Kolumbien

Wissenswertes über Kolumbien

Natur und Klima:

An der 1700 Kilometer langen Pazifikküste erstreckt sich eine feuchtheiße Küstenebene. Ihr schließen sich im Osten die Anden an, die sich in die Cordillera Occidental, die Cordillera Central und die Cordillera Oriental aufgliedern. Auf den mächtigen Gebirgsketten thronen zahlreiche, teils aktive, bis zu 5000 Meter hohe Vulkane. Im Bereich der Ostkordillere (Cordillera Oriental) erstrecken sich mehrere bis zu 2800 Meter hohe Becken, die wirtschaftlichen Kernräume Kolumbiens.

In die tektonische Gräben zwischen den drei Kordillerenketten haben sich die Flüsse Río Cauca und Río Magdalena eingegraben. Ihre teils dicht besiedelten Täler werden zum karibischen Norden hin breiter und die Gebirge flachen sich zu einem feuchtheißen, sumpfigen Schwemmland ab. Die 1500 Kilometer lange karibische Küste wird von der bis 5775 Meter hohen Sierra Nevada de Santa Marta überragt.

Das weite Tiefland im Osten wird von den mächtigen Zuflüssen des Amazonas und Orinoco (unter anderem Caquetá, Guaviare, Meta) durchströmt und nimmt mehr als die Hälfte der Landesfläche ein. In seinem nördlichen Abschnitt liegen die Feuchtsavannen der Llanos Orientales, im Süden erstrecken sich die immergrünen Regenwälder des randlichen Amazonasbeckens.

Tropenklima mit Höhenstufen:

Das tropische Klima weist zwei Regenzeiten von März bis Mai sowie von Oktober bis November auf. Die höchsten Niederschlagsmengen gehen mit über 8500 mm auf der Westseite der Anden nieder. Ausgesprochen trocken ist die Guajira-Halbinsel.

Die Temperaturen variieren mit der Höhenlage: In der feuchtheißen, bis 1000 Meter hohen Tierra caliente, also in zwei Dritteln des Landes, liegen die Durchschnittswerte bei 23 bis 30 Grad. Ihr schließt sich bis in 2000 Meter Höhe die subtropische Tierra templada mit Temperaturen von 17 bis 23 Grad an. In der bis 3000 Meter hohen Tierra fría liegen die Temperaturen bei 13 bis 17 Grad. Weiter oberhalb herrscht in der Tierra helada ein kaltes Höhenklima mit weniger als 13 Grad; hier beginnt die baumlose Páramo-Steppe, bei 4500 Meter der ewige Schnee.

Bevölkerung:

Nach Brasilien und Mexiko ist Kolumbien das bevölkerungsreichste Land Lateinamerikas. Das Bevölkerungswachstum nimmt seit den achtziger Jahren ab, weist aber weiterhin hohe Werte auf. Mehr als die Hälfte der Einwohner sind Mestizen, ein Fünftel Weiße meist spanischer Herkunft, bis heute die soziale Oberschicht; den Rest stellen Mulatten und Schwarze sowie Indianer, die sich auf mehr als 200 Stämme verteilen.

Die Bevölkerung konzentriert sich auf die Andenregion und die karibische Küste, die Tiefländer im Osten sind dagegen kaum besiedelt. Eine starke Landflucht hat in den Städten, in denen drei Viertel der Bevölkerung leben, zahlreiche Slumviertel entstehen lassen.

Bildung:

Auf eine freiwillige Vorschulerziehung folgt die neunjährige Pflichtschulzeit, die sich in eine fünfjährige Grundstufe und eine vierjährige Sekundarstufe unterteilt. Diese Grundbildung ist an staatlichen Schulen kostenlos. Es schließt sich eine freiwillige zweijährige Schulstufe (Educación media) an, die mit dem Abitur zur Hochschulreife führt.

