Reisen in der Coronakrise Das sollten Urlauber jetzt wissen

Leere Flughäfen, Bahnhöfe und Straßen sind in diesen Tagen weltweit zu sehen. Und auch wenn innerhalb Deutschlands seit ein paar Tagen einige der Maßnahmen gelockert wurden, stehen Urlaubsreisen – egal ob im In- oder Ausland – noch immer in weiter Ferne. Doch was, wenn der Sommerurlaub schon gebucht ist, und können wir dieses Jahr überhaupt noch irgendwohin reisen? Wir haben die wichtigsten Antworten für Sie. 

Reisen in Zeiten von Corona

Ab wann genau Reisen innerhalb Deutschlands und ins Ausland wieder möglich sein werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. 

In Deutschland sind jegliche Vermietung von Ferienwohnungen und Apartments zu touristischen Zwecken vorerst bis zum 30. April untersagt, auch Hotels bleiben bis dahin geschlossen. Und auch das Auswärtige Amt hat eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen, die bis auf Weiteres gilt. Zudem haben viele Länder Einreisestopps verhangen. 

Sie haben Ihren Pauschalurlaub, Unterkünfte, Flüge oder Mietwagen bereits gebucht und fragen sich nun, was daraus wird?  Wir sagen Ihnen, welche Rechte gelten und wie Sie nun am besten vorgehen. 

Bekomme ich das Geld für einen Pauschalurlaub erstattet?

Bei Pauschalreisen gilt, wenn der Veranstalter die Reise storniert hat, steht Ihnen die Erstattung des Reisepreises zu. Viele Reiseveranstalter bieten Ihren Kunden jetzt Gutscheine an, um in der auch für sie schwierigen Zeit, liquide zu bleiben. Gesetzlich haben Sie hier aber die Wahl, ob Sie den Reisegutschein annehmen oder sich das Geld erstatten lassen. Durch die Insolvenz von Thomas Cook Anfang des Jahres sind viele Verbraucher natürlich verunsichert, ob so ein Gutschein nach der Krise überhaupt noch eingelöst werden kann. Andererseits kann man mit dem Annehmen der Gutscheine dazu beitragen, die stark in Mitleidenschaft gezogene Reisebranche zu unterstützen und viele Veranstalter vor der Insolvenz retten. 

Die Bundesregierung plädiert dafür, den Reiseveranstaltern das Herausgeben von Gutscheinen auch gesetzlich zuzusichern, Verbraucherschützer fordern, dass den Urlaubern die Wahl bleibt. Eine endgültige Entscheidung hierzu steht bislang noch aus. UPDATE: Mittlerweile hat die Europäische Union die Gutscheinausgabe als einzige Form der möglichen Rückerstattung abgelehnt. Das heißt, Kunden haben weiterhin die Wahl, einen Gutschein anzunehmen oder den Reisepreis zurückzufordern.  

Muss ich die Restzahlungen für gebuchte Reisen oder Unterkünfte noch leisten?

Für den Mai wurden die meisten Reisen längst abgesagt. Aus diesem Grund verlangen auch die meisten Reiseveranstalter die Restzahlungen für kurz bevorstehende Urlaube nicht mehr. Auch die Verbraucherzentrale sagt, dass Restzahlungen für Reisen, die höchstwahrscheinlich nicht stattfinden werden, auch gar nicht erst gezahlt werden müssen. Um eventuelle Mahnkosten bei Nichtzahlung zu vermeiden, wird allerdings geraten bei Reisen, die erst Ende Mai oder später stattfinden mit dem Veranstalter oder dem Vermieter der Unterkunft in Kontakt zu treten und im Zweifel die Restzahlung doch erst einmal zu leisten. 

Bekomme ich das Geld für ein selbst gebuchtes Hotel oder ein Ferienhaus zurück?

Kostenlose Stornierungen sind bei einzeln gebuchten Hotelzimmern oder Ferienhäusern nicht immer möglich. Wenn die Vermietung, so wie zur Zeit, offiziell verboten ist und Hotels geschlossen sind, ist es mir als Gast also gar nicht möglich, die gebuchten Leistungen in Anspruch zu nehmen. In diesem Fall bekommen Sie Ihr Geld zurück. Das gilt sowohl für Buchungen im In- als auch im Ausland. Anders ist die Lage aber, wenn die Hotels nach dem 30. April wieder geöffnet sein sollten. Dann ist eine kostenlose Stornierung nicht mehr gewährleistet und je nach Stornierungsbedingungen des Hotels oder des Vermieters müssen Sie auch bei Nicht-Anreise den vollen Preis zahlen. 

