Chile

Wissenswertes über Chile

Natur und Klima:

Im Osten wird das Land von der Gebirgskette der Anden, im Westen vom Pazifik begrenzt. Dazwischen verläuft parallel zur Küste die bis zu 2000 Meter hohe Küstenkordillere. Zwischen ihr und der Hauptkordillere erstreckt sich ein Längstal, das im Norden eine wüstenhafte Hochebene bildet.

Nord-Süd-Gliederung:

Die Landschaft des Großen Nordens (Norte Grande) wird von der äußerst lebensfeindlichen Wüste Atacama beherrscht. Südlich des Río Huasco schließt sich der etwas regenreichere Kleine Norden (Norte Chico) an. Weiter nach Süden, in der Zona Central, bildet das chilenische Längstal dank des milden mediterranen Klimas den Hauptwirtschafts- und Siedlungsraum des Landes. Im Kleinen Süden (Sur Chico), der bis zur Insel Chiloé reicht, liegt das auf eiszeitliche Vergletscherung zurückgehende chilenische Seengebiet. Im Großen Süden (Sur Grande) zeichnet eine Vielzahl von Inseln den Verlauf der im Meer versunkenen Küstenkordillere nach. Mit zahlreichen Fjorden greift der Pazifik in die Hochkordillere hinein, bis sie sich im äußersten Süden ebenfalls in Inseln auflöst.

Erdbeben und Vulkanismus:

Chile gehört zu den tektonisch aktivsten Regionen der Erde, die chilenische Andenkette wird von vielen tätigen Vulkanen gekrönt. 1960 wurden weite Küstenabschnitte um die südchilenische Hafenstadt Valdivia von einem Erdbeben zerstört, das mit einer Stärke von 9,5 die größte jemals aufgezeichnete Magnitude hatte. Der 1991 explodierte Vulkan Hudson schleuderte seine Asche bis auf die Falklandinseln im Südatlantik.

Subtropisch-trocken bis subpolar-kühl:

Infolge der riesigen Nord-Süd-Ausdehnung reichen die Klimazonen Chiles vom subtropischen Wüstenklima im Norden bis zum Subpolarklima Feuerlands im Süden. Während der Norden zu den regenärmsten Gebieten der Erde zählt, herrscht im Zentrum ein mediterranes Klima mit trockenen Sommern und feuchten Wintern. Der Süden wird von kühlgemäßigten bis subpolaren Klimaten mit häufigen Stürmen und ganzjährig hohen Niederschlägen bestimmt.

Bevölkerung:

Die ethnische Zusammensetzung Chiles ist mit einem Anteil von 90 Prozent Mestizen und Weißen im Vergleich zu anderen südamerikanischen Ländern sehr homogen. Zur indianischen Minderheit gehören im Süden die etwa 200.000 zum Volk der Mapuche zählenden Araukaner und im Norden etwa 10.000 Aymará-Indianer. Die meisten Indianer leben in ärmlichen Verhältnissen.

Chile ist eine Klassengesellschaft mit einer kleinen, überwiegend weißen Oberschicht, einer für südamerikanische Verhältnisse relativ großen Mittelschicht und einer breiten Unterschicht. Die Bevölkerung wächst im südamerikanischen Vergleich sehr langsam, die Säuglingssterblichkeit ist die niedrigste des gesamten Kontinents.

Während drei Viertel der Einwohner in Mittelchile leben, sind der Norden und Süden kaum bevölkert. Die meisten Chilenen wohnen in den städtischen Regionen Santiago de Chile, Viña del Mar, Concepción und Valparaíso. Der Zustrom der Landbevölkerung in die städtischen Zentren hält unvermindert an und führt zum Anwachsen der Armenviertel ("Poblaciones").

Bildung:

2003 verabschiedete die chilenische Regierung ein Gesetz, das allen Bürgerinnen und Bürgern das Recht auf eine zwölfjährige kostenlose Schulbildung garantiert. Kinder ab fünf Jahre profitieren von einer freiwilligen Vorschulerziehung. Die Schulpflicht besteht ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr und umfasst die achtjährige Grundschule. Während der zweiten Grundschulhälfte gibt es die Möglichkeit, fachliche Schwerpunkt zu setzen.

