Arizona Arizona: Western made in Germany

"Ich habe in meiner Jugend einfach zu viele Bücher von Karl May gelesen", sagt Peter Stenger. Damals lag der heute 47-Jährige als Kind mit der Taschenlampe unter der Bettdecke und begab sich in seiner Fantasie jede Nacht mit Winnetou und Old Shatterhand in das Land der Apachen. Das ging nicht spurlos an ihm vorbei. Anders ist es nicht zu erklären, dass Stenger sich im vergangenen Jahr einen Traum erfüllte und im Süden Arizonas seine eigene Westernstadt errichtete.

Die Apache Spirit Ranch liegt am Rande von Tombstone. Wyatt Earp und Doc Holiday feuerten in dem einst gottverlassenen Kaff Ende des 19. Jahrhunderts während der Schießerei am O.K. Corral aus allen Rohren. Seitdem ist der kleine Ort eine Touristenattraktion. Das Grundstück des Deutschen befindet sich allerdings weit weg vom Trubel. GPS-Navigationsgeräte kapitulieren manchmal auf der Schotterpiste zur Ranch und der nächste Nachbar ist der Friedhof von Tombstone. Der Vorteil der Abgeschiedenheit ist für jeden gut sichtbar: der unverbaute Blick auf die Berge.

Wer den steinigen Weg zur Apache Spirit Ranch gefunden hat, der wähnt sich schnell in seinem eigenen Western. Die 2010 eröffnete Anlage ist stilecht solchen Siedlungen nachempfunden, durch die einst John Wayne und Tom Mix mit der Pistole in der Hand stolzierten. Vom Büro des Sheriffs samt Gefängnis über das Grand Hotel bis zum Bordell der Miss Kitty: Karl May hätte sich diesen Ort nicht besser ausdenken können. Und das Schönste ist, dass man in all diesen kleinen Häuschen, seinen Urlaub verbringen kann.

Auf der Ranch wird den Gästen die volle Dosis Wildwest-Romantik geboten. Ausgedehnte Ritte durch die Wüste, singende Cowboys am Lagerfeuer, Pokerabende im Saloon, Fahrten mit der Postkutsche und natürlich echte Indianer stehen unter anderem auf dem Programm. Wer genug von der Zeitreise hat, der setzt sich ins Auto und fährt nach Tuscon.

Die meisten Besucher der Apache Spirit Ranch kommen bislang aus Holland und Deutschland. Aber auch die US-Amerikaner entdecken inzwischen die kleine Wildwest-Stadt in der Wüste und verbringen hier ein Wochenende. "Der große Vorteil ist natürlich die Nähe zu Tombstone", erklärt Stenger. "Eine bessere Lage für eine Westernranch gibt es nicht."

Das Gründstück der Ranch ist an die 110 Hektar groß. Ein Jahr lang hatte Stenger, der eigentlich als selbstständiger Finanzplaner in Unterhaching arbeitet, nach dem passenden Areal für seine Gästeranch in den USA gesucht, ehe er in Arizona fündig wurde. Beraten ließ er sich bei seiner Kaufentscheidung von einem echten Apachen. "Mein Freund Joe hat sich das Gründstück genau angeschaut und gesagt: 'Mach es hier'", erinnert sich Stenger.

Zwei Jahre dauerte es letztendlich, bis die Ranch ihren Betrieb aufnehmen konnte. Beim Bau verließ sich Stenger nicht nur auf die Handwerker Arizonas. "Alle Türen, Fensterrahmen und sogar den komplette Saloon haben wir in Deutschland anfertigen lassen und per Container in die USA verschifft", erzählt der 47-Jährige, der inzwischen alle vier Wochen für ein paar von München nach Arizona fliegt. Unter der Bettdecke muss sich Stenger nun nicht mehr verstecken, um bei den Cowboys und Indianern zu sein. Eigentlich fehlt dem Mann nur noch eine Kleinigkeit zum totalen Western-Glück: der Silbersee. Aber den bringt Stenger vielleicht auch noch nach Arizona.

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Autor:
Denis Krah