Westerland Musikmuschel auf der Kurpromenade

Musikmuschel Sylt Westerland

Unvergessen ist diese eine Silvesternacht in Westerland auf Sylt: So eisig, dass man keinen Hund mehr vor die Tür schicken würde. Und doch tobte an der Musikmuschel auf der Kurpromenade der Bär. Radio-Moderator Oliver Peral heizte die Stimmung mit Schunkel-Schlagern ein. Und weil es so frostig war, hielt keiner die Füße still: Es wurde gegrölt, man prostete sich mit mitgebrachtem eisgekühltem Sekt in stillosen Plastikbechern zu und tanzte kräftig ab. Dick vermummt, mit Thermoklamotte, Moonboots und Pudelmütze, zählten Tausende Kehlen das neue Jahr an, und ein Feuerwerk über der Nordsee sowie begeisternde Ohs und Ahs auf der Promenade begrüßten es  lautstark.

Einmal mehr zeigte sich: Die Musikmuschel ist das Veranstaltungszentrum der Insel. Die Silvesterpartys sind legendär, aber auch den Rest des Jahres über ist ständig was los. Fast täglich spielt hier die Musik, nicht immer hundertprozentig  geschmackssicher, aber eben immer Open Air. Bei freiem Eintritt kommen und gehen die Gäste je nach Belieben. Wenn man sieht, wie viele  kommen, gibt es nur ein Fazit: sehr beliebt.

Musik am Meer hat Tradition: 1879 wurde der erste hölzerne Musikpavillon am Westerländer Strand errichtet. Er und einige Nachfolger fielen diversen Sturmfluten zum Opfer. Seit 1949 steht die jetzige Musikmuschel, die tatsächlich aussieht wie eine gevierteilte Herzmuschel. 1991 erhielt sie ihr kupfernes Dach und hält bis heute der Brandung tapfer stand. Wenn am Brandenburger Strand Surf- und Kite-Cups oder auch mal ein Weinfest abgehalten werden, verwandelt sich die Promenade in einen Marktplatz: Imbissbuden und Verkaufsstände laden zum Bummeln ein, und von oben blickt man entspannt hinab auf das bunte Treiben am Ufer, wo Teenies und Erwachsene sich im Beachvolleyball oder Beachsoccer messen und die ansässige Surfschule Kurse im Stand-up-Paddling anbietet. Ein bisschen Venice Beach in Norddeutschland.

 

Promenade in Westerland
Walter Schmitz
Beliebte Meile: die Promenade in Westerland

Es hat sich also einiges getan, seit der Landvogt von Levetzau 1855 am Westerländer Hauptstrand die ersten Badekarren aufstellen ließ. Jene fahrbaren Umkleidekabinen wurden schön züchtig auf verschiedenen Strandabschnitten aufgestellt, einem für Damen und einem für Herren – zwei Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. 1879 konnten die Badegäste in herausgeputztem Festtagsgewand auf der "Wandelbahn" promenieren, so hieß damals die erste Flaniermeile am Strand. 1911 machte sie ein Großfeuer zunichte, aber schon im folgenden Jahr baute man eine steinerne Uferschutzanlage, zunächst 574 Meter lang. Heute flanieren Urlauber auf beinahe zwei Kilometern asphaltiertem Boulevard, Kinder pesen auf Laufrädern, Jugendliche schlängeln sich auf Waveboards längs. Und egal wie kalt der Wind auch bläst, irgendeiner hat hier immer nackige Beine.

Richtung Norden bewegt man sich auf einem breiten Streifen vorbei an Eis-, Crêpe- und Café-Ständen. Rechter Hand kann man beim Freiluftschach verweilen, am Kurmittelhaus und Syltness-Center vorbeischlendern und dann – falls man kleine Kinder dabei hat – den bundesweit schönstgelegenen Spielplatz mit der Villa Kunterbunt und den Hüpf-Trampolinen entern. Linker Hand könnte man mit viel Glück einen der 4000 Strandkörbe ergattern und darin völlig  windgeschützt die aggressiven Möwen beim Beutefang beobachten. Oder einfach zum Rhythmus der Wellen in ein Nickerchen hineinmeditieren. Strandübergänge zur Kurpromenade liegen am Ende der Friedrich-, Strand- und Brandenburger Straße.
Das Programm der Musikmuschel findet sich unter: www.insel-sylt.de/musik-am-meer

Quelle:
Autor:
Cornelia Heim