Arizona Golfen in den Canyons

"Neulich ist hier einer mit dem Elektrokart quer über das Fairway gefahren, dort drüben am Gebüsch ausgestiegen und wurde prompt von einer Klapperschlange gebissen", erzählt Armor Todd vom Tubac Golf Resort und grinst diabolisch. "Geschah ihm recht, auf unseren Par-3-Löchern müssen die Karts nämlich auf den Wegen bleiben."

Klapperschlangen-Geschichten werden auf Arizonas Golfplätzen ständig erzählt. Sie gehören gewissermaßen zum guten Ton. Fragt man die ansässigen Greenkeeper, schon wird man darüber aufgeklärt, dass die Reptilien sich früh morgens am liebsten in den Sandbunkern aufhalten. Manch eine Schlange hat sich sogar bereits einen Spitznamen bei den Einheimischen verdient. Wie zum Beispiel "Big Boy", der große Junge, der immer wieder zu seinem geliebten Golfplatz zurückkehrt. Ganz egal, wie weit entfernt von den Grüns man das meterlange Ungetüm aussetzt.

Golfer in Arizona müssen sich allerdings keine Sorgen machen. Die wenigsten von ihnen bekommen auf der Runde die giftigen Reptilien zu Gesicht. Nur selten wird jemand gebissen. Man muss nur ständig mit ihnen rechnen, denn Schlangen gehören einfach zum Paradies dazu. Und Arizona ist unbestritten ein Paradies für Golfer.

Mehr als 300 Plätze gibt es in dem US-Bundesstaat. Ein Großteil der Clubs befindet sich in der Gegend rund um Phoenix und Scottsdale, dem "Tal der Sonne". Insbesondere im Winter pilgern die Golf-Fanatiker hierher, um bei angenehmen Temperaturen und reichlich Sonnenschein die Schläger zu schwingen.

Kein Wunder also, dass auch Deutschlands derzeit bester Golfer, Martin Kaymer, im warmen Arizona eine zweite Heimat gefunden hat. Der Mettmanner ist Mitglied und Hausbesitzer im edlen Privatclub Whisper Rock in Scottsdale. Berufskollegen Geoff Ogilvy und Paul Casey gehören dort ebenso zu seinen Nachbarn wie der Caddie von Phil Mickelson, Jim "Bones" Mackay. Normalsterbliche dürfen in Whisper Rock dementsprechend nur selten bis überhaupt nicht spielen. Selbst die Internetseite des Clubs ist nur den Mitgliedern vorbehalten. MERIAN.de stellt ihnen jedoch sieben fantastische Orte in Arizona vor, an denen auch Sie aufteen dürfen - und sollten.

Troon North - Luxus in der Wüste

Zugegeben, Troon North in Scottsdale ist kein billiges Vergnügen. Insbesondere zur Winterzeit, wenn die Greenfee schon mal die 300 US-Dollar-Marke erreicht. Jedoch sind die beiden 18-Loch-Kurse "Pinnacle" und "Monument" durchaus ihr Geld wert. Glaubt man den US-amerikanischen Golfzeitschriften, dann handelt es sich bei den Plätzen um die schönsten Bahnen im ganzen Bundesstaat.

Neben der hohen Greenfee (selbstverständlich ist das Kart inbegriffen) muss man allerdings noch mit versteckten Zusatzkosten rechnen - Troon North hat einen extrem hohen Ballverschleiß. Desert Target Golf wird hier verlangt. Sprich: Die beiden Plätzen verlangen vom Spieler eher allerorts hohe Präzision als stattliche Längen vom Abschlag. Die Golfplatzarchitekten Tom Weiskopf (berühmt-berüchtigt für sein hitziges Temperament) und Jay Morris zeichnen hierfür verantwortlich. Den beiden gelangen zwei sportlich anspruchsvolle, aber dennoch faire Plätze, die auch landschaftlich ein wahres Vergnügen sind.

Seven Canyons - Ein Dank an die Wirtschaftskrise!

Noch vor nicht allzu langer Zeit war Seven Canyons in den roten Bergen von Sedona ein klassischer Privatclub. Für Mitgliedsbeiträge und Immobilien wurden astronomische Preise aufgerufen. Dank der Wirtschaftskrise hat sich jedoch das Bild verändert. Sehr zum Wohl der normalen Greenfee-Spieler. Seven Canyons ist seit knapp einem Jahr ein öffentlicher Platz. Und der Spaß kostet selbst zur Hochsaison "nur" 90 US-Dollar. Dafür bekommen die Spieler jedoch nicht nur ein Kart, sondern auch ein einmaliges Golferlebnis geboten.

Die 18-Loch-Anlage (ebenfalls ein Design von Tom Weiskopf) schlängelt sich malerisch durch sechs Canyons, der siebte Canyon wurde von den Besitzern nur wegen des schöneren Namens hinzugedichtet. Nichtsdestotrotz ist der Platz schon alleine wegen des unglaublichen Bergpanoramas einer der spektakulärsten im gesamten Bundesstaat. Selbst die imposante Driving Range bietet eine fantastische Aussicht auf die legendären Red Rocks. Hinzu kommen anspruchsvolle Bahnen mit reichlich Höhenunterschieden und pfeilschnelle Grüns.

