Berlin Die besten Tipps für Charlottenburg

Das königliche Dorf ist über Jahrhunderte zu einem enorm vielfältigen Stadtteil herangewachsen – und hört nie auf zu überraschen.
Brandenburger Tor

Schloss Charlottenburg

Heute ist es schwer vorstellbar, doch Schloss Charlottenburg lag einst im Dorf Lietze. Als 1701 im Auftrag des preußischen Königs Friedrich I. mit dem Bau einer Sommerresidenz für seine Frau Sophie Charlotte begonnen wurde, war rundherum nur grüne Wiese. Heute ist das über die Jahrhunderte gewachsene Schloss das größte in Berlin. Und das Areal, das es umgibt, ist sehr sehens- und erlebenswert. Dazu gehört der Schlossgarten, der ursprünglich als französischer Barockgarten symmetrisch angelegt wurde und dann über sich hinauswuchs. Umgeben ist er von einem englischen Landschaftspark mit Belvedere, Mausoleum und Karpfenteich. Es lohnt sich aber auch, die barocke Pracht des Schlosses zu besichtigen, dessen Räume sowohl die lange, wechselvolle Baugeschichte als auch die geschmacklichen Vorlieben der verschiedenen königlichen Bewohner widerspiegeln. Das Schloss hieß übrigens anfangs Lietzenburg, wurde erst nach dem Tod Sophie Charlottes in Charlottenburg umbenannt und gab einem ganzen Bezirk, der seit 1920 zu Berlin gehört, seinen Namen. Kunstinteressierte können dort locker auch zwei Tage einplanen – unter anderem liegen nämlich gleich gegenüber zwei interessante Kunsthäuser: die Sammlung Scharf-Gerstenberg und das Museum Berggruen.

Adresse + Infos: Spandauer Damm 10-22, www.spsg.de 

Savignyplatt

Am Savignyplatz pocht das Herz Charlottenburgs: Sechs Straßen treffen sich an dem begrünten Karree, das Sie umrunden sollten. In welcher Richtung, spielt keine Rolle – wohl aber, um welche Uhrzeit. Tagsüber ist dies eine großartige Ecke zum Stöbern und Entdecken. Im Stilwerk können Sie auf vier Etagen Vintage- und Designermöbel probewohnen. Einmal um die Ecke und unter den S-Bahn-Bögen hindurch geht es in die Grolmanstraße, wo bei Viniculture die beste Naturweinauswahl der Stadt im Regal steht. Schräg gegenüber bietet der Concept Store Van Nord angesagte Labels von Kosmetik über Schmuck bis Mode. Kunstinteressierte lieben den Bücherbogen, der eine hervorragende Auswahl an Kunst-, Design- und Architekturbänden anbietet. Er hat sich wie diverse andere Läden und Cafés unter den S-Bahn-Gleisen eingerichtet – etwa der Italiener Petrocelli. Den Fokus auf guter Belletristik hat die traditionsreiche Autorenbuchhandlung ein paar Schritte weiter. Für den besten Cappuccino im Umkreis ist das Roberts in der Bleibtreustraße zu empfehlen. Orientalisches Streetfood bietet das kleine Lokal Koshary Lux.

Und wenn der Tag geht, sollten Sie bleiben, Sie verpassen sonst etwas! Schon wegen der Kunst an den Wänden lohnt sich ein Aperitif in der Paris Bar, einer Institution. Einst zahlten dort klamme Künstler mit Bildern – darunter Martin Kippenberger und Daniel Richter. Ob Sie danach in den Zwiebelfisch einkehren – in der Nachbarschaft Alt-68er-Stift genannt – oder in den Diener Tattersall, einst vom Schwergewichtsboxer Franz Diener gegründet, oder in die Dicke Wirtin, wo Andreas Baader und Gudrun Ensslin über Schmalzbroten den Umsturz planten, ist Geschmackssache. Den Puls des Kiezes fühlen Sie in allen drei Kneipen.

Adresse + Infos: Stilwerk Kantstr. 17, www.stilwerk.com, Viniculture, Grolmanstr. 44-45, www.viniculture.de, Van Nord, Grolmanstr. 30-31, www.vannord.com, Bücherbogen, Stadtbahnbogen 593, www.buecherbogen-shop.de, Petrocelli, Savignyplatz/Ecke Grolmanstr., www.petrocelli.de, Autorenbuchhandlung, Berlin Else-Ury-Bogen 599-601, www.autorenbuchhandlung.com, Roberts Café, Bleibtreustr. 50, www.roberts-cafe.com, Koshary Lux Grolmanstr. 47, www.klx-kosharylux.com, Paris Bar Kantstr. 152, www.parisbar.net, Zwiebelfisch, Savignyplatz 7-8, www.zwiebelfisch-berlin.de, Diener Tattersall Grolmanstr. 47, www.diener-berlin.de, Dicke Wirtin Carmerstr. 9, www.dicke-wirtin.de

Kantstraße: Asiatisch, laut und bunt

Ein chinesischer Wirt soll einst beim damals noch Westberliner Senat angefragt haben, ob man hier in Charlottenburg eine Chinatown gründen dürfe, wo es doch so viele asiatische Restaurants, Antiquitäten- und Trödelläden gäbe. Offiziell wurde daraus nichts. Und doch ist die bunte, laute, manchmal ein wenig raue Kantstraße heute die asiatischste Straße Berlins. Kommt man sonntagmittags ins Good Friends, sitzen da chinesische Familien um die Tische. Nachts beschlagen im Aroma (Nummer 35) zwei Querstraßen weiter die bodentiefen Glasscheiben, wenn sich zwischen Aquarium und goldenem Drachen die Belegschaften der umliegenden Restaurants drängeln, um noch ein paar Dim Sum zu verdrücken. Andere Asiaten haben sich dazugesellt – Thailänder, Vietnamesen, Japaner. Im nach seiner Mutter benannten Bistro Madame Ngo (im selben Gebäudeblock wie das »Good Friends«) hat der umtriebige Gastronom The Duc Ngo der vietnamesischen Pho-Suppe ein Denkmal gesetzt. Auch sein Laden: das 893 Ryotei (Nummer 135), wo man sich nicht von den verschmierten Scheiben abschrecken lassen sollte. Dahinter liegt ein japanisches Schlaraffenland. Infos unter: www.goodfriends-berlin.de, www.madame-ngo.de

Geräucherter Fisch

Wer noch kein Fischbrötchen von »Rogacki« gegessen hat, ist eigentlich kein Charlottenburger. In drei Generationen ist aus der Fischräuche- rei ein Feinkostparadies geworden. Adresse + Infos: Wilmersdorfer Str. 145/146, www.rogacki.de 

Getrocknetes Rentier

Wer noch nie Rentierherz gegessen hat, ist in Finnland kein Mann – sagt Spitzenkoch Sauli Kemppainen. In seinem 2018 eröffneten Restaurant »Savu« sollte man das nachholen. Adresse + Infos: Kurfürstendamm 160, www.savu.berlin

Paniertes Kalb

Wer noch nie am Lietzensee war, der spaziere nun dorthin. Ein Grund, ihn zu besuchen: Das Wiener Schnitzel und andere alpenländische Köstlich- keiten im Wirtshaus »Engelbecken«. Adresse + Info: Witzlebenstr. 31, www.engelbecken.de