North Carolina Südstaaten-Koch Jim Noble

"Glauben Sie an Gott?", fragt Jim Noble mit breitem Südstaatenakzent und schaut einem dabei so tief in die Augen als könne er dort die Antwort finden. Man befürchtet in diesem Moment kurz, missioniert zu werden, doch Noble sucht einfach nur nach einem guten Ansatzpunkt, um seine eigene Mission zu erklären. Und die hat eine Menge mit dem Glauben an Gott zu tun.

Der 54-Jährige ist Charlottes bester Koch. Manche sagen sogar, er sei der beste Koch des gesamten Südens. In North Carolina gehören ihm zahlreiche Spitzenrestaurants, weiterhin gilt Noble als ausgewiesener Weinkenner. Die gute Gesellschaft geht in seinen schicken Läden ein und aus. Der Mann ist auch ohne Michelin-Sterne ein kulinarisches Schwergewicht. Nicht schlecht für jemanden, der sich das Kochen und den Restaurantbetrieb selbst beigebracht hat.

Eigentlich hätte Noble in die Fußstapfen seines Vaters treten sollen. Der zog einst als Möbelvertreter durch die Lande. Nach seiner College-Zeit und einem Abschluss als Ingenieur für Produktionstechnik versuchte sich Noble ebenfalls in dem Beruf seines alten Herrn. Doch die Karriere endete vorzeitig nach fünf Monaten. "Das war nichts für mich", sagt er und lacht. Stattdessen ging er zurück auf den Campus; nicht um dort zu studieren, sondern um in den Nachtclubs als Discjockey zu arbeiten. "Rhythm & Blues waren mein Ding", erzählt Noble. "Motown und lokale Gruppen aus North Carolina." Doch das Musikauflegen war nicht genug. Schon nach kurzer Zeit betrieb Noble seine eigene Bar namens Bullwinkle.

1982 unternahm Noble einen Trip ins kalifornische Napa Valley und war begeistert von den Restaurants der Region. "Wie die dort Wein mit hervorragendem Essen kombinierten war einfach grandios", erinnert er sich. "So etwas wollte ich auch machen."

Der Mann fackelte nicht lange. Ein Jahr später eröffnete Nobles erstes Restaurant "J. Basul Noble" in seiner Heimatstadt Highpoint und der 28-jährige Chef stand selbst am Herd. Das nötige Wissen für den Küchenjob eignete er sich nicht nur durch das Lesen der Bücher des französischen Spitzenkochs Ausguste Escoffier an, sondern auch durch das ausgiebige Studium von Kochshows im Fernsehen. "Am Anfang herrschte natürlich das bloße Chaos", erzählt Noble. "Doch mit der Zeit wurde der Laden ein echter Erfolg." Und das, obwohl die gesamte Speisekarte ausschließlich auf Französisch war.

Noble eröffnete weitere Restaurants innerhalb von North Carolina und fand seinen eigenen Kochstil. Der Autodidakt setzte voll auf lokale Produkte aus ökologischem Anbau und kombinierte die klassische Südstaatenküche mit europäischen Einflüssen. Noble gilt als einer der Mitbegründer der "New Southern Kitchen".

Vor knapp 16 Jahren kam es dann zum großen Erweckungserlebnis für Noble. Eines seiner Kinder erkrankte schwer. Und der erfolgreiche Chefkoch musste feststellen, dass Geld nicht alle Wunden heilt. "Ich brauchte damals ein Wunder", sagt er. Trost und Stärke fand Noble im Glauben an Gott. Zusammen mit seiner Frau Karen engagierte er sich verstärkt in der Kirche und gründete letztendlich sogar seine eigene Gemeinde. Seitdem predigt Noble jede Woche in seiner eigenen christlichen Radioshow "The Voice of Healing Faith". Eine der wichtigsten Botschaften lautet "Gott sagt: Nähre die Armen". Und daran hält sich Noble.

Zunächst organisierte er gemeinsam mit anderen Restaurantbesitzern Obdachlosenspeisungen in Charlotte. Doch seiner Frau ging das nicht weit genug. "Sie sagte: Das können wir besser", erinnert sich Noble. Aus diesem Grund eröffnete er vergangenes Jahr die "King's Kitchen".

Das Restaurant liegt zentral im Geschäftsviertel von Charlotte und wurde komplett durch Spenden finanziert. Äußerlich und von der Speisekarte unterscheidet es sich kaum von Nobles anderen Läden. Auch hier werden feinste Südstaatengerichte wie Spareribs oder Fried Chicken serviert. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied: Sämtliche Einnahmen des Lokals gehen an wohltätige Zwecke in Charlotte. Darüber hinaus finanziert Noble damit ein Förderprogramm für ehemalige Strafgefangene und Drogensüchtige. "Wir wollen den Leuten helfen, wieder an sich zu glauben und zurück ins Leben zu finden", sagt der Chefkoch.

Noble geht mit gutem Beispiel voran. In seinen Restaurants arbeiten Männer und Frauen, die es aufgrund ihrer Vergangenheit schwer auf dem Arbeitsmarkt gehabt hätten. "Es gibt da eine Menge Jungs in meinen Küchen, die gerade versuchen, wieder einen Fuß auf den Boden zu bekommen", sagt der 54-Jährige und blickt einem dabei wieder tief in die Augen. "Jeder verdient eine zweite Chance."

Schlagworte:
Autor:
Denis Krah