Mit 13 bzw. 14 Jahren kann eine Sekundarschule besucht werden, deren humanwissenschaftlicher Zweig in vier Jahren absolviert wird und die den Universitätsbesuch ermöglicht. Die technisch-berufsorientierte Richtung beinhaltet eine Fachausbildung und wird in vier bis sechs Jahren abgeschlossen. Knapp die Hälfte der Schülerinnen und Schüler sowie der Studierenden besucht Privatschulen bzw. private Hochschulen; dieser Zugang bleibt den Kindern aus ärmeren Bevölkerungsschichten meist verwehrt.

Staat und Politik:

Gemäß der mehrfach revidierten Verfassung von 1981 ist Chile eine präsidiale Republik, in der dem Präsidenten die Rolle des Staatsoberhaupts und des Regierungschefs zufällt. Er wird für eine vierjährige Amtszeit gewählt. Die Legislative besteht aus der Abgeordnetenkammer (120 Mtglieder, Wahl alle vier Jahre) und dem Senat (48 Mitglieder, auf acht Jahre gewählt).

Die Mitte-Links Gruppierung Parteienbündnis für Demokratie (Concertación de Partidos por la Democracia, CPPD) ist stärkste parlamentarische Kraft. Ihr gehören neben den Christdemokraten (Partido Demócrata Cristiano, PDC), die gemäßigt linke Partei für die Demokratie (Partido por la Democracia, PPD), die Sozialistische Partei (Partido Socialista, PS) und die Radikal-Sozialdemokratische Partei (Partido Radical Social Demócrata, PRSD) an. Der Mitte-rechts-Block Allianz für Chile (Alianza por Chile, APC) besteht aus der liberal-konservativen Nationalen Erneuerung (Renovación Nacional, RN) und der konservativen Unabhängigen Demokratischen Union (Unión Demócrata Independiente, UDI).

 

Wirtschaft und Verkehr

Chiles Wirtschaft basiert auf dem Reichtum an Rohstoffen, der das Land allerdings in großer Abhängigkeit vom Weltmarkt hält. Dennoch zeigt sich die Wirtschaft, auch wegen des Aufschwungs in China, seit Jahren stabil.

 

Landwirtschaft und Fischerei:

Ein Viertel des Landes wird landwirtschaftlich genutzt; charakteristisch ist noch immer der Gegensatz zwischen Kleinstbetrieben zur Selbstversorgung und Großplantagen. Die Anbaugebiete konzentrieren sich auf das Große Längstal. Für den Export produziert werden neben Obst und Gemüse vor allem Wein und Holzprodukte wie Zellulose. Eine besondere Rolle spielt die Lachszucht - mittlerweile hat Chile Norwegen vom ersten Platz beim Export von Zuchtlachs verdrängt. Der fischreiche Humboldtstrom ermöglicht eine ertragreiche Meeresfischerei.

Abhängigkeit vom Bergbau:

Seit dem 19. Jahrhundert bildet der Bergbau das wirtschaftliche Rückgrat Chiles. Bis in die zwanziger Jahre war Salpeter das wichtigste Exportgut, und noch heute steht Chile bei der Weltförderung von Natursalpeter an erster Stelle - ebenso wie bei der Jodförderung. Allerdings liefert das Kupfer gegenwärtig den größten Exportgewinn; ein Viertel der weltweit bekannten Kupfererzvorkommen liegen in Chile. Daneben werden Eisenerze und fossile Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle gefördert. Die Industrie basiert auf der Verarbeitung von Nahrungsmitteln und Bergbauprodukten.

Tourismus in den Anfängen:

Chiles touristisches Potential gilt mit derzeit 1,6 Millionen Auslandsgästen im Jahr als ausbaufähig. Beliebte Ziele sind die Fjord- und Gletscherlandschaften im Süden und die Atacama-Wüste im Norden. Zu den Stätten des Unesco-Weltkulturerbes zählen die Holzkirchen auf der Insel Chiloé, das historische Viertel der Hafenstadt Valparaíso, der Nationalpark Rapa Nui auf der zu Chile gehörenden Osterinsel sowie seit 2005 die Salpeterwerke von Humberstone und Santa Laura.

