Ulm Regionale Unternehmen

Kässbohrer Geländefahrzeug AG

Jeder Skifahrer ist den Ungetümen schon einmal ausgewichen: Die roten Raupenfahrzeuge aus dem Hause Kässbohrer präparieren Skipisten in aller Welt. Knapp 15.000 dieser Gefährte sind seit Ende der sechziger Jahre verkauft worden. Heute kommt jedes zweite zivile Raupenfahrzeug aus dem Werk in Laupheim. Eigentlich war der Pistenbully nur das Nebengeschäft der berühmten Busmarke Setra. Nach dem Krieg hatte Otto Kässbohrer mit seinem Bruder das Unternehmen aufgebaut.

Der Setra S 8 war der erste Bus mit einer selbsttragenden Karosserie, damals in den Fünfzigern eine Sensation im Autobau. Und ein Verkaufsschlager, der den Erfolg von Kässbohrer "als Rolls-Royce unter den Omnibussen" begründete. Der Neffe des Firmengründers, Karl Kässbohrer, ein leidenschaftlicher Skiläufer, gab dann den Anstoß für den Bau der Pistenbullys.

Heute fahren die Ketten aus Laupheim in aller Welt. Einige sogar in der Antarktis als Lastenfahrzeuge für die Polarforschung. Inspektion und Service garantiert Kässbohrer auch in den entlegensten Gegenden der Welt rund um die Uhr. Und jedes der bis zu 300.000 Euro teuren Raupenfahrzeuge wird von einem Mitarbeiter ausgeliefert, der den Neubesitzer in die Handhabung des Gefährts einweist. Diesen Service bietet sonst nur noch die Luxuskarosse Maybach ihren Käufern.

Carl Walther GmbH - Treffer ins Schwarze

Die Waffe ist fast so bekannt wie der Mann der sie seit bald 40 Jahren unter seinem Dinnerjacket trägt. Mit seiner Walther PPK hat James Bond schon so manchen Bösewicht auf der Kinoleinwand zur Strecke gebracht. Das echte Vorbild für die Filmpistole stammt aus Ulm. Dort wird sie bei der Carl Walther GmbH von Hand montiert und eingeschossen.

Es ist kein Zufall, dass der Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät eine Walther trägt. Es mag rühmlichere Exporterfolge geben, aber deutsche Pistolen gelten als ein Muster an Präzision und haben einen Spitzenruf in der Welt. Polizeibeamte in Polen und Kanada sind mit dem Schießeisen aus Ulm ausgestattet. Selbst im Land von Colt und Smith & Wesson schätzt man schwäbische Pistolen. Vor 120 Jahren wurde das Unternehmen vom Büchsenmacher Carl Walther in Thüringen gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte sein Sohn Fritz Walther, eine Mappe mit Patenten und Konstruktionsplänen unter dem Arm, nach Ulm über und baute die Firma aus einer Schusterwerkstatt neu auf. Die Firma Walther selbst spricht heute lieber von ihren Sportwaffen, die dem Unternehmen ebenfalls zu Weltruhm verholfen haben. Unzählige Sportschützen trafen bei Welt- und Europameisterschaften und Olympischen Spielen ins Schwarze. Mancher Meisterschütze hat auch seinen Arbeitsplatz im Betrieb. Wie Stephanie Bauer, Deutsche Mannschaftsmeisterin im Kleinkaliberschießen, die in Ulm als Waffenmonteurin arbeitet.

Brauerei Gold Ochsen - Bier seit 1597

81 Jahre nachdem in Bayern das Reinheitsgebot erlassen worden war, eröffnete Gabriel Mayer seine Gastschenke "Zum Goldenen Ochsen" in der protestantischen Reichsstadt Ulm, in einem ehemaligen Nonnenkloster. Die Folgen dieser Gründung haben mindestens zwei Prozent Alkohol und schäumen über 400 Jahre später noch immer in Ulmer Seideln. Etwa das süffige "Gold Ochsen Original" oder das preisgekrönte Weißbier. 600.000 Hektoliter Bier braut die traditionsreiche Privatbrauerei pro Jahr in ihren Stahlkesseln. Dabei haben es die regionalen Brauer heute schwer, sich gegen sinkenden Bierkonsum und die internationalen Biermultis zu behaupten. Aber der Goldochse hat sein Terrain erfolgreich verteidigt. Nicht nur an Festtagen ist das "flüssige Gold", wie die Brauerei ihren Gerstensaft selbst gern nennt, in aller Munde und nicht nur in Ulm; das Bier von der Alb wird bis nach Baden und an den Bodensee verkauft. Beim Brauen verbindet sich Tradition mit modernster Technik. Die Grundstoffe kommen aus der Region.

