Peru

Wissenswertes über Peru

Natur und Klima:

Das Land gliedert sich in mehrere Großräume: die Küstenzone (Costa), die Anden (Sierra) sowie das Andenvorland (Montaña) und das Amazonasbecken (Selva).

In der schmalen und über 2000 Kilometer langen wüstenhaften Küstenregion im Westen wachsen nur stellenweise Kakteen und Dornensträucher. Oasen mit intensiver Bewässerungswirtschaft begleiten die annähernd 40 Flüsse, die sich von den Anden kommend durch die flache Landschaft schlängeln. Die Anden im Zentrum nehmen etwa ein Viertel der Landesfläche ein und fächern sich in mehrere, in Nord-Süd-Richtung verlaufende Stränge auf. Im Süden umrahmen West- und Ostkordillere das trockene Hochbecken des Altiplano mit dem Titicacasee.

Das östliche Andenvorland (Montaña) und das sich anschließende Amazonastiefland (Selva) werden von zahlreichen Flüssen durchquert. In der Montaña wächst ein immergrüner Nebelwald, im feuchtheißen Amazonasbecken ein dichter und artenreicher tropischer Regenwald.

Gegensätzliche Niederschlagsverhältnisse:

Die mit der Höhe abnehmenden Temperaturen schwanken im Jahresverlauf nur wenig. Die extreme Trockenheit in der Küstenregion hat ihre Ursache in dem kalten Humboldtstrom, der das Einströmen feuchtwarmer Luft von der Pazifikküste verhindert. Durch das Klimaphänomen El Niño, das in unregelmäßigen Abständen von mehreren Jahren den Humboldtstrom erwärmt, erhalten die Küstenwüsten sintflutartige Regenfälle. In der Sierra herrscht ein subtropisches Höhenklima mit einer sommerlichen Regenzeit. Im 3312 Meter hohen Cuzco regnet es 750 mm im Jahr. Dagegen gehen auf Iquitos im feuchtheißen Amazonastiefland fast 3000 mm nieder.

Bevölkerung:

Fast die Hälfte der Einwohner zählt zur indigenen Bevölkerung der Ketschua und Aymará, von denen ein Großteil als Kleinbauern im Altiplano lebt. Mehr als ein Drittel sind Mestizen. Die weiße Oberschicht konzentriert sich auf die Städte.

Die Hälfte aller Peruaner lebt an der Küste, allein ein Drittel im Großraum Lima, wo sich die Slums durch den anhaltenden Zuzug vom Land rasch ausdehnen. Ein Drittel der Peruaner siedelt in den Anden, die Selva hingegen ist kaum bewohnt. Die Hälfte der Bevölkerung fristet ein Dasein unterhalb der Armutsgrenze. Nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks Unicef gehen etwa 50 Prozent aller peruanischen Kinder einer Erwerbsarbeit nach.

Bildung:

Der Besuch einer zweijährigen Vorschule ist obligatorisch. Ab dem sechsten Lebensjahr besteht eine neunjährige Schulpflicht. Der Besuch der staatlichen Schulen - eine sechsjährige Primar- und eine fünfjährige Sekundarschule - ist unentgeltlich, mittellose Studierende werden von den Studiengebühren befreit. Doch zeigt das Bildungssystem in punkto Chancengleichheit und Ausstattung der Schulen zahlreiche Schwächen und die Lehrerausbildung ist mangelhaft. Die meisten Angehörigen der Oberschicht besuchen daher private Schulen und Hochschulen. Von den mehr als 50 Universitäten ist die 1551 in Lima gegründete Universidad Nacional Mayor de San Marcos die älteste ganz Amerikas.

Staat und Politik:

Laut Verfassung von 1993 ist Peru eine präsidiale Republik. Der Präsident ist Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er wird alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt und verfügt über weit reichende Vollmachten. Das Kabinett mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze wird vom Präsidenten ernannt. Die Legislative, der Kongress, hat 120 Abgeordnete, die für eine Legislaturperiode von fünf Jahren gewählt werden.

Die linke Gruppierung Partido Aprista Peruano/Alianza Popular Revolucionaria Americana (PAP/APRA) und das zentristische Bündnis Unión por el Perú (UPP) sind die stärksten Kräfte im Parlament. Weitere Parteienbündnisse sind Unidad Nacional (UN), Alianza por el Futuro (APF) und Frente del Centro (FC), der auch die Traditionspartei Acción Popular (AP) angehört. An der Spitze der Rechtsprechung steht der Oberste Gerichtshof (Corte Suprema).

Wirtschaft und Verkehr:

Der neoliberale Kurs der neunziger Jahre stabilisierte die peruanische Wirtschaft, verschlechterte jedoch die soziale Situation, so dass sich eine weiter zunehmende Schattenwirtschaft entwickelt hat und viele Peruaner ins Ausland emigrieren.

Plantagen, Koka, Fisch:

Die Landwirtschaft ist trotz des Rohstoffreichtums noch immer ein wichtiger Wirtschaftszweig. In den Flussoasen der Küstenzone werden überwiegend Baumwolle, Zuckerrohr und Reis angebaut. Kleinbauern betreiben in den Anden bis auf 4000 Meter Höhe Ackerbau zur Eigenversorgung, viele auch illegalen Kokaanbau - der Exportwert der Kokapasta erreicht etwa den Wert der gesamten legalen Ausfuhr.

In der Sierra werden Schafe, Ziegen, Rinder sowie Lama und Alpaka gezüchtet. In der Selva liegen Kautschuk-, Jute-, Zitrus- und Kaffeeplantagen. Der fischreiche Humboldtstrom hat Peru zu einer der wichtigsten Fischfangnationen der Welt gemacht, doch haben Überfischung und das Klimaphänomen El Niño zu Einbußen geführt. Die Wälder, die zwei Drittel des Landes bedecken, liefern neben Holz Naturkautschuk und Rohchinin.

Bergbau und Tourismus:

Beim Silber-, Zink-, Zinn- und Kupferbergbau zählt Peru zu den wichtigsten Förderern weltweit, ferner werden Gold und Blei in großen Mengen abgebaut. Wachsende Bedeutung kommt der Erdgas- und Erdölförderung zu. Die Industrie befindet sich häufig in ausländischer Hand und hat sich auf die Verarbeitung der Bergbau- und Agrarprodukte spezialisiert. Eine immer größere Rolle spielen die chemische Industrie, die Textil-, Schmuck- und Elektroindustrie sowie der Fahrzeug- und Maschinenbau.

Mit 1,2 Millionen ausländischen Touristen konnte Peru seine Besucherzahl innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppeln. Neben Cuzco und den Ruinen von Machu Picchu, den Scharrbildern von Nazca und den Altstädten von Lima und Arequipa sind auch der Titicacasee und mehrere Nationalparks wichtige Touristenziele.

Verkehrsstruktur:

Der Ausbau der West-Ost-Verbindungen wird durch die Andenketten erheblich behindert. Wichtigste Straßenverbindung ist die von Norden nach Süden verlaufende Carretera Panamericana. Das Eisenbahnnetz besteht aus mehreren nicht miteinander verbundenen Streckennetzen. Die Binnenschifffahrt ist auf dem Titicacasee und den Flüssen des Amazonasgebietes von großer Bedeutung.

Geschichte

Frühe Kulturen, Kolonialzeit, Unabhängigkeit:

Von 1200 v. Chr. bis 1000 n. Chr. bestanden auf dem Gebiet des heutigen Staates mehrere hoch entwickelte Indiozivilisationen, unter anderem die Chavin-Kultur, die Nazca-Kultur, die Moche-Kultur sowie die Tiahuanaco-Kultur. Im 15. Jahrhundert schufen die Inka ein Großreich, das 1532/33 von dem Spanier Francisco Pizarro erobert wurde. Das Vizekönigreich Peru umfasste außer dem Gebiet des heutigen Staates Peru fast ganz Südamerika und war wegen seines Reichtums an Edelmetallen von großer Bedeutung für Spanien.

1739 wurden das Vizekönigreich Neugranada und 1776 das Vizekönigreich Río de la Plata abgetrennt. Den 1821 unter José de San Martín begonnenen Unabhängigkeitskampf konnten Simon Bolívar und Antonio de Sucre 1824 erfolgreich beenden. 1825 trennte sich Bolivien von Peru 1836-1839 fanden beide Staaten noch einmal in einer Union zusammen. Der Verlust der Salpetergebiete im Salpeterkrieg (1879-1883) an Chile führte zum wirtschaftlichen Niedergang, der erst unter der Diktatur Augusto Bernadino Leguías (1908-1912, erneut 1919-1930), unter anderem auch durch Investitionen der USA, gestoppt wurde.

Nach dem Sturz Leguías erhielt die von Victor Raúl Haya de la Torre 1924 im mexikanischen Exil gegründete sozialrevolutionäre APRA wachsenden Rückhalt in der Bevölkerung, das Militär reagierte mit der Unterdrückung der Partei. Nach einem bewaffneten Grenzkonflikt (1941/42) entriss Peru dem nördlichen Nachbarn Ecuador das obere Amazonasgebiet.

Peru 1945-1990:

Der 1945 mit Unterstützung der APRA gewählte Präsident José Luis Bustamente y Rivero wurde 1948 vom Militär gestürzt. Nach acht Jahren Militärherrschaft gewann Manuel Prado y Ugarteche, bereits 1939-1945 Staatsoberhaupt, die Präsidentschaftswahlen. Bei den Wahlen 1962 erhielt Haya de la Torre mit der APRA die meisten Stimmen, doch das Militär verhinderte seinen Amtsantritt und veranlasste 1963 Neuwahlen, die General Fernando Belaúnde Terry für sich entschied. Er wurde 1968 von der Armee gestürzt. Während seiner zweiten Präsidentschaft 1980-1985 begann der Guerillakrieg des maoistischen Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) gegen den Staat. 1985 gelangte mit Alan García Pérez erstmals ein APRA-Politiker ins Präsidentenamt. Der Sendero Luminoso kontrollierte inzwischen weite Teile des Landes.

Fujimori-Regime und demokratischer Neuanfang:

Wirtschaftlicher Niedergang und die Bedrohung durch den Terrorismus verhalfen 1990 dem japanischstämmigen Alberto K. Fujimori mit seiner Partei Cambio 90 zur Macht. Er löste 1992 das Parlament auf und setzte die Verfassung außer Kraft. Das Militär stellte sich hinter diesen institutionellen Staatsstreich. Im selben Jahr gelang die Verhaftung des Sendero-Führers AbimaelGuzmán. Ein Jahr später sprach sich das Volk für eine neue Verfassung aus, welche die Rechte des Präsidenten ausweitete. 1995 wählte die Bevölkerung Fujimori erneut zum Staatsoberhaupt. Ein Grenzkonflikt mit Ecuador konnte 1998 beigelegt werden.

Das autoritäre Regime Fujimoris stieß bei der Bevölkerung zunehmend auf Kritik. In einer verfassungsrechtlich umstrittenen Wahl wurde Fujimori 2000 im Amt bestätigt. Nach einem Bestechungsskandal um Geheimdienstchef Vladimiro Montesinos erklärte Fujimori im selben Jahr auf einer Auslandsreise seinen Rücktritt und wurde im Gegenzug vom Parlament für abgesetzt erklärt. Die Wahlen 2001 gewann Alejandro Toledo Manrique, der damit zum ersten indianischstämmigen Präsidenten des Landes wurde. Im Laufe seiner Amtszeit verlor er infolge der schlechten sozialen Lage der Bevölkerung und auf Grund von Korruptionsaffären stark an Popularität. 2006 wählte die Bevölkerung erneut Alan García Pérez ins Präsidentenamt.


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