Uruguay

Wissenswertes über Uruguay

Natur und Klima:

Das Landesinnere baut sich aus einer 100 bis 150 Meter hohen, welligen Rumpffläche auf. Sie bildet den Übergang zwischen der argentinischen Pampa und dem brasilianischen Bergland und wird von Hügelketten (bis 500 Meter) wie der Cuchilla de Haedo und der Cuchilla Grande überragt. Der Río Negro, der zum 1140 Quadratkilometer großen Stausee von Bonete aufgestaut ist, zerschneidet die Rumpffläche in einen nördlichen und einen südlichen Abschnitt. Die Westgrenze des Landes bildet der Río Uruguay, der über den Río de la Plata, den größten Mündungstrichter der Erde, in den Atlantik mündet.

Die teils sumpfige, flache Atlantikküste ist durch Nehrungen und Strandseen stark gegliedert. Der größte Teil des Landes wird von Grassteppen bedeckt, die der extensiven Weidewirtschaft dienen. Von den einst mächtigen, undurchdringlichen Buschwäldern sind nur noch wenige Restbestände erhalten (rund fünf Prozent der Landesfläche).

Unter mäßig feuchtem, subtropischem Klima nehmen die Niederschläge von 1300 mm im Norden auf 1000 m im Süden ab. Die Durchschnittstemperaturen schwanken in Montevideo zwischen 10,5 Grad im Juli und 22,5 Grad im Januar. Gelegentlich sorgt der kalte Pampero-Wind aus dem Süden für Temperaturstürze.

Bevölkerung:

Der Großteil der Bevölkerung ist spanischer und italienischer Abstammung. Mestizen und Mulatten stellen weniger als ein Zehntel, die indianische Urbevölkerung gilt als ausgestorben. Rund 700.000 Uruguayer leben im Ausland. Uruguay besitzt die niedrigste Geburtenrate Südamerikas und eine der geringsten Säuglingssterblichkeiten des Subkontinents. Die Hauptstadt Montevideo ist die einzige Großstadt des Landes.

Staat und Politik:

Gemäß der mehrfach geänderten Verfassung von 1967 ist Uruguay eine präsidiale Republik. Der Präsident ist zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef. Er wird auf fünf Jahre direkt gewählt. Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament aus Senat (31 Mitglieder) und Abgeordnetenhaus (99 Abgeordnete). Beide Kammern haben eine fünfjährige Legislaturperiode.

Auf der linken Seite des Parteienspektrums steht die Allianz Encuentro Progresista-Frente Amplio/Nueva Mayoria (EP-FA/NM). Die bereits 1836 gegründeten Traditionsparteien Partido Nacional (PN, Blancos) und Partido Colorado (PC, Colorados) vertreten rechtskonservative bzw. liberale Strömungen.

Wirtschaft und Verkehr:

Allmählich erholt sich das Land von der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise von 2002. Die hohe Staatsverschuldung und die nur langsam vorankommende Liberalisierung und Privatisierung behindern die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Mehr als vier Fünftel der Staatsfläche werden landwirtschaftlich genutzt, der Schwerpunkt liegt in der extensiven, im Großgrundbesitz betriebenen Weidewirtschaft mit Schafen und Rindern, die über die Hälfte der Exporte liefert. Durch die Ausweitung der Hoheitsgewässer erfuhr die Fischerei einen Aufschwung. Die Industrie verarbeitet hauptsächlich Agrarprodukte. Im Dienstleistungssektor spielen die Finanzwirtschaft, die Software-Entwicklung und der Tourismus die größte Rolle.

Wichtigster Verkehrsträger ist die Straße. Da die Eisenbahn aufgrund des schlechten Zustandes des Schienennetzes Ende der achtziger Jahre die Personenbeförderung eingestellt hat, werden die Fernverbindungen durch Busse bedient. Große Bedeutung für den Gütertransport hat die Schifffahrt auf dem Río Uruguay und den Río de la Plata.

Geschichte

Von der Kolonialzeit bis zur Herrschaft des Militärs:

Der Spanier Juan Diaz de Solis erreichte 1516 das Gebiet des heutigen Staates. Die europäische Besiedlung der Region setzte im 17. Jahrhundert ein, wobei Spanier und Portugiesen im Wettstreit standen. 1776 wurde Uruguay Teil des spanischen Vizekönigreichs Río de la Plata. General José Gervasio Artigas führte das Land 1811 in den Unabhängigkeitskampf. Uruguay wurde jedoch 1821 zunächst brasilianische Provinz. Erst 1828 wurde die 1825 proklamierte Unabhängigkeit im Vertrag von Río de Janeiro anerkannt.

Das 19. Jahrhundert stand im Zeichen von Bürgerkriegen und politischen Kämpfen zwischen den konservativen und föderalistisch orientierten Blancos und den liberalen, unitaristischen Colorados . Erst der sozialreformerische Präsident José Batlle y Ordóñez (1903-1907, erneut 1911-1915) stabilisierte das Land politisch. Eine sich verschlechternde Wirtschaftslage führte in den sechziger Jahren zu einer politischen Dauerkrise mit Streiks und Terroranschlägen einer linksextremen "Stadtguerilla" (Tupamaros). Nach der Auflösung des Parlaments 1973 ging das Land schließlich den Weg in eine Militärdiktatur, die mit extremer politischer Repression einherging.

Die erneuerte Demokratie:

Die Militärherrschaft endete 1984 mit freien Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Die beiden Traditionsparteien Colorados und Blancos dominierten in den 1980er und 1990 Jahren wieder die Innenpolitik. 1991 beteiligte sich Uruguay an der Gründung des Mercosur. Bei den Präsidentschaftswahlen 1999 konnte sich Jorge Batlle Ibáñez, der Kandidat der Colorados, nur durchsetzen, weil er von den Blancos unterstützt wurde.

Nach einer schweren Wirtschaftskrise vollzog sich 2004 ein historischer Machtwechsel. Mit Tabaré Ramon Vázquez Rosas (EP-FA/NM) gewann erstmals seit der Unabhängigkeit ein linksgerichteter Politiker die Präsidentschaftswahlen. Seine Regierung erneuerte die Beziehungen zu Kuba und verabschiedete ein Hilfsprogramm für die ärmeren Bevölkerungsschichten. Auseinandersetzungen über Umweltprobleme im Zusammenhang mit der Zelluloseproduktion auf der uruguayischen Seite des Río Uruguay führten 2006/07 zu erheblichen außenpolitischen Spannungen mit Argentinien.


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