Texas Chili-Champion Margaret Nadeau

"Wie bitte?" Margaret Nadeau ist zunächst fassungslos und dann doch irgendwie amüsiert. "Sie tun in Deutschland wirklich Bohnen in Ihr Chili?" In Texas wird so etwas überhaupt nicht gerne gesehen, geschweige denn gegessen. Wenn es um das offizielle Nationalgericht des Lone Star State geht, versteht man hier keinen Spaß. Da geht es den Texanern genauso wie den Deutschen und ihrem Reinheitsgebot fürs Bier. "Ein richtiges Chili besteht nur aus Fleisch und Gewürzen", sagt Nadeau und lässt daran keinen Zweifel aufkommen. Die 49-jährige Angestellte aus Boerne, Texas, muss es wissen. Sie ist die amtierende internationale Meisterin im Chili-Kochen.

Einmal im Jahr treffen sich die besten Chili-Köche der Welt in einem kleinen Ort namens Terlingua. An die zehntausend "Chiliheads" reisen dann nach Texas, um an dem großen Kochwettbewerb, dem Cookoff, teilzunehmen. Die Regeln für den Wettbewerb sind streng. Die Chilis müssen vor Ort und unter freiem Himmel frisch zubereitet werden. Zutaten wie zum Beispiel Reis, Bohnen oder Nudeln sind nicht erlaubt. Gleiches gilt für industrielle Fertigwürzmischungen. Jeder Koch darf nur eine Chili-Variante einreichen und - ganz wichtig - wer mit einer Pistole auftaucht und diese abfeuert, wird sofort disqualifiziert. Man hat wohl irgendwann mal schlechte Erfahrungen mit Schusswaffen gemacht.

Knapp tausend Preisrichter sind nötig, um sich durch die unzähligen feurigen Fleischtöpfe zu testen. Gekostet wird blind, die Portionen sind lediglich mit Nummern versehen. Beurteilt werden Aroma, Konsistenz, Farbe, Geschmack sowie die Schärfe im Abgang mit Noten von 1 (pfui) bis 10 (göttlich). Mehrere Jury-Runden muss ein Chili überstehen, bis es im Finale landet und dort vielleicht den Meistertitel erlangt. Als Preise für den ersten Platz winken ein reich verzierter mobiler Gasherd und eine gewöhnungsbedürftige Trophäe im Stile einer verschimmelten Chilischote.

Nadeau hat den Titel in Terlingua schon zweimal gewonnen - immer mit dem gleichen Rezept. Sahara heißt ihr Chili. Nicht, weil es so heiß ist wie die gleichnamige Wüste, sondern weil ihre Hauskatze auf diesen Namen hört. Das Rezept von ihrem Mann, der ebenfalls ein "Chilihead" ist, wurde Cotton Eyed Joe getauft. Andere Meisterchilis in der Geschichte des Wettbewerbs trugen Namen wie Horseshoe, Lady Bug oder High Octane. "Das Geheimnis eines guten Chilis ist das Fleisch", erklärt Nadeau. Das Rinderhack, das sie verwende, habe fast kein Fett und schmecke deshalb so gut. Die Gewürze kämen dadurch viel besser zur Entfaltung.

Bei der Konkurrenz würden auch schon mal andere Mittel eingesetzt, um das Aroma zu verbessern. "Ein Mitbewerber hat die ganze Zeit einen Schweinefuß mitgekocht", berichtet Nadeau. Aber nicht immer weiß sie, womit die anderen Köche ihre Gerichte aufpeppen. "Ein Chili, das ich mal als Preisrichterin probierte, schmeckte unglaublich erfrischend", erzählt die Texanerin. "Ich habe aber bis heute nicht herausbekommen, was die geheime Zutat war." Nadeau vermutet, dass es sich um Zitronenlimonade handelt, aber sicher ist sie sich nicht. "Das macht mich wahnsinnig!"

Inzwischen bereitet sich Nadeau wieder auf das kommende Cookoff in Terlingua vor. Viel zu verfeinern gibt es an ihrem Erfolgrezept jedoch nicht. Mit Sahara konnte sie sich bei regionalen Vorentscheidungen erneut für den großen Wettkampf der Chiliheads qualifizieren. Weniger Glück hatte bislang ihr Mann. "Der muss noch ein wenig zittern", sagt sie und lacht. "Hoffentlich schafft er es, sonst hängt der Haussegen schief."

Margaret Nadeaus Chili-Rezept

Margaret Nadeaus Sahara Chili

Zutaten:
1 Kilo Rinderhack
1 Esslöffel Öl
1 Esslöffel kleingehackte Zwiebeln, gefriergetrocknet
1 Dose Tomatensauce
1 Glas Rinderfond
2 Esslöffel helles Chilipulver
3 Esslöffel dunkles Chilipulver
1 Teelöffel Knoblauchpulver
1 Teelöffel Kreuzkümmel
1 Teelöffel Paprika
1/2 Teelöffel Cayenne-Pfeffer
1/2 Teelöffel schwarzer Pfeffer
1 Hühner-Brühwürfel
1/2 Teelöffel Salz

Schritt 1: Rinderhack zusammen mit den Zwiebeln im Öl leicht anbraten.

Schritt 2: Tomatensauce und Rinderfond hinzugeben. 30 Minuten auf mittlerer Hitze kochen.

Schritt 3: Einen Esslöffel helles, zwei Esslöffel dunkles Chilipulver, Knoblauch und jeweils einen halben Teelöffel vom Pfeffer und einen halben Teelöffel Kreuzkümmel sowie den Brühwürfel hinzutun. Salzen und auf niedriger Hitze eine Stunde kochen. Regelmäßig umrühren.

Schritt 4: Die restlichen Gewürze ins Chili geben und eine halbe Stunde auf niedriger Hitze köcheln lassen. Wenn nötig, Wasser hinzugeben.

Schlagworte:
Autor:
Denis Krah