Nord-Süd-Verkehr:

Das Verkehrsnetz zeigt eine Nord-Süd-Ausrichtung und weist in Zentralchile eine hohe Dichte auf. Die wichtigste Straßenverbindung bildet die Carretera Panamericana. Eine Eisenbahnlinie verbindet Pisagua im Norden mit Puerto Montt im Süden. Von ihr zweigen Querverbindungen nach Argentinien ab. Der Küstenschifffahrt kommt aufgrund der langen Küstenlinie große Bedeutung zu.

 

Geschichte

 

Spanische Kolonie:

Die ersten Europäer erreichten 1536 mit einer Expedition unter Diego de Almagro den Norden des heutigen Staatsgebietes. Fünf Jahre später stieß Pedro de Valdivia weiter nach Süden vor und gründete die Stadt Santiago. Das Gebiet unterstand bis 1778 dem Vizekönig von Peru. 1810 begann der Unabhängigkeitskampf. 1818 wurde Chile unabhängige Republik (erstes Staatsoberhaupt Bernardo O'Higgins).

Unabhängigkeit und Prosperität:

Nach einer Zeit innerer Wirren folgte seit 1833 eine Periode des wirtschaftlichen und politischen Aufschwungs. Konflikte um die Schürfrechte im Hauptfördergebiet des Salpeters, der Atacama-Wüste, mündeten 1879 bis 1883 in den Salpeterkrieg gegen Bolivien und Peru, aus dem Chile als Sieger hervorging. Es vergrößerte sein Staatsgebiet und gewann das Weltmonopol in Salpeter.

Entwicklung bis zum Sturz Allendes:

Nach dem Ersten Weltkriegs verschlechterten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Es setzte eine politische Radikalisierung ein. Präsident Arturo Alessandri (1920-1925, 1932-1938) gelang es in den dreißiger Jahren, die Folgen der Weltwirtschaftskrise zu überwinden. Im Zweiten Weltkrieg blieb Chile neutral.

In den sechziger Jahren führte die christdemokratische Regierung unter Präsident Eduardo Frei tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Reformen durch. Die gesellschaftliche Polarisierung zwischen Konservativen und Linken spitzte sich 1970 nach der Wahl des Sozialisten Salvador Allende zum Präsidenten weiter zu. Er verstaatlichte alle Schlüsselindustrien sowie den Finanzsektor und setzte die von Frei eingeleiteten Agrarreformen fort. 1973 wurde Allende von der Armeeführung gestürzt und kam unter ungeklärten Umständen ums Leben.

Diktatur und Rückkehr zur Demokratie:

Das Militärregime unter General A. Pinochet (seit 1974 Staatspräsident) unterdrückte die Opposition und beging schwere Menschenrechtsverletzungen (Folter und Ermordung von Regimegegnern). Gleichzeitig liberalisierte Pinochet die Wirtschaft und machte alle Verstaatlichungen wieder rückgängig.

1988 ergab eine Volksabstimmung eine Mehrheit gegen die Verlängerung der Amtszeit Pinochets bis 1997. Die Präsidentenwahl 1989 gewann der Christdemokrat P. Aylwin. Sein Nachfolger wurde 1994 Eduardo Frei, Sohn des gleichnamigen Präsidenten aus den sechziger Jahren. Er förderte die Liberalisierung der Wirtschaft.

Die Präsidentschaftswahlen 1999/2000 gewann der Sozialist Ricardo Lagos Escobar als Kandidat der CPPD. Die Regierung Lagos intensivierte die Aufarbeitung der Menschenrechtverletzungen während der Pinochet-Ära. Die strafrechtliche Immunität Pinochets wurde aufgehoben. Reformen der Verfassung und des Zivilrechts (Erlaubnis der Ehescheidung 2004) trugen zur weiteren Modernisierung des Landes bei.

Der Abschluss von Freihandelsabkommen mit den USA und Südkorea 2003 beflügelte die Wirtschaft. 2005 folgte ein Assoziierungsabkommen mit der EU. 2006 wurde mit der Sozialistin Michelle Bachelet erstmals eine Frau ins Präsidentenamt gewählt.

 


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