Viele Vermieter und Anbieter zeigen sich aufgrund der außergewöhnlichen Situation aber durchaus kulant. Airbnb beispielsweise bietet seinen Kunden weltweit kostenlose Stornierung für alle Reisen, die bis zum 14. April beginnen sollten. Und auch der Ferienhausverband berichtet davon, dass viele Gastgeber die besonderen Umstände berücksichtigen und den Reisenden unter anderem anbieten, die Reise kostenlos umzubuchen.

Auch hier gilt also wieder: Setzen Sie sich frühzeitig mit Ihrem Anbieter in Verbindung, um gemeinsam eine Lösung zu finden, die für beide Seiten funktioniert.  

Wie ist die Rechtslage bei annullierten Flügen?

Auch wenn viele Airlines darauf pochen, ihren Kunden nur Gutscheine anstelle von Rückzahlungen auszugeben, haben Sie das Recht, den Ticketpreis erstattet zu bekommen. Hierbei müssen Sie allerdings etwas Geduld mitbringen. Viele Fluggesellschaften bitten um Verständnis, dass aufgrund der Umstände die üblichen Rückzahlungsfristen nicht immer eingehalten werden können. 

Unser Tipp: Stornieren Sie gebuchte Flüge nicht voreilig selbst, sondern warten Sie, bis diese von der Fluggesellschaft annulliert werden. 

Und wie sieht es mit Bahntickets aus?

Nicht nur der Flug- auch der Bahnverkehr wurde weitestgehend still gelegt bzw. drastisch eingeschränkt. Die Deutsche Bahn zeigt sich in dieser Situation sehr kulant und flexibel. Bahntickets für den Fernverkehr, die bis zum 13. März gekauft und bis zum 30. April eingesetzt werden sollten, können ohne Änderungen bis zum 30. Juni genutzt werden. Achtung: Gruppenfahrten und die Cityfunktion bei Sparpreisen sind von dieser Regel ausgenommen. In diesen Fällen benötigen Reisende eine zusätzliche Fahrkarte für den Nahverkehr. 

Andernfalls können die Tickets auch in Gutscheine umgetauscht werden, die dann auch nach Ende Juni flexibel eingelöst werden können. Auch Ticketstornierungen sind bei der Bahn in diesen Tagen recht unkompliziert möglich. 

Sie haben eine Bahncard? Dann haben wir gute Nachrichten! Allen Bahncard-Besitzern bietet die Deutsche Bahn einen Ausgleich in Form eines Gutscheins an. Mehr Informationen dazu finden Sie hier: BahnCard Kulanzregelungen der Deutschen Bahn

Gebuchten Urlaub umbuchen oder stornieren? 

Wenn Ihr Reiseantritt nach dem 30. April liegt, müssen Sie abwägen. Wenn Sie jetzt stornieren, und sollten zum Reiseantritt keine behördlichen Verbote mehr vorliegen, bleiben Sie wohl oder übel auf den Stornogebühren sitzen. Liegen zum Reiseantritt weiterhin Verbote der Behören vor, haben Sie die besseren Chancen, den Reisepreis zurückerstattet zu bekommen. 

Zum jetzigen Zeitpunkt kann aber einfach keiner mit Sicherheit sagen, wie die Situation für Sommerreisen wirklich aussehen wird. Wer unabhängig davon aber sicher ist, seine Reise nicht antreten zu wollen, sollte rechtzeitig stornieren und nicht darauf hoffen, durch offizielle Verbote das Zahlen der Stornoentgelte zu umgehen. 

Übrigens: Viele Reiserücktrittsversicherungen übernehmen keine Stornogebühren, die in Folge der Pandemie entstehen. Schauen Sie hierzu am besten ganz genau in die Vertragsbedingungen Ihrer Versicherung. 

Kann ich dieses Jahr überhaupt noch verreisen?

Reiseplanungen für 2020 sind momentan mit großen Unsicherheiten verbunden. Im Internet finden Sie aber viele Buchungsportale für Unterkünfte, die flexible Stornooptionen bieten. Oft können Sie hier noch bis einen Tag vor Anreise kostenlos stornieren. Für Reisen innerhalb Deutschlands oder das nähere Ausland, das mit dem eigenen Auto zu erreichen wäre, ist eine Buchung auf diesem Wege ohne finanzielleres Risiko möglich.

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