Bolivien

Wissenswertes über Bolivien

Natur und Klima:

Ein Drittel der Landesfläche wird von den Anden eingenommen, die hier ihre größte Breite erreichen. West- und Ostkordillere umrahmen das 3000 bis 4000 Meter hoch gelegene Altiplano, ein abflussloses, von der baumlosen Hochlandsteppe der Puna eingenommenes Becken mit dem Titicacasee im Nordosten. Es ist der Hauptsiedlungs- und Wirtschaftsraum Boliviens. Nach Süden geht die Steppe in eine Hochlandwüste über, in der mit dem Salar de Uyuni eine der größten Salzpfannen der Welt liegt. Auf der Ostabdachung der Anden schließt sich das von den Quellflüssen des Amazonas und des La-Plata-Systems zerschnittene Bergland der Yungas an. Der Norden des Tieflands im Osten wird von tropischem Regenwald, das Zentrum von Feuchtsavanne eingenommen. Der Süden leitet zur trockenen Dornbuschsavanne des Gran Chaco über.

Das Klima Boliviens zeigt - in Abhängigkeit von der Höhenlage - extreme Unterschiede auf kleinstem Raum. Es ist im Osten tropisch-heiß und auf dem Altiplano trocken-kühl; in den Gipfelregionen der Anden herrscht ewiger Frost.

Bevölkerung:

Die größte Bevölkerungsgruppe bilden die Hochlandindianer der Ketschua und Aymará, weitere gehören den Tieflandindianern der Guaraní an. Trotz ihrer zahlenmäßigen Mehrheit ist die indianische Bevölkerung bis heute weitgehend von den politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Im Hochland leben vier Fünftel der Einwohner, vor allem konzentriert auf die Städte La Paz mit El Alto und auf Santa Cruz. In keinem anderen Land des Kontinentes sterben so viele Säuglinge wie in Bolivien.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 2009 ist Bolivien eine präsidiale Republik, in der der Präsident die Ämter des Staatsoberhauptes und des Regierungschefs in einer Person vereint. Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament (Senat mit 36 Mitgliedern und Abgeordnetenhaus mit 130 Mitgliedern) mit fünfjähriger Legislaturperiode.

Wichtige Parteien sind die linke indigene Partei Bewegung für Sozialismus (MAS), die gemäßgt konservative Nationalistische Revolutionsbewegung (MNR), die konservative Soziale und Demokratische Bewegung (Podemos) sowie die liberal-konservative Front der Nationalen Einheit (UN). Das höchste Gericht ist der Oberste Gerichtshof in der Hauptstadt Sucre.

Wirtschaft und Verkehr:

Bolivien gehört zu den Ländern mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen in Lateinamerika. Trotz verschiedener Entschuldungsinitiativen betrugen seine Auslandsschulden Ende 2006 über 5,2 Milliarden US-Dollar. Die politische Instabilität im Land beeinträchtigt die Investitionsbereitschaft ausländischer Kapitalgeber.

Unterschiedliche Bedingungen in der Landwirtschaft:

Während die Landwirtschaft im Hochland vor allem der Selbstversorgung dient, liefern die Plantagen der Yungas und des Tieflands Exportgüter (Soja, Zitrusfrüchte, Bananen, Kakao, Zuckerrohr und Kaffee). Seit den siebziger Jahren hat der illegale Anbau von Cocasträuchern stark zugenommen. Heute ist das Land hinter Kolumbien und Peru der drittgrößte Cocaproduzent der Welt. Staatliche Maßnahmen, den Cocaanbau zugunsten anderer Produkte einzudämmen, fruchteten bisher wenig.

Abhängigkeit von Rohstoffen:

In Bolivien liegen reiche Erdöl- und Erdgaslagerstätten, doch verhindern der Mangel an Kapital, die lückenhafte Verkehrserschließung und politische Aufstände vielfach eine profitable Ausbeutung. Dennoch stammen rund drei Viertel des Exportvolumens aus dem Bergbau; ausgeführt werden vor allem Erdgas, Erdöl, Eisenerz und Zinn. Die nur schwach entwickelte Industrie verarbeitet vorwiegend Bergbau- und Agrarprodukte.

