Stadtspaziergang Mannheimer Architektur: Die Mischung macht’s

Mannheims Bebauung ist so heterogen wie seine Bevölkerung, die Stadt gibt ein spannendes Bild ab. Sechs Bauten, sechs Stile, moderne Architekturwunder.
Einkaufszentrum Q6Q7

Mannheims beeindruckende Bauwerke im Überblick:

  • der Victoria-Turm
  • das Stadtquartier Q6/Q7
  • die Christuskirche
  • das Herschelbad
  • das Collini-Center
  • die Multihalle

Fährt man mit dem Zug in Mannheim ein, fällt als erstes dieser schmale Glas-Riese gleich neben dem Bahnhof auf, der wie ein Schwert in den Himmel ragt. Es handelt sich um den etwa 97 Meter hohen Victoria-Turm, der gewissermaßen ein Sinnbild für die Stadt ist: Erst bei näherem Hinsehen erkennt man, wie hier verschiedene Formen ineinandergreifen. Von anderer Seite betrachtet wirkt der Turm dann nämlich breit, sein Grundriss ist eine lang gezogene Raute. An den spitz zulaufenden Seiten liegen die verglasten Treppenhäuser, die nachts beleuchtet werden – ein kleines Architekturspektakel. Mannheims Bebauung ist ein bemerkenswerter Stilmix, nicht alles ist hübsch, aber das Gesamtbild äußerst spannend. Um gleich mal einen Eindruck von der Bandbreite zu bekommen: Beginnen Sie am Stadtquartier Q6/Q7 (Foto). Das Einkaufszentrum erstreckt sich über zwei der Innenstadtquadrate, die durch eine röhrenförmige Glasbrücke miteinander verbunden sind. Mit seinen gewundenen Passagen und Lichtkuppeln, die Tageslicht in die tieferen Etagen lenken, gilt der Komplex als kleines modernes Architekturwunder.

Von dort haben Sie es nicht weit zu zwei Vorkriegsrelikten. Mannheim war 1945 gut zur Hälfte zerstört, stehen blieben die Christuskirche am Werderplatz, erbaut 1907- 1911 aus gelbem Sandstein im barockisierenden Jugendstil, und ein Juwel der Bäderarchitektur: das Herschelbad (U3, 1). Es ist Mannheims ältestes Hallenbad und war bei seiner Eröffnung 1920 das größte Deutschlands. Die Außenfassade ist strenger Neobarock, innen hat man sich an antiken Bädern orientiert und ein Juwel aus Jugendstil und Neoklassizismus geschaffen. Ausgerechnet eine Bundesgartenschau war der Anlass für den brutalistischen Bau am anderen Neckarufer: das Collini-Center, Mannheims zweithöchstes Gebäude. Man wollte 1975 zur Buga eine Erlebniswelt schaffen, ein Gebäude mit Wohnungen, Büros und Läden, einen Kontrast zur Altstadt. Heraus kam ein massiger Betonklotz, einst verpönt, heute fast schon wieder en vogue. Ganz anders die Multihalle, die auch zur Buga entstand. Mit ihrer freitragenden Holzgitter-Schalenkonstruktion, bis heute die größte der Welt, schmiegt sie sich in den Herzogenriedpark und ist ein Paradebeispiel organischer Architektur. Und die Aussichten sind gut: Die nächste Buga findet 2023 statt.

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