-normannischen Stil wurde sie neu aufgebaut: Achten Sie auf die gebogenen Zinnenfriese unter den Majolika-Kuppeln an den Wänden und die Kreuzbogenfriese und kleinen Säulen an den Außenmauern der Apsiden.

Adresse: Kathedrale Via Vittorio Emanuele

Der Normannenpalast wurde von den Arabern als Festung gebaut und unter Normannenkönig Roger I. zum Palast umgestaltet. Ein Teil des Palazzo dei Normanni dient heute als Sitz des Parlaments und ist nur im Rahmen von Führungen zugänglich. Höhepunkt ist die 1140 geweihte Cappella Palatina: Das Gebäude selbst ähnelt einer westlichen Basilika, die Ausstattung in seinem Innern aber – Mosaike, Holzdecke sowie Marmorkanzel und -kandelaber – ist ein besonders prächtiges Beispiel arabisch-normannischer Kunst.

Adresse: Normannenpalast und Cappella Palatina Piazza Indipendenza

San Giovanni degli Eremiti: Vermutlich stand hier einst eine Moschee, aber auch die 1143 fertiggestellte Kirche samt Kloster hat eine Vielzahl arabischer Elemente – neben den roten Kuppeln und eckigen Türmen vor allem im Innenhof samt Kreuzgang und arabischem Brunnen.

Adresse: S. Giovanni degli Eremiti Via dei Benedettini 18 

Moderne Kunst

Im Kloster: Bilder und Skulpturen der letzten 150 Jahre in einem Kloster aus dem 15. Jahrhundert: Die Galleria d’Arte Moderna zeigt Künstler der Insel, darunter der Landschaftsmaler Francesco Lojacono. Adresse und Infos: Via Sant’Anna 21, www.gampalermo.it

Im Haus: des Barons Im 18. Jahrhundert trafen sich liberale Aristokraten im Haus des Barons Riso, heute zeigt dort das Museo d’Arte Contemporanea della Sicilia sizilianische Künstler wie den international bekannten Francesco Simeti. Adresse und Infos: Via Vittorio Emanuele 365, www.poloartecontemporanea.it

Im Palazzo: Jährliche Wechselausstellungen internationaler Künstler zeigt die Galleria Francesco Pantaleone Arte Contemporanea in den prächtigen Räumen des Palazzo di Napoli von 1625. Adresse und Infos: Via Vittorio Emanuele 303, www.fpac.it

Opernhaus

Eine Frage der Ehre: Fast ein Vierteljahrhundert war die mächtige Eingangstür von Italiens größtem Opernhaus (1300 Sitzplätze), dem Teatro Massimo, verschlossen. Mafiöse Baufirmen hatten die Renovierung des Treppenhauses und des Saals in die Länge gezogen. Dass es 1997 zu seinem 100. Jubiläum endlich wiedereröffnet wurde, galt als Sieg der Stadt und ihrer Bewohner im Kampf gegen die Mafia. Das Teatro Massimo wurde zum Symbol für die Wiedergeburt Palermos. Heute gilt das neoklassizistische Opernhaus als eines der prächtigsten Europas, neben Opern werden auch Konzerte und Ballette aufgeführt. Und zwar nicht nur im gold-plüschigen Saal selbst: Intendant Francesco Giambrone hat es sich zum Ziel gesetzt, gerade auch die ärmeren Einwohner Palermos zu erreichen. Früh schon konnten die Aufführungen per Live-Streaming mitverfolgt werden, im Sommer werden sie sogar auf eine große Leinwand draußen auf der Piazza übertragen. Der Sitzplatz in diesem Open- Air-Theater kostet einen Euro. Die Ehre sei nur ein Wort, wettert Falstaff in der gleichnamigen Oper von Giuseppe Verdi – mit diesem Stück war das Teatro Massimo 1897 eingeweiht worden. Gerade hier jedoch beweist das Ensemble täglich das Gegenteil: Mit dieser Kulturinstitution hat sich Palermo seine Ehre zurückgeholt.

Adresse und Infos: Piazza Verdi, www.teatromassimo.it