Lückenhaftes Verkehrsnetz:

Während die wichtigen Städte durch Straßen und die Eisenbahn verbunden sind, ist der Osten kaum erschlossen. Eine Eisenbahnlinie verbindet Bolivien mit den chilenischen Ausfuhrhäfen. Über diese und einen Freihandelshafen im argentinischen Rosario erfolgt ein Großteil des Warenexports.

Geschichte

Von der spanischen Eroberung bis zum Chacokrieg:

Nach der Eroberung durch die Spanier 1538 unterstand Bolivien dem Vizekönigreich Peru, ab 1776 dem Vizekönigreich Río de la Plata. 1825 rief das Land seine Unabhängigkeit aus. Simon Bolívar, nach dem das Land benannt wurde, übernahm als Erster das Präsidentenamt. 1836 bis 1839 war Bolivien mit Peru in der peruanisch-bolivianischen Union vereint. Als Verbündeter Perus verlor das Land im Salpeterkrieg (1879-1883/84) gegen Chile seinen einzigen Zugang zum Meer. Weitere Gebietsverluste erlitt das Land 1903 nach einem Grenzstreit mit Brasilien und im Chacokrieg mit Paraguay (1932-1935).

Reformen und Militärherrschaft:

In den fünfziger Jahren leitete Präsident Víctor Paz Estenssoro mit Unterstützung der linken Partei MNR eine radikale Landreform und die Verstaatlichung der Zinnminen ein.1964 übernahm General Barrientos Ortuño die Macht (bis 1969). Er zerschlug 1967 die von Ernesto "Che" Guevara aufgebaute Guerillabewegung. In den folgenden Jahren wechselten sich verschiedene Militärregierungen ab.

Ringen um innere Stabilität (seit 1982):

Nach einem Generalstreik wurde 1982 die Demokratisierung eingeleitet. In den neunziger Jahren bemühten sich die Regierungen um wirtschaftliche Reformen. Die Präsidentschaftswahl 1997 gewann der ehemalige Militärherrscher Hugo Banzer Suárez, der 2001 zurücktrat. Ein Jahr später wurde Gonzalez Sánchez de Lozada Präsident. Sowohl er als auch sein Nachfolger Carlos Mesa (2003-2005) traten nach blutigen Protesten gegen die Privatisierung des Energiesektors und die schlechte soziale Lage von ihren Ämtern zurück.

Evo Morales (MAS), Führer der Kokabauern, gewann die Präsidentschaftswahlen 2005. Das erste indigene Staatsoberhaupt des Landes leitete einen Politikwechsel ein, mit dem Ziel, die soziale Lage der ärmeren Bevölkerungsschichten zu verbessern. Er nationalisierte die Energieindustrie, führte eine Landreform durch und ließ 2006 eine verfassunggebende Versammlung wählen.

In der Folgezeit stellten sich vor allem die Führer der wirtschaftlich starken Departements des bolivianischen Tieflandes gegen den politische Kurs des Präsidenten und bemühten sich um mehr Autonomie. Daraufhin stellte sich Morales im August 2008 einem Referendum, in dem er im Amt bestätigt wurde. Allerdings erhielten auch die regierungskritischen Gouverneure der Tieflandregion die Unterstützung der Bevölkerung.

Im September 2008 eskalierte der Konflikt in gewalttätigen Auseinandersetzungen, so dass die südamerikanische Staatengemeinschaft Unasur einen Krisengipfel einberief. Im Januar 2009 stimmte die Bevölkerung in einem Referendum mehrheitlich für die neu ausgearbeitete Verfassung.


Dieser Text ist dem Angebot entnommen.
(C) Wissenmedia GmbH