Allgäuer Macher Weinmacher Carsten Hell

Die Allgäuer Gebirgskellerei ist eine kleine Spezialkellerei, in der feinste Blüten- und Beerenweine sowie Spezialgärungen hergestellt werden – mit ganz viel Leidenschaft!

Weinmacher Carsten Hell

Carsten Hell schmeckt und riecht an der Kapuzinerkresse vor seiner Kellerei. Die Aromen der Pflanze sollen sich später in einem neuen Wein wiederfinden
Das Haus an der Straßenkreuzung im Dörfchen Wertach fällt auf. Nepalesische Gebetsfahnen flattern über dem Seiteneingang, daneben ein Plakat mit riesigen Erdbeeren und Löwenzahnblüten, vor der Tür ranken Unmengen von Kapuzinerkresse an der Wand in die Höhe. »Mit der Kresse experimentier’ ich gerade«, sagt Carsten Hell. »Mal schauen, was ich da noch an Aroma rausziehen kann.« Hell, Ende 40, wird daraus Wein machen, Kapuzinerkressenwein. Das hat er in seiner Allgäuer Gebirgskellerei in der Grüntenseestraße schon mit ganz anderen Ingredienzen hingekriegt. Mit Holunderbeeren, mit Haselnüssen, mit Kräutern, mit Rosenblüten, mit Löwenzahn, sogar mit Zirbenzapfen. Am liebsten würde er auch mal die Bierbraukunst aufmischen: »Hopfenwein, das wär’s!«

Hells Vorliebe für besondere Tropfen entwickelt sich schon zu Studienzeiten. »Damals haben wir in unserer WG aus Spaß Beerenwein hergestellt«, erinnert er sich. »Das hat mich so angefixt, dass ich das auch später neben meinem Beruf als Bauingenieur weiterverfolgt habe.« Und irgendwann gesteht sich Hell ein, dass ihn sein Job in einem Statikbüro nicht wirklich erfüllt. Dass ihm eines viel näher am Herzen liegt: ungewöhnliche Weine zu machen. 2003 meldet er die Allgäuer Gebirgskellerei an. Seitdem produziert er dort auf kleinem Raum 2500 bis 3000 Liter Wein im Jahr. Jede Flasche wird einzeln abgefüllt, per Hand verkorkt und selbst etikettiert.

Hochkonzentriert: Carsten Hell in seinem Element
Das macht er ganz allein. »So arbeite ich effektiv, konzentriert, ohne Reibungsverluste«, sagt Hell. Er ist kein Typ für Teamwork. »Ich muss mich frei fühlen in meinen Entscheidungen.«

Was ihn erfüllt, ihn antreibt? »Das Gefühl, was ganz Eigenes und Besonderes zu machen, zutiefst regional verwurzelt zu sein, lauter Aromen meiner Heimat zu sammeln.« Das Gärgut für seine Kreationen kommt zum großen Teil aus dem Allgäu. Schon im Frühjahr wird geerntet: erst die Löwenzahnblüten, dann die Beeren und Kräuter, Honig, später die Holunderbeeren und ganz am Ende die Haselnüsse. Nur für die Zirbenzapfen muss er weiter weg, nach Tirol oder Südtirol.

Über 15 verschiedene Weine und Sekte, allesamt ohne künstliche Mittel hergestellt, hat Hell im Sortiment. Viel für einen so kleinen Betrieb. Aber ganz bewusst: »Ich möchte nicht wenige Sorten in großer Menge machen, auch wenn es wirtschaftlicher wäre«, sagt Hell. »Es ist beeindruckend, welche Aromen der Natur man alle in einem Gärprozess gewinnen und als harmonisches Getränk präsentieren kann.« Hell will zeigen, was möglich ist – und seiner Heimat einen Geschmack geben.

Wein aus Allgäuer Gebirgskellerei

Dabei geht es ihm nicht nur um das Getränk, sondern auch um neue Kombinationen. Der herbe Löwenzahnblütenwein nimmt dem würzigen Bergkäse die Schärfe, der Espressowein harmoniert mit dunkler Schokolade, und zum luftgetrockneten oder geräucherten Schinken passt der Zirbenzapfenwein mit seiner leicht holzigharzigen, ätherischen Note. »Es gibt Kombinationen und Aromenspiele«, sagt Hell, »da kommt man mit Trauben - weinen nicht ran.«

Infos: Die Gebirgskellerei in Wertach (Grüntenseestr. 12) hat donnerstags von 16.30-18.30 Uhr geöffnet, auf Anfrage auch Weinproben für Gruppen. Bestellen kann man online.

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