Wanderungen Auf den Spuren von Fontane

Großartig beschrieben hat Theodor Fontane so viele Orte in Brandenburg, dass man sie kaum alle besuchen kann. Viele Schauplätze seiner Bücher bieten heute Rundwege, Führungen und kleine Museen. Unsere Auswahl für Fontane-Fans.

Der Blick auf die Klosterkirche St. Trinitatis in Neuruppin.
  1. Neuruppin
  2. Wustrau
  3. Schloss Rheinsberg
  4. Großer Stechlinsee
  5. Schloss Ribbeck
  6. Bad Freienwalde
  7. Letschin
  8. Literatur

Neuruppin
In seiner Geburtsstadt kommt man an Fontane nicht vorbei. Auf dem Fontaneplatz im Zentrum sitzt er, das rechte Bein über das linke geschlagen, ein Notizbuch in der Hand. Enthüllt wurde das Bronze-Denkmal des Künstlers Max Wiese bereits 1907, Modell saß Fontanes Sohn Friedrich. Von dort läuft man zehn Minuten durch die zentrale Karl-Marx-Straße zur Löwenapotheke. Die betrieb einst Fontanes Vater, im Stockwerk darüber wohnte die Familie. Das Haus ist nur von außen zu besichtigen. Aber zweimal um die Ecke, im Museum Neuruppin, ist der Schriftsteller sehr präsent. 20 Hörstationen im ganzen Haus geben Fontanes Schilderungen über seine Heimatstadt, seine Zeitgenossen und sogar über die damalige Sammlung des Museums wieder. Alle zwei Jahre werden in Neuruppin die Fontane-Festspiele ausgerichtet – mit Konzerten, Lesungen, Theateraufführungen und der Fontane-Film-Lounge. Auf der anderen Seite des Ruppiner Sees liegt Wuthenow, das Dorf, in dem Fontane das Schloss aus seiner Erzählung Schach von Wuthenow angesiedelt hat. Ein Schloss gab es dort zwar nie, dafür ein Kossätenhaus, das einst gut gestellten Bauern gehörte und heute an Feriengäste vermietet wird. Im Jahr 2007 eröffnete an der Promenade am Ruppiner See die Fontane-Therme mit dem sehr guten Restaurant Seewirtschaft. Ein schöner Ort, um den Blick auf Fontanes Heimatsee zu genießen. Nicht weit davon entfernt steht die Klosterkirche St. Trinitatis (siehe oben). Es ist die größte Kirche der Stadt Neuruppin und bestand schon zur Lebzeit Fontanes.

Verewigt: das bronzene Fontane-Denkmal in Neuruppin.
Wustrau
Das kleine Dorf am Südende des Ruppiner Sees war die erste Station Fontanes auf seinen Wanderungen durch die Mark. Er besuchte dort das Ende des 18. Jahrhunderts erbaute Herrenhaus der Familie von Zieten. Heute ist das Schloss Tagungsstätte der Deutschen Richterakademie. Als Ideal einer Dorfkirche beschrieb Fontane damals das Gotteshaus, das heute noch an Ort und Stelle steht. Gleich um die Ecke liegt das ehemalige Kulturzentrum und heutige Café Constance. Dort kann man auf der Hofterrasse die selbst gemachten Torten genießen. Anschließend lohnt sich ein Spatziergang entlang des Ruppiner Sees. Man braucht nur der Straße zu folgen, schon gelangt man zur historischen Postmeilensäule. Sie steht an einer Gabelung und ist ein Relikt aus Fontanes Zeiten. 

Schloss Rheinsberg
Auch das am Grienericksee gelegene Schloss spielt eine Rolle in Fontanes Wanderungen. Er begab sich dort auf die Spuren Friedrichs II., der – damals noch Kronprinz – rund vier Jahre im Schloss wohnte. Fontanes Eindrücke untermalen heute die Schlossführung. Dank umfangreicher Sanierung sehen Teile der Räume wieder aus wie zu friderizianischer Zeit. Kurt Tucholsky, der Fontane 1919 zu seinem 100. Geburtstag als gewiegtesten Techniker der deutschen Literatur würdigte, hat Rheinsberg selbst auch ein literarisches Denkmal gesetzt: mit der Erzählung Ein Bilderbuch für Verliebte. Aus dem Leben des Journalisten und Schriftstellers erzählt das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum im Schloss.

Großer Stechlinsee
Der Stechlin, das ist in Fontanes letztem Roman nicht nur dieser See, sondern auch seine Hauptfigur Dubslav von Stechlin. Der lebt in einem Schloss am Großen See im fiktiven Ort Stechlin, der das reale Neuglobsow beschreibt. Die Stille am See hatte Fontane schon in seinen Wanderungen beschrieben. Deutschlands größter Klarwassersee steht seit 1938 unter Naturschutz, Motorboote sind dort nur mit Sondererlaubnis unterwegs. Der Rundweg um den Stechlin ist rund 14 Kilometer lang, die Wanderung dauert ca. vier Stunden. Im Ort Stechlin, rund fünf Kilometer südlich des Sees, gibt es im schönen Café Bric à Brac hausgemachten Kuchen und Quiche Lorraine.

Schloss Ribbeck
Ein Birnbaum im Garten von Schloss Ribbeck wurde berühmt durch Fontanes Gedicht Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Der angebliche Original-Birnbaum fiel 1911 einem Sturm zum Opfer, sein Stumpf wird heute in der Dorfkirche von Ribbeck aufbewahrt. Das Schloss hat sich verändert, wie es zu Fontanes Zeiten aussah, zeigt das hauseigene Museum. Wer anschließend Lust auf hausgebackenen Birnenkuchen hat, wird im nahegelegenen Café Theodor herzlich bedient.

Relikt aus Fontanes Zeiten: die Postmeilensäule bei Wustrau.
Bad Freienwalde
Unscheinbar wirkt das Fachwerkhaus, das seit 1998 als Fontanehaus Schiffmühle ein Museum beherbergt und die Beziehung zwischen Theodor Fontane und seinem Vater Louis Henri erzählt. Der erwarb das Haus 1855, Fontane beschreibt es in Meine Kinderjahre. Ein knapp zwei Kilometer langer Weg namens Vater und Sohn führt vom Haus bis zum Bergfriedhof, wo der Vater begraben ist.

Letschin
Hier im Oderbruch half Fontane oft in der Apotheke aus, die sein Vater im Jahr 1839 erwarb. In Letschin spielt seine Geschichte Unterm Birnbaum, die das ZDF 2019 zu Fontanes 200. Geburtstag verfilmen ließ. Als Vorlage diente das ehemalige Letschiner Wirtshaus Zum Alten Fritz. Die Heimatstuben von Letschin haben dem jungen Fontane einen Raum gewidmet.

Literatur
Allein zum 200. Geburtstag erschien regalweise Fontane-Literatur. Neue Perspektiven eröffnet der Band Wandern und Plaudern mit Fontane, in dem sich junge Schriftsteller auf seine Spuren begeben – darunter Tanja Dückers und MERIAN-Kolumnist Saša Stanišić (Quintus Verlag 2019, 192 Seiten). Wer den Mann treffen möchte, der Fontane kennt wie kaum ein Zweiter, nimmt an einer Führung mit Günter Rieger teil. 

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