Komfort im Flugzeug Flieg, Manager, flieg!

Irgendwie hielt ich die US-Amerikaner mal für ein fortschrittliches Volk. Zumindest in Bezug auf die Luftfahrt. Schuld an diesem Irrglauben ist wahrscheinlich die Filmindustrie. So prägte das durch den Weltraum gleitende PanAm-Shuttle in Stanley Kubricks Science-Fiction-Klassiker "2001" bereits in frühen Jahren mein Bild von den fantastischen Airlines auf der anderen Seite des Atlantiks. Nun ja. PanAm ist seit 1991 Pleite, "2001" stammt aus dem Jahr 1968 und die großen US-Fluggesellschaften scheinen sich seit dieser Zeit auch kaum verändert zu haben. Diesen Eindruck kann man nämlich gewinnen, wenn man dieser Tage mit Continental, American Airlines oder United Airlines, den größten Fluggesellschaften des Landes, in die Staaten reist.

Dabei ist der Retro-Look ja eigentlich eine feine Sache, doch bei Flugzeugen hört bei mir der Spaß auf. Auf meinen letzten Trips mit den oben angeführten Gesellschaften hatte ich jedes Mal das Gefühl, in einer gerade noch vom Schrottplatz geretteten Maschine beziehungsweise einem Schnäppchen aus der Pfandleihe zu sitzen. Die Flieger ächzten in der Luft wie morsche Viermaster bei der Kap-Umseglung und an der Innenausstattung nagte längst nicht nur der Zahn der Zeit.

So gab es unter anderem statt Rettungswesten nur schwimmende Sitzpolster und statt einem modernen Entertainment-System, dass diesen Namen auch verdient, nur eine Handvoll Filmchen auf einem krisseligen Minimonitor. Einige Sitze wackelten so doll, dass die darauf befindlichen Passagiere bei Start und Landung aus Sicherheitsgründen in die Business Class, die wohl aus Alibi-Gründen neulich modernisiert wurde, umziehen durften.

Auf den Inlandsflügen hielt sich der Komfort noch weiter in Grenzen. Auch hier fühlte man sich wie in einer Maschine, die seit zehn Jahren in einer Warteschleife über dem Jumbo-Friedhof fliegt und bei der man ständig Angst haben muss, dass sie dort in den kommenden 15 Minuten landet.

Auch am Personal dürfte man gerne Runderneuerungen vornehmen. Schließlich musste ich (mit noch ein paar anderen Passagieren) ein Gespräch der männlichen Flugbegleiter mitanhören, in dem es um den aparten schwedischen Fluggast ein paar Reihen vor mir ging und was man alles mit ihm in einem Bett anstellen könnte. Auch eine Art von Service.

Angesichts dieser Erfahrungen möchte ich den Verantwortlichen von United, Continental und American Airlines einen Filmtipp auf den Weg geben: "Up in the Air" mit George Clooney. In dem Drama geht es unter anderem nicht nur um die angenehmen Seiten des Fliegens (Business und First versteht sich), sondern auch um das Feuern von Managern. Die Herren der Fluggesellschaften dürfen sich durchaus angesprochen fühlen.

Autor:
Denis Krah