Rocky Mountains Promi-Hotel "Sundance Resort"

Irgendwie erinnert alles an den Hollywood-Altstar Robert Redford - hier in der Abgeschiedenheit seines Luxus-Resorts "Sundance" an den westlichen Ausläufern der Rocky Mountains. Es ist so, als würde man tatsächlich in seinen Filmen Urlaub machen. Man sieht ihn vor dem geistigen Auge als Sundance Kid durch die Fichtenwälder reiten, als Fliegenfischer mit schlammgrünen Gummistiefeln im Bachbett des Bergflusses Provo stehen und als Haudegen Einar Gilkyson aus dem "ungezähmten Leben" auf der Veranda einer rustikalen Blockhütte sitzen. Mit seinen zerzausten blonden Haaren, die ihm in die Stirn fallen, den blitzblauen schmalen Augen und den wettergegerbten Cowboy-Falten, die das Gesicht des mittlerweile 74-Jährigen durchziehen.

1969 kaufte der Hollywood-Beau das einsame Tal am Fuße des 3582 Meter hohen Bergmassivs Timpanogos, in dem einst Indianer ihre Zelte aufschlugen. Gegen die Ratschläge seiner New Yorker Investoren, das große Areal mit profitablen Hotels voll zu klotzen, zeigte sich Redford immun. Redford gestaltete seine Edelherberge lieber im Einklang mit der Natur. Und so wirkt das "Sundance" im Vergleich zu den anderen Ski-Resorts in Utah, die mit ihren riesigen Appartement-Anlagen protzen, so unschuldig, schlicht und westernromantisch wie "Unsere kleine Farm".

Einfache Blockhütten liegen verstreut zwischen rauschende Bächen und dichten Fichtenwäldern - so unscheinbar in die Landschaft drapiert, dass man merkt, wer hier eigentlich die Hauptrolle spielen soll: die Natur. Auch die Inneneinrichtung der Gäste-Unterkünfte wirkt mit den schlichten Holzvertäfelungen, indianisch gemusterten Teppichen und Bettbezügen und den steinernen Kaminen rustikal und vielleicht fast ein bisschen zu provinziell und angestaubt für ein 4-Sterne-Resort. Der gediegene Retro-Stil zieht sich in bewundernswerter Hartnäckigkeit durchs ganze Hotel. So kann man sich beispielsweise in der "Owl-Bar" an einem uralten Tresen aus Wildwest-Zeiten mit echten Einschusslöchern stilecht die Feuerwasser-Kante geben.

Redfords politisch korrekte Handschrift zieht sich durch das gesamte Hotel. Im Gemischtwarenladen gibt es Bio-Produkte zu kaufen, die der Filmstar in seiner eigenen Farm anpflanzt und beim Abendessen bewundert man dessen indianische Kunstsammlung im "Tree Room". Natürlich gibt es auch einen Platz zur Selbstfindung. In den Werkräumen des Resorts sitzen Hotelgäste auf dem Boden und töpfern, malen und stellen selbst Schmuck her. Fast könnte man meinen, diese Resortbesucher seien dauerhaft Teil einer großen friedlichen Hippie-Kommune mit Redford als Guru. Nicht unbedingt ein günstiges Vergnügen: Für ein Standard-Zimmer blättert man mindestens 170 Euro pro Nacht hin.

Hollywood steigt auf die Skibretter

Dass unbedingter Naturschutz das Credo des Resorts ist, das merken die Besucher nicht nur daran, dass ein einmaliger Umweltschutz-Aufschlag in Höhe von rund 10 Euro vom Konto abgebucht wird, sondern auch daran, dass ihnen an heißen Sommertagen der Schweiß herunter läuft. Aus Umweltschutzgründen sucht man hier Klimaanlagen vergebens. Einem Europäer ringt das zwar nur ein müdes Schulterzucken ab, Amerikaner hingegen verzichten nur ungern auf ihre "AC" im Hotelzimmer. Ab und an kann es auch passieren, dass man als Gast über Mausefallen stolpert. Mit Chemie will das Sundance der Natur eben nicht unbedingt zu Leibe rücken. Und das wird von vielen Besuchern goutiert

Vor allem erholungsbedürftige Städter ziehen sich gerne in der Abgeschiedenheit und Stille des nur eine Stunde südlich von Salt Lake City gelegenen Resorts zurück. Zum Reiten, zum Wandern oder auch zum Skifahren, denn die "Rockies" sind als Wintersportgebiet sehr beliebt. Die Gegend ist berühmt für ihren flockigen Pulverschnee.

Den so genannten "Champagner-Schnee" hat man in Redfords Skiareal auf über 450 Hektar mehr oder weniger für sich alleine, genauso wie die einsamen Wälder und Täler. Denn das Wintersportgebiet ist genauso modern wie der Rest der Anlage: Einen altmodischer Schlepper und drei Sessellifte gibt es, mehr nicht. Der Strom dafür wird natürlich aus Windenergie generiert und vielleicht ist das der Grund, warum die Lifte so langsam den Berg hinauf ruckeln.

Belohnt wird man auf dem Gipfel allerdings mit einem herrlichen Blick über die Wasatch-Berge, den westlichen Ausläufern der Rocky Mountains. Wenn man Glück hat, sieht man sogar auch scheue Wildtiere wie Hirsche und Elche. Belebter wird es auf der Piste erst Anfang Januar. Dann, wenn auch Hollywood hier auf die Skibretter steigt. Denn im etwa 38 Meilen entfernte ehemalige Bergbaustädtchen Park City, das im Zentrum der drei großen Wintersportgebiete Park City Mountain Resort, Deer Valley und The Canyons liegt, startet dann das "Sundance-Filmfestival". Nicht ohne Grund hat es denselben Namen wie das Urlaubs-Resort.

Zunächst hieß es "Utah Film Festival", bis Redford es 1981 unter seine Fittiche nahm und aus dem unbedeutenden regionalen Event eines der wichtigsten Independent-Festivals der USA machte. Aus dem einstigen "Sundance Kid" ist ein Förderer des unabhängigen und inzwischen auch des dokumentarischen Films geworden. Viele Filmemacher verdanken dem Festival ihren Durchbruch, unter anderem Jim Jarmusch oder Quentin Tarantino.

Filmemacher und Schauspieler Redford ist übrigens selbst tatsächlich öfter im Resort anzutreffen, an den Tresen der Owl-Bar zum Beispiel und das, nicht nur während des Festivals. Kein Wunder, schließlich liegt seine private "Sundance Ranch" gleich in der Nähe. Dort sieht es übrigens genauso rustikal-spartanisch aus wie im Resort: im Stall wiehern Rösser aus eigener Zucht, in der Küche braten Redfords Kartoffeln aus dem eigenen Bio-Garten in der Pfanne und an den holzverkleideten Wänden hängt natürlich Indianerkunst.

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Autor:
Bettina Hensel