Sedona Golf Resort - Wie es euch gefällt

Nicht ganz so exklusiv und nicht ganz so spektakulär wie der nahe Seven Canyons, aber dennoch ein wahres Vergnügen ist eine Runde im Sedona Golf Resort . Auch hier bieten die Red Rocks eine fantastische Kulisse, die einen schon mal vom eigentlichen Spiel ablenken kann. Extrem angenehm am Sedona Golf Resort: Die "Come as you are"-Politik. Eine Kleiderordnung gibt es nicht. Wer im T-Shirt abschlagen möchte, wird dabei vom Starter nicht aufgehalten. Die Greenfee beginnt außerhalb der Saison schon bei 39 US-Dollar, zur "Primetime" werden allerdings auch hier knapp 90 US-Dollar verlangt. Der Par-71-Kurs ist nicht gerade einfach zu spielen, doch dank knapp 1400 Höhenmetern kommt so mancher Wunderdrive zustande.

La Paloma Country Club - 27 Löcher Jack Nicklaus

Normalerweise ist diese traumhafte Anlage in Tuscon nur den Mitgliedern des hiesigen Country Clubs vorbehalten. Allerdings gibt es einen recht angenehmen Weg, auch als auswärtiger Golfer auf den mit Auszeichnungen überschütteten Platz zu gelangen. Man muss sich einfach nur im Hotel Westin La Paloma einmieten und schon darf aufgeteet werden. Die drei 9-Loch-Kurse wurden einst vom "Golden Bear" Jack Nicklaus entworfen und sind ganz nach dem Geschmack des großen Meisters: Breite Fairways und verdammt hinterlistige Grüns, die jeden Putt zu einer Achterbahnfahrt machen. Natürlich fehlt auch hier nicht das klassische Bergpanorama, das einen jeden nicht so guten Schlag schnell vergessen lässt. "Unlimited Golf Packages" gibt es ab 180 US-Dollar pro Nacht im Westin La Paloma.

TPC Scottsdale - Der Platz der Champions

Der wahrscheinlich berühmteste Golfplatz in Scottsdale liegt relativ unspektakulär nahe des Flughafen - der TPC Scottsdale Stadium Course. Einmal im Jahr veranstaltet hier die PGA Tour die Phoenix Open. Das Turnier ist berühmt-berüchtigt für seine bierseligen Zuschauermassen, die insbesondere am 16. Loch, einem Par-3, den Platz mit ihrem Geschrei zum Beben bringen. In direkter Nachbarschaft zum Stadium Course befindet sich der Champions Course, der bei den Einheimischen um einiges beliebter ist, als der "berühmte Bruder" ums Eck. 2007 wurde dieser 18-Loch-Kurs für einen zweistelligen Millionenbetrag renoviert und gehört ohne Zweifel auf die "Muss gespielt werden"-Liste eines jeden Reisegolfers. Eine Runde gibt es hier bereits ab 48 US-Dollar.

Tubac Golf Resort - Die Heimat von "Tin Cup"

"Tin Cup" ist wahrscheinlich einer der besten Golffilme, die je gedreht wurden. Und eine Menge der Golfszenen wurden einst im Tubac Golf Resort gedreht. Hauptdarsteller Kevin Costner zerbrach hier seine gesamten Schläger bis auf das Eisen-7 und vergrätzte Don Johnson mit einem Wunderschlag aus dem Rough auf ein kleines Inselgrün. Die wunderbare 27-Loch-Anlage nahe der mexikanischen Grenze steckt voller Erinnerungen an den Hollywood-Film. Darüber hinaus bietet insbesondere der Rancho-Kurs mit dem anspruchsvollen "Tubac Triangle" (drei unglaublich schwere Löcher in Folge) reichlich Abwechslung. "Tin Cup"-Fans sollten hier übrigens an Loch 4 ihr Holz-3 aus der Tasche holen und es Herrn Costner nachmachen.

Ping - Besuch in der Garage des Tüftlers

Karsten Solheim startete 1959 seine erfolgreiche Schlägerwerkstatt in einer Garage in Kalifornien. Nach kurzer Zeit siedelte der Vater des Anser-Putters seine kleine Firma Ping  in Scottsdale an. Inzwischen ist die Schlägermarke weltberühmt und aus der Garage ist ein gesamter Häuserblock inklusive eigener Driving Range geworden. Den Namen Ping sucht man an der Haustür vergebens, dafür steht in großen Lettern Karsten an der Wand. Die Firma bietet täglich kostenlose Touren (nur mit vorheriger Anmeldung, Tel. 1-800-474-6434) durch die Werkstatt an und zeigt, wie die Driver, Eisen und Putter für jeden Kunden individuell angefertigt werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, sich nebenan gratis eines ausführlichen Schlägerfittings zu unterziehen.

Autor:
Denis Krah