Kulturreise Die besten Museen in Berlin

Ob Sie das Kind in sich entdecken, ins Nachdenken kommen oder die Stadt besser verstehen: Diese Ausstellungen wirken nach
Berlins Hauptstadtflair bemisst sich nicht bloß an der Anzahl der zugezogenen Kreativen. Auf der Museumsinsel finden sich Sammlungen von Weltruf, kleine ...

CHARLOTTENBURG: Bilderflut am Bahnhof Zoo

Werkschauen weltweitgefeierter Fotografen wie Anton Corbijn, Annie Leibovitz, Peter Lindbergh, Alec Soth und Irving Penn finden heute regelmäßig in Berlin statt. Das ist vor allem dem Ausstellungshaus C/O Berlin zu verdanken. Im Jahr 2000 startete es auf Initiative dreier Kreativer mit einer Retrospektive der Fotoagentur Magnum und wurde dann zum dauerhaften und hochgeschätzten Ausstellungshaus für Fotografen. Es begann im einstigen Postfuhramt in Mitte und zog 2014 in den Westen, ins Amerika Haus am Bahnhof Zoologischer Garten. Dieser lichtdurch utete Fünfziger-Jahre-Bau war im Rahmen der Bauausstellung Interbau entstanden und diente lange als Kultur- und Informationszentrum der USA. Die Gegend hat sich zu einem Foto-Zentrum entwickelt: Das Museum für Fotogra e Iiegt gleich um die Ecke, und im selben Gebäude ist auch die Helmut Newton Stiftung untergebracht.

Weitere Infos: C/O Berlin Hardenbergstr. 22-24, www.co-berlin.org, Museum für Fotografie, Jebensstr. 2, www.smb.museum, Helmut Newton Stiftung, www.helmut-newton.de, Jebensstr. 2

GEGEN DAS VERGESSEN: Wach bleiben!

Dass die deutsch-jüdische Geschichte nicht wach genug gehalten werden kann, bekräftigt ein Blick ins Berlin dieser Tage. Dass sie viel länger zurückreicht als in der allgemeinen Wahrnehmung, davon erzählt das Jüdische Museum Berlin. Es besteht aus dem Altbau des barocken Kollegiengebäudes und dem zickzackförmigen Neubau des Amerikaners Daniel Libeskind, eröffnet 2001. Zentral sind dort drei Achsen im Untergeschoss, die jüdische Geschichte in drei Kapitel gliedern: Holocaust, Exil und Kontinuität. Die Achse des Exils endet im Garten des Exils, wo aus 49 Stelen als Symbol der Hoffnung Ölweiden wachsen. Die Dauerausstellung wird bis voraussichtlich 2019 neu konzipiert, bis dahin sind Teile des Libeskind-Baus nicht zugänglich. Architektonisch weniger spektakulär, inhaltlich aber auch sehr interessant ist die Topographie des Terrors. 1933 bis 45 waren zwischen Potsdamer Platz und Anhalter Bahnhof Gestapo, Sicherheitsdienst der SS und Reichssicherheitshauptamt untergebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Ruinen der Gebäude abgerissen. 1987 wurde zur 750-Jahr-Feier Berlins das Gelände der Topographie des Terrors erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Durch bautechnische Probleme und Streit mit dem Architekten Peter Zumthor verzögerte sich die Eröffnung des Neubaus bis 2010. Nun sind dort innen wie auf dem Gelände gelungene Ausstellungen zu sehen. Ihr Ziel ist weniger das Gedenken, als die Aufklärung über die Verbrechen der Nazi-Zeit. 

Weitere Infos: Jüdisches Museum Berlin, Lindenstr. 9-14 Kreuzberg, www.jmberlin.de, Topographie des Terrors, Niederkirchnerstr. 8 Kreuzberg, www.topographie.de

Spielmanie: Vom DDR-Videospielautomaten »Poly-Play« zur VirtualReality: Das Computerspielemuseum an der Karl-Marx-Allee führt durch die Kulturgeschichte einer Parallelwelt. Mehr Infos unter: www.computerspielemuseum.de

Medizinhistorie: »Dem Leben auf der Spur« ist die Charité mit einer Dauerausstellung am Charitéplatz. Sehenswert: die anatomischen Präparate des Mediziners Rudolf Virchow. Mehr Infos: www.bmm-charite.de

Ostalgie: In der Plattenbau-Museumswohnung in Hellersdorf können Sie sich einen Eindruck davon machen, wie in der DDR gewohnt wurde – Sonntagnachmittags oder nach Voranmeldung. Mehr Infos: Tel. 015116114447

MUSEUM FÜR NATURKUNDE: Unter Giganten

Nicht nur toll für Familien mit Dino-begeisterten Kindern: Im historischen Lichthof des Museums für Naturkunde ist das weltweit größte zusammenmontierte Skelett eines Dinosauriers zu sehen: der Brachiosaurus brancai, stolze 13,27 Meter hoch. Nicht weniger eindrucksvoll ist Tristan Otto, ein gut 65 Millionen Jahre alter und zwölf Meter langer Tyrannosaurus rex. Der 1889 von Kaiser Wilhelm II. eröffnete Prachtbau birgt aber noch ganz andere Highlights: eine Wiederbegegnung mit dem legendären (inzwischen präparierten) Eisbären Knut etwa oder insgesamt 12,6 Regalkilometer voller Spinnen, Fische, Krebse, Würmer und Säugetiere, konserviert in Gläsern.

Mehr Infos: Mitte, Invalidenstr. 43, www.naturkundemuseum-berlin.de

MARTIN-GROPIUSBAU: Hochkarätige Wundertüte

Archäologie, Kulturgeschichte, Kunst, Fotografie: Was im Martin-Gropius-Bau gezeigt wird, hat jede Menge Platz und wird oft ein Ausstellungs-Blockbuster – so wird das wohl auch ab September 2018 mit der Schau »Bestandsaufnahme Gurlitt« sein. Das Gebäude entwarf ein Großonkel von Walter Gropius, 1881 wurde es als Kunstgewerbemuseum eröffnet. Schon im Foyer, unter der  ligranen Glaskuppel, hat seine Architektur Zeichen gesetzt.

Mehr Infos:Kreuzberg, Niederkirchnerstr. 7, www.berlinerfestspiele.de

MÄRKISCHES MUSEUM: Wie Berlin wurde, was es ist

Es ist das erste Gebäude der Welt, das explizit als Stadtmuseum konzipiert wurde, zeittypisch mit einer Waffenhalle, einem Zunftsaal und einer Gotischen Kapelle. 1908 eröffnete das Märkische Museum, und bis heute erzählt es viele spannende Geschichten über Berlin (unter dem Dach »Stadtmuseum« laufen noch fünf weitere Einrichtungen, darunter das Museum Nikolaikirche). Die Sammlung ist umfangreich, zu sehen sind unter anderem Berliner Kunst, Waffen und Möbel. Aktuell wird das Haus schrittweise saniert und neu konzipiert, seit Juni 2018 ist die überarbeite Dauerausstellung zur Berliner Geschichte im ersten Stock geöffnet. In der zweiten Etage können Besucher die einzelnen Themen vertiefen. Wechselnde Sonderausstellungen finden im Erdgeschoss statt. Nach der geplanten kompletten Fertigstellung 2023 soll das Haus in „Berlin-Musuem“ unbenannt werden.

Weitere Infos: Mitte, Am Köllnischen Park 5, www.stadtmuseum.de