Wohin in Bonn Lauter Legenden

... sind Heftredakteurin Inka Schmeling bei ihren Recherchen über den Weg gelaufen: Dirigent Ludwig van Beethoven, Expressionist August Macke – und selbst Drachentöter Siegfried. Zehn Orte, die Sie nicht verpassen dürfen.

Filmreif: Die Drachenburg von 1884 tauchte selbst in der TV-Serie Babylon Berlin auf.
  1. Beethoven-Haus
    Jeder kennt seine Musik. Dieses rosafarbene Haus im Zentrum aber, in dem Ludwig van Beethoven 1770 geboren wurde, stellt den Menschen vor. Die Dauerausstellung, zum Jubiläumsjahr 2020 neu eröffnet, zeigt über 200 Originale – von seiner Dienst-Bratsche und dem letzten Flügel bis zu den Hörrohren, mit denen er ab seinem 30. Geburtstag gegen die zunehmende Taubheit kämpfte. Zu hören gibt’s natürlich auch was: Frühwerke aus seiner Bonner Jugend.
  2. Marktplatz
    Dieser Platz ist ein Epizentrum deutscher Geschichte. Von der Treppe vorm Alten Rathaus, in den 1730ern im Rokoko-Stil gebaut, winkten schon Nelson Mandela, Queen Elizabeth II, Michail Gorbatschow, Charles de Gaulle oder John F. Kennedy. Theodor Heuss hielt hier 1949 seine Rede nach der Wahl zum ersten Präsidenten der BRD. Wer genau hinschaut, sieht aber auch die düsteren Kapitel: Im Kopfsteinpflaster vor dem Rathaus erinnern 60 Buchrücken aus Bronze an die Werke, die im Mai 1933 hier von den Nationalsozialisten verbrannt wurden.
  3. Haus der Geschichte
    Durch Kriegstrümmer ins Wirtschaftswunder, weiter zum Kalten Krieg, zur RAF, zum Fall der Mauer: Die deutsche Geschichte ab 1945 wird hier unvergleichlich anschaulich durch Zeitzeugen-Interviews und etliche Exponate. Mein Rat: Nehmen Sie sich einen halben Tag Zeit für dieses Haus, an vielen Stellen werden Sie sehr tief in andere Zeiten eintauchen können.
  4. Bundeskunsthalle
    und Kunstmuseum Bonn

    Der Dachgarten mit den drei auffälligen Lichtkegeln ist Teil der Ausstellungsfläche in der 1992 eröffneten Bundeskunsthalle.
    Die Stadt macht es einem leicht – und hat ihre zwei großen Kunsthäuser direkt nebeneinander an die Helmut-Kohl-Allee gelegt. So entfällt die Qual der Wahl, zum Glück, beide Häuser haben Weltformat: Die Bundeskunsthalle zeigt in Wechselausstellungen Kunst aller Epochen sowie kulturhistorische oder auch mal naturwissenschaftliche Themen. Das Kunstmuseum ist auf August Macke und den Rheinischen Expressionismus sowie auf Gegenwartskunst spezialisiert.
  5. Südstadt
    Ach! Und: wie schön! Denkt, wer durch die Seitenstraßen beidseits des Bonner Talwegs schlendert. Gründerzeitfassaden, Pastelltöne, viel Grün und dazwischen nette Cafés und kleine, inhabergeführte Läden. Ein Viertel, in dem sich Bonn von seiner Schokoladenseite zeigt.
  6. August Macke Haus
    Eine Warnung: Der Besuch des Hauses macht traurig. Über den frühen Verlust des Expressionisten August Macke, der 1914 im Alter von 27 im Ersten Weltkrieg starb. Durch das 2017 erweiterte Museum in seinem Wohnhaus führt seine Ehefrau Elisabeth – per Audioguide. Selten hat mich ein Museum so berührt.
  7. Rhein
    Wenn Sie die sonst sehr friedfertigen Bonner hitzig diskutieren lassen wollen, fragen Sie einfach, wo am Rhein man den schönsten Blick habe: In Beuel, werden die einen klarstellen – mit Blick über den Fluss auf die Silhouette der Stadt. Für die anderen dagegen gilt das rechte Ufer als »Schäl Sick«, als falsche Seite, und das linke als das einzig richtige. Auch, weil man von dort die schönere Sicht aufs Siebengebirge hat. Setzen Sie sich in die Biergärten an beiden Ufern und schauen Sie selbst!
  8. Beethoven Orchester
    Was Dirigent Dirk Kaftan mit seinem Spitzenorchester auf die Bühne bringt, ist revolutionär. Gerade weil das Orchester auf absehbare Zeit keine feste Bühne hat – die Beethovenhalle wird noch jahrelang saniert. Umso spannender sind die Ausweichquartiere und die neuen Formate, mit denen Kaftan aus der Not des Orchesters eine Erfolgsstory machte: Seit seinem Antritt 2017 hat sich die Zahl der Besucher fast verdoppelt.
  9. Weg der Demokratie
    Die meisten der 64 Orte, an denen in Bonn die deutsche Demokratie gestaltet wurde, liegen dicht an dicht südlich des Zentrums. Markanter Wegweiser: der Lange Eugen. Das einstige Abgeordnetenhaus ist heute Sitz der Vereinten Nationen. So ist dieser Spaziergang keineswegs nur Zeitreise, sondern auch ein Ausflug in das quicklebendige, weltoffene Bonn der Gegenwart.
  10. Drachenfels
    Mit diesem 321 Meter hohen Berg hat Bonn ein legendäres Ausflugsziel – Siegfried! Der Drache! – in Nahverkehrsdistanz. Auch wenn eine nachgebaute Höhle samt Betondrache etwas disneyhaft wirkt: Alleine der Blick von oben auf Rhein, Siebengebirge und Bonn lohnt!

Anzeige