Paraguay

Wissenswertes über Paraguay

Natur und Klima:

Im Westen des Landes erstrecken sich auf fast zwei Dritteln der Staatsfläche die trockenheißen Aufschüttungsebenen des Gran Chaco. Auf den wenig fruchtbaren Böden herrrschen Savannen, Dornbusch und Quebracho-Trockenwälder vor. Das dicht besiedelte zentrale Tiefland wird von dem mächtigen Paraguay-Strom durchflossen, dem sich zu beiden Seiten Überschwemmungs- und Sumpfgebiete anschließen. Östlich des Flusses leiten isolierte Tafelberge und einzelne Gebirgszüge zum bewaldeten Amambay-Plateau über, das sich in einer markanten Bruchstufe von der Ebene absetzt.

Im Norden nimmt das subtropische Klima allmählich tropischen Charakter an. Die Niederschläge steigen von 500 mm im Westen auf 2000 mm im Osten an. Der Gran Chaco gehört mit Höchsttemperaturen von über 40 Grad während des Südsommers zu den heißesten Gebieten Südamerikas.

Bevölkerung:

Der Großteil der Bevölkerung sind Mestizen spanisch-indianischer Abstammung. Eine Gruppe von Guaraní-Indianern lebt im Gran Chaco. Von der weißen Minderheit sind etwa 30.000 deutschstämmige Mennoniten.

Die meisten Paraguayer leben im Osten des Landes, etwa drei Viertel in der Hauptstadt Asunción und ihrem Hinterland. Dagegen ist das Chacotiefland kaum besiedelt. Etwa die Hälfte der Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Im südamerikanischen Vergleich nimmt das Land Platz drei bei der Kindersterblichkeit ein.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1992 ist Paraguay eine präsidiale Republik. Der auf fünf Jahre direkt gewählte Präsident ist zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Legislative, der Nationalkongress, besteht aus dem Senat mit 45 Mitgliedern und der Abgeordnetenkammer mit 80 Mitgliedern. Die Legislaturperiode für beide Kammern ist fünf Jahre.

Wichtige parteipolitische Gruppierungen sind die rechtsnationale National-Republikanische Vereinigung-Colorado-Partei (ANR-PC), das linke Bündnis Patriotische Allianz für den Wechsel (APC), zu dem auch die Authentisch Liberal-Radikale Partei (PLRA) gehört, die Partei "Geliebte Heimat" (PPQ) und die Nationale Union der Bürgermoral (UNACE).

Wirtschaft und Verkehr:

Die Entwicklung des Landes wird vor allem durch die ausufernde Korruption und die Klientelwirtschaft gehemmt. Außerdem leidet Paraguay an fehlendem Kapital, dem Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften sowie dem schwach entwickelten Binnenmarkt. Schattenwirtschaft und Schmuggel sind weit verbreitet.

Haupterwerbszweig ist der Agrarsektor, der auch die wichtigsten Ausfuhrgüter (Sojabohnen, Baumwolle, Zuckerrohr und Tabak sowie Rindfleisch) liefert. Etwa ein Prozent der Betriebe verfügt über fast 80 Prozent der Agrarfläche, der Rest verteilt sich auf unzählige Klein- und Kleinstbetriebe. Aus den Wäldern, die etwa ein Drittel des Landes bedecken, werden Edelhölzer, ätherische Öle und Tannin für den Export gewonnen. Der Schwerpunkt der Industrie liegt in der Verarbeitung der land- und forstwirtschaftlichen Produkte. Bedeutsam ist Paraguay als Exporteur elektrischer Energie, die im gemeinsam mit Brasilien betriebenen Wasserkraftwerk von Itaipú am Paraná gewonnen wird.

Das Straßennetz ist auf die Hauptstadt Asunción ausgerichtet. Die Eisenbahn beschränkt sich auf eine einzige Trasse. Eine große Rolle spielt dagegen die Binnenschifffahrt auf den großen Flüssen des Landes. Als Binnenstaat hat Paraguay Freihafenrechte in Argentinien, Brasilien und Chile.

 

Geschichte

 

Jesuiten, Unabhängigkeit und Kriege:

1537 gründeten die Spanier Asunción. Der Jesuitenorden errichtete im 17. Jahrhundert dörfliche bis kleinstädtische Missionssiedlungen, so genannte Reduktionen, für die Guaraní-Indianer. 1767 wurden die Jesuiten ausgewiesen und die Reduktionen verfielen. Paraguay, bisher Teil des Vizekönigreichs Peru, wurde 1776 Teil des Vizekönigreichs La Plata. Nach der Unabhängigkeit 1811 wahrte das Land unter dem diktatorischen Präsidenten José Gaspar Rodríguez de Francia (1814-1840) durch Abschottung vom Ausland politische Eigenständigkeit und wirtschaftliche Autarkie.

Im Krieg gegen eine Allianz aus Argentinien, Brasilien und Uruguay (1864-1870) versuchte Paraguay vergeblich, einen Zugang zum Meer zu erzwingen. Dabei verlor das Land fast vier Fünftel seiner Bevölkerung und große Teile seines Territoriums. Zwar konnte Paraguay den Chacokrieg gegen Bolivien (1932-1935) gewinnen, doch führte auch dieser Konflikt zu großen Bevölkerungsverlusten. 1947 endete ein Bürgerkrieg mit dem Sieg der rechtsgerichteten Colorado-Partei.

Stroessner-Diktatur und Demokratisierung:

1954 übernahm General Alfredo Stroessner die Staatsführung. Gestützt auf das Militär und die Colorado-Partei, errichtete er eine diktatorische Herrschaft unter Ausschaltung jeglicher Opposition. Erst 1989 wurde Stroessner von General Andrés Rodríguez gestürzt.

Es begann ein Demokratisierungsprozess, die Colorado-Partei (ARN-PC) konnte ihre Stellung als Regierungspartei aber behaupten. 1996 scheiterte ein Putschversuch des Generals Lino Oviedo. Die Amnestierung des Generals führte 1999 zur Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen den 1998 gewählten Präsidenten Raúl Cubas Grau, der nach schweren Unruhen zurücktrat. Der bisherige Senatspräsident Luis Ángel González Macchi übernahm das Amt des Staatschefs, ohne dass politische Stabilität einkehrte.

2003 wurde Nicanor Duarte Frutos zum Präsidenten gewählt. Seine Partei, die ARN-PC, verlor allerdings die absolute Mehrheit in beiden Kongresskammern. Duarte Frutos bemühte sich in der Folgezeit besonders um eine Reform der Justiz. So wurden zwei Drittel der Richterstellen des Obersten Gerichtshofes neu besetzt. Gleichwohl blieben Korruption und Organisierte Kriminalität weiterhin Belastungsfaktoren für die Innenpolitik.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2008 musste die seit 1947 regierende Colorado-Partei eine schwere Niederlage hinnehmen. Die Bevölkerung wählte Fernando Armindo Lugo Mendéz, den Kandidaten des linken Oppositionsbündnisses APC, zum neuen Staatschef.

 


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