Colorado Nachhaltiger Wintersport in Aspen

Après-Ski im "39 Degrees". Die Bar des Sky Hotels ist rappelvoll an diesem traumhaften Wintertag in Aspen, Colorado - hochalpiner Bundesstaat im Westen der USA. Während das vergnügte Publikum einen hohen Geräuschpegel fabriziert, wechselt im Hintergrund die Musik von Lounge zu Country. Ohne letzteres geht es nicht in diesem Wintersportparadies, das rund 200 Kilometer westlich von Denver liegt.

Das Städtchen mit den Skirevieren Aspen Mountain, Aspen Highlands, Buttermilk und Snowmass pflegt seine Historie als früheres Silberminenzentrum. An die Wildwest-Zeiten erinnern noch die historischen Backstein- und Holzhäuschen. Inzwischen ist Aspen allerdings berühmter für viel Pulverschnee und die zahlreichen Prominenten, die den Wintersportort regelmäßig mit ihrer Anwesenheit beglücken. Die Reichen und Schönen, deren Häuser sich in den Bergen und Wäldern rundum verstecken, bevölkern hier schon seit Jahrzehnten die Pisten.

Aspen wird seit langem als Treffpunkt der Reichen und Schönen gehandelt, alle Jahre neu aufbereitet in den einschlägigen Klatschblättern. Mariah Carey, Paris Hilton, Antonio Banderas, Heidi Klum und Gatte Seal gehören zum Stammklientel und lassen sich bereitwillig im Wintersport-Outfit ablichten. Weniger bekannt ist allerdings, dass der Skiort nicht nur auf Prominenz, sondern auch auf Nachhaltigkeit setzt. Die Aspen Skiing Company (ASC), das Unternehmen hinter dem Wintersportbetrieb, bemüht sich um ein ökologisches Image. Als erstes Ski-Resort der USA erhielt man hierfür das "grüne" ISO-14001-Zertifikat.

Ihren ersten Nachhaltigkeits-Report publizierte die ASC bereits 1999. "Der erscheint seither regelmäßig. Dort legen wir unsere Maßnahmen offen und wie weit wir mit der Einsparung von CO2 gekommen sind", so Matt Hamilton, der als Manager für das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit zuständig ist. Die Vorgaben: Bis 2012 sollen die CO2-Emissionen aus dem Skibetrieb in und um Aspen um zehn Prozent sinken, bis 2020 um 25 Prozent - gemessen am Ausstoß im Jahr 2000.

Kein leichtes Unterfangen. In Aspen und Umgebung wollen die über 500 Kilometer Skiareal mit 336 markierten Pisten durch zig Schneekatzen perfekt präpariert sein, haben die 46 Lifte zu laufen, müssen acht Terrainparks und fünf Halfpipes unterhalten werden. Und trotz des schneereichen Klimas im Pulver-Paradies sind in Aspen mancherorts Schneekanonen im Einsatz. Das alles kostet Energie. Ganz abgesehen davon, dass die Gäste hoch oben in den Bergen komfortabel nächtigen wollen und beim Einkehrschwung in den Berghütten nicht frieren möchten. Außerdem planscht man in Aspen selbst im tiefsten Winter draußen im beheizten Pool. All das verursacht CO2-Emissionen und hinterlässt "Carbon Footprints".

In Aspen tut man inzwischen reichlich, um diese "Fußabrücke" zu reduzieren. Am Fanny Hill in Snowmass wurde ein Wasserkraftwerk gebaut, das 150.000 Kilowattstunden jährlich produziert und als Ökostrom ins Netz einspeist. Am Aspen Mountain soll ein noch größeres Wasserkraftwerk entstehen. Weiterhin laufen ganze Liftanlagen durch zugekaufte Energie aus Windkraftanlagen. Geplant sind sogar eigene Windräder auf den Gipfeln der Region. Doch das scheiterte bisher daran, dass der Wind dort zu böig ist, und entsprechend große Turbinen sich derzeit noch nicht rechnen. Neubauten der ASC entstehen als zertifizierte Energiesparhäuser.

Stolz erzählt Matt Hamilton auch von der unternehmenseigenen Umweltschutz-Stiftung. Diese hat nach Angaben des ASC-Managers inzwischen über eine Million Dollar in lokale Umweltprojekte investiert. So bekam unter anderem eine hiesige Highschool eine Solaranlage spendiert, die pro Jahr 210.000 Kilowattstunden Strom generiert. "Was die Schule nicht verbraucht, geht als Ökostrom ins Netz. 400 Tonnen schädliches CO2 werden so pro Jahr vermieden", erklärt Hamilton.

Den vielen Gästen im Skiparadies Aspen fällt das Engagement in Sachen Umwelt meist nicht auf. Die interessieren sich häufig mehr dafür, ob der Pulverschnee in diesem Jahr wieder so fantastisch ist. An die globale Erwärmung verschwenden auch die meisten Prominenten in Aspen keine Gedanken.

Autor:
Ulrike Wirtz