Heute wird die Brauerei, ein Familienunternehmen in fünfter Generation, von Ulrike Freund, geborene Leibinger, geführt. 1868 hatten die Leibingers die Biermanufaktur übernommen, expandierten und zogen später an den Nordrand der Altstadt. Hier prangt heute das leuchtende Emblem mit dem goldenen Ochsen hoch oben am Siloturm.

Gitarrenbauer Ulrich Teuffel

Das kann doch eigentlich nicht so schwer sein: ein Brett, ein Hals und ein paar Metallsaiten. Schließlich geht es hier nicht um eine Stradivari, sondern um eine E-Gitarre, deren Klang, elektronisch verstärkt, aus den Boxen kommt. Was für ein Irrtum: Ulrich Teuffel, Klangphilosoph und kühner Designer, baut Gitarren, die solche Vorurteile Lügen strafen. Sie sehen aus wie futuristische Surfbretter oder edle Küchengeräte. Und sie klingen - wenn man den Liebhabern glauben darf - einfach unvergleichlich. Das Gitarrenbauen brachte sich Ulrich Teuffel selbst bei, danach studierte er in Karlsruhe Produktdesign. So gerüstet, ließ er sich in Neu-Ulm als selbstständiger Gitarrenbauer nieder. Seine Instrumente sind begehrte Sammlerstücke: die "Coco" mit dem dreidimensional geschwungenen Körper, die legendäre "Birdfish" aus Ahornholz und Chrom. Alle Teile für seine klingenden Kunstwerke schnitzt, gießt und poliert Ulrich Teuffel selbst. Das hat seinen Preis. Mancher spart dafür ein Musikerleben. Andere Kunden, wie Billy Gibbons, Gitarrist der Rockband ZZ Top, bezahlen ihre "Birdfish" von einer Abendgage.

Seeberger - Studentenfutter nach Höchststandard

Nuss ist nicht gleich Nuss. Die Schale muss makellos sein und sie muss durch eine Schablone mit einer Normgröße passen. In Roald Dahls unsterblicher Kindergeschichte "Charlie und die Schokoladenfabrik" erledigen diesen Job dressierte Eichhörnchen ohne Mundschutz und Haarnetz. Bei Seeberger sorgen penible Mitarbeiter dafür, dass nur die schönsten und besten Früchte in die Tüte mit dem Goldaufdruck kommen. Das hat seinen Preis, aber dem Trockenfrüchtemulti geht Qualität über alles. 1844 gründete Christoph Seeberger in Ulm seinen Kolonialwarenladen, später kam noch eine Kaffee-Rösterei dazu, heute ist die Seeberger KG Marktführer bei Dörrpflaumen und Studentenfutter. Die Früchte kommen aus aller Welt: die Kerne der kugelrunden Macadamianuss aus Australien, die knackigen Cranberrys aus Quebec und die Äpfel aus Südtirol. Die Erzeuger müssen hohe Standards erfüllen, bis sie ihre Früchte nach Ulm liefern dürfen. Im Donautal werden die Waren dann sorgfältig getrocknet und verarbeitet - und das machen die rund 300 Mitarbeiter gern. Denn sie erhalten Genussrechte. Diese sollen sie allerdings nicht zum Nüsseknabbern verführen, sondern beteiligen die Belegschaft am Unternehmenserfolg.

Schneckenzüchterin Monika Merkle - Schwäbische Austern en gros

Der Erfolg ist eine Schnecke. Bei Monika Merkle kann man das wörtlich nehmen. Seit drei Jahren züchtet die gelernte Floristin diese Tiere zum Verkauf und Verzehr. Ihre Weinbergschnecke der Art Helix pomatia schmeckt besonders gut mit Kräuterbutter und Weißbrot und ist bei manchem Sternekoch auf dem Teller zu finden. Monika Merkle züchtet die Mollusken in eigens angelegten Gärten und beliefert Gourmets, Restaurants und Feinkosthändler. "Schwäbische Austern" nannten die Wiener im ausgehenden Mittelalter die Weichtiere, mit denen sie sich über die Fastenzeit retteten. Schnecken galten damals nicht als Fleisch und durften deshalb auch von darbenden Mönchen verzehrt werden. Heute werden die in roher Form etwas schleimigen Nutztiere als Delikatesse angepriesen, an der sich die Geister scheiden. Schnecken zu essen, empfinden viele immer noch als Mutprobe.

Monika Merkle verdankt ihr ungewöhnliches Unternehmen einem Zufall. Ihre Kinder hatten ein paar Schnecken mit nach Hause gebracht. Die Mutter war von den Tieren fasziniert, kaufte sich Bücher und besuchte Schneckenfarmen in Italien. Heute kriechen auf Merkles Schneckenfarm etwa eine Million Tiere. Nach drei Jahren haben sie die Schlachtreife erreicht. Im Mai werden sie geerntet, gekocht und ausgeliefert.

Autor:
Benno Stieber