Die Qualität der Bildung nimmt von den Städten zum Land stark ab. Von den über 300 Einrichtungen der höheren Bildung befinden sich über die Hälfte in privater Hand. Größte Universität ist die 1867 gegründete Universidad Nacional de Colombia in Bogotá. Dem Großteil der Bevölkerung bleibt der Besuch einer Hochschule aus Armutsgründen verwehrt.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1991 (zuletzt 2004 revidiert) ist Kolumbien eine präsidiale Republik. Der Präsident, der gleichzeitig Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, wird für eine Amtszeit von vier Jahren direkt vom Volk gewählt. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Das Zweikammerparlament besteht aus Senat (102 Senatoren) und Repräsentantenhaus (165 Abgeordnete). Beide Parlamentskammern werden alle vier Jahre gewählt.

Die derzeitige Regierung wird hauptsächlich von der Sozialen Partei der nationalen Einheit (Partido Social de Unidad Nacional; PSUN) und den Konservativen (Partido Conservador Colombiano, PCC) gestützt. Stärkste Kraft der Opposition sind die Liberalen (Partido Liberal, PL).

Wirtschaft und Verkehr:

Seit Anfang der neunziger Jahre betreiben die Regierungen eine Politik der Liberalisierung. Zentrale Probleme sind die hohe Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sowie die mangelnde politische Stabilität. 59 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.

Kaffee-, Blumen- und Kokaanbau:

Neben wenigen Großgrundbesitzern gibt es zahlreiche Kleinbauern, Pächter und Tagelöhner. Kolumbien ist der zweitgrößte Kaffeeexporteur der Welt; angebaut wird der Kaffee in der Tierra templada, meist in Familienbetrieben. Plantagen liefern Bananen, Zuckerrohr, Tabak, Kakao und Baumwolle für den Export.

In jüngster Zeit stieg das Land zum weltweit zweitwichtigsten Exporteur von Schnittblumen auf. Dagegen dient der in den kühlen Hochebenen der Anden betriebene Anbau von Mais, Weizen und Kartoffeln der Eigenversorgung. In den Llanos werden vor allem Rinder gezüchtet. Kolumbien gilt als der weltweit größte Koka-Produzent. Der Anbau wird mit Unterstützung der USA ("Plan Colombia") unter anderem durch massive chemische Besprühungen bekämpft und ist nach offiziellen Angaben in den vergangenen Jahren deutlich vermindert worden.

Bodenschätze und Industrie:

Das Land verfügt über die größten Gold-, Platin-, Nickel- und Kohlevorkommen Südamerikas und ist der weltweit führende Produzent von Smaragden. Zahlreiche weitere Lagerstätten bergen unter anderem Eisenerz, Kupfer, Zink und Mangan. Die reichhaltigen Erdgas- und Erdölvorkommen decken nicht nur den nationalen Energiebedarf, sondern liefern auch ein Viertel des Exportwertes. Die Industrialisierung wird durch die Schaffung von Industriezonen gefördert; ihre Schwerpunkte liegen in den Branchen Nahrungsmittel, Textil, Chemie sowie im Maschinen- und Fahrzeugbau.

Dienstleistungssektor und Tourismus:

Einen überdurchschnittlichen Zuwachs verzeichnet der Dienstleistungssektor mit den Bereichen Transport, Telekommunikation, Handel und Finanzen. Dem Tourismus kommt trotz der prekären Sicherheitslage mit jährlich 800.000 Touristen wachsende Bedeutung zu. Wichtigste Ziele sind außer der Karibikküste die archäologischen Stätten von Tierradentro und San Agustín sowie die Städte Bogotá und Cartagena.

Unterschiedliche Verkehrserschließung:

Während durch die Anden zahlreiche Straßen und Eisenbahnlinien führen, sind die pazifische Küstenebene und die östlichen Tiefebenen kaum erschlossen. Die Gebirgsketten der Anden stellen natürliche Verkehrsbarrieren dar; daher überwiegen Nord-Süd-Verbindungen. Der größte Teil des Straßennetzes ist unbefestigt. Entsprechend groß ist die Bedeutung des Luftverkehrs; 900 Flughäfen und -plätze dienen dem Binnenverkehr.

 

Geschichte

 

Unabhängigkeitskampf und Staatsgründung:

1499 entdeckten Alonso de Hojeda und Amerigo Vespucci die Nordküste des heutigen Staates. Die Spanier eroberten 1536 bis 1539 das Landesinnere und gründeten 1739 das Vizekönigreich Neugranada. 1810 erklärte es seine Unabhängigkeit; die Spanier wurden von Simon Bolívar in jahrelangen Kämpfen aus dem Land vertrieben. 1819 wurde die Republik Groß-Kolumbien (nach Christoph Kolumbus benannt) proklamiert, die aus Kolumbien, Ecuador, Panama und Venezuela bestand. 1829/30 fielen Venezuela und Ecuador ab. Der Rest nannte sich Republik Neugranada; seit 1861 Vereinigte Staaten von Kolumbien und seit 1886 Republik Kolumbien.

Ständige Machtkämpfe zwischen zentralistischen Konservativen und föderalistisch gesinnten Liberalen bestimmten die Innenpolitik. Ein blutiger Bürgerkrieg ("Krieg der tausend Tage") forderte 1899 bis 1902 rund 100.000 Opfer. Unter dem Druck der USA trennte sich Panama 1903 von Kolumbien und wurde selbständige Republik. Die nach langer Regierungszeit der Konservativen 1930 an die Macht gelangten Liberalen nahmen sozialpolitische Reformen in Angriff.

Demokratie und Gewalt:

Nach vorübergehender innerer Stabilisierung übernahmen 1946 erneut die Konservativen die Regierungsgewalt. Nach dem Attentat auf den liberalen Politiker Jorge Eliécer Gaitán brach 1948 ein neuerlicher blutiger Bürgerkrieg ("violencia") zwischen Liberalen und Konservativen aus, der rund 200.000 Tote forderte und erst 1957 beigelegt werden konnte. Die Konfliktparteien einigten sich auf die Bildung einer "Nationalen Front" und stellten in einem System der "eingefrorenen Demokratie" abwechselnd den Präsidenten. Das starke soziale Gefälle im Lande begünstigte das Entstehen von Guerillabewegungen.

Seit 1974 traten Liberale und Konservative wieder mit eigenen Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen an. Der unter dem konservativen Präsidenten Belisario Betancur Cuartas (1982-1986) eingeleitete Versuch, einen Dialog mit der Stadtguerilla Movimiento 19 de Abril (M-19) aufzunehmen, scheiterte. Nach der gewaltsamen Besetzung des Obersten Gerichtshofs durch die M-19 1985 verschärften sich in der Folgezeit die Auseinandersetzungen zwischen der Guerilla und rechtsextremen Todesschwadronen. Gleichzeitig gewann die kolumbianische Drogenmafia an Macht. Die innenpolitische Gewalt eskalierte (Drogenkrieg).

1990 wandelte sich die M-19 zur politischen Partei. 1991 trat eine neue Verfassung in Kraft. Dennoch setzte sich der innenpolitische Terror linker Guerillas, rechter Paramilitärs und der Drogenmafia fort, so dass zeitweise der Ausnahmezustand verhängt wurde. Die vom konservativen Präsidenten Andrés Pastrana Arango (1998-2002) aufgenommenen Friedensgespräche mit den Guerillaorganisationen Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc) und Nationales Befreiungsheer (ELN) blieben ohne durchschlagenden Erfolg.

Der 2002 gewählte unabhängige rechtskonservative Präsident Álvaro Uribe Vélez versuchte, die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen mit der Guerilla durch militärische Mittel zu beenden. Fortschritte erzielte er bei der Entwaffnung rechter paramilitärischer Gruppen. Eine Einigung mit der Farc gelang nicht. 2004 kam es zu massiven Protesten gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung, die eine Verfassungsänderung durchsetzte, um Uribe eine neuerliche Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2006 zu ermöglichen. Uribe gewann diese Wahlen mit deutlicher Mehrheit.

In der Folgezeit bemühte sich der Präsident um den Austausch von Geiseln der Farc gegen inhaftierte Guerillakämpfer. Dabei schaltete sich auch der venezolanische Präsident Hugo Chávez Frías als Vermittler ein. Eine kolumbianische Militäraktion auf ecuadorianischem Boden gegen die Farc führte 2008 zu einer schweren außenpolitischen Krise zwischen Kolumbien, Ecuador und Venezuela. Im selben Jahr gelang den kolumbianischen Sicherheitskräfte die Befreiung der 2002 von der Farc entführten Